Luise Neuhaus-Wartenberg
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Damen und Herren! Der Antrag der AfD ist meiner Meinung nach ein neuerlicher Versuch, über eine harmlos klingende Forderung nach mehr und besserem Schulgartenunterricht, die im Übrigen ja auch die meisten Menschen im Grundsatz teilen, rechte Ideologie einzuspeisen. (Lachen bei der AfD – Zurufe von der AfD) Es geht Ihnen nicht um ein bildungspolitisches Thema und schon gar nicht um die Schülerinnen und Schüler, die durch Schulgartenunterricht mehr Wissen um Nachhaltigkeit, die eigene Gesundheit und Biologie vermittelt bekommen. Ich sage sehr deutlich: Wir haben überhaupt nichts gegen Schulgartenunterricht bzw. diesen auch abzusichern, und wir haben auch nichts gegen eine vernünftige Ausstattung der Schulen. Aber wir haben etwas gegen plumpe Deutschtümelei. (Gelächter bei der AfD) Der Schulgarten soll nach Ihren Vorstellungen insbesondere das Heimatgefühl der Kinder stärken. Ihr Begriff von Heimat beinhaltet aber immer Chauvinismus wie im Land, so im Garten und umgekehrt. Was Sie nicht begreifen, ist, dass Umweltschutz nicht Heimatschutz bedeutet und dass Erziehung zu Nachhaltigkeit bei den Jüngsten nichts mit biologischer Reinhaltung zu tun hat. Im Gegenteil. Was kommt als Nächstes? Verpflichtender Fahnenappell und Singen der deutschen Nationalhymne am deutschen Kartoffelbeet? (Beifall bei den LINKEN sowie Lachen und demonstrativer Beifall bei der AfD) Was Sie eigentlich wollen, sind deutsche Kartoffelbeete, so weit das Auge reicht. Ich verrate Ihnen aber etwas: Die Kartoffel kommt eigentlich aus Lateinamerika, und Böden brauchen Vielfalt. Sie aber wollen Monokulturen. Das verödet die Böden und macht die Menschen krank, ebenso wie Sie unsere Gesellschaft krankmachen. (Sebastian Wippel, AfD: Lassen Sie uns doch einmal über invasive Arten reden!) Und weil Sie aus dem Lehrplan zitieren: Ich empfehle Ihnen Lernbereich 1 Sachunterricht: Zusammen leben und lernen, Begegnung mit kultureller Verschiedenheit im Schul- und Familienalltag und im öffentlichen Leben, Kindern unterschiedlicher Herkunft begegnen, das Eigene am Fremden entdecken. Dazu könnten Sie doch einmal etwas machen. Es passt aber überhaupt nicht in Ihr Weltbild. Eine Partei, die von Klimalüge und Klimaideologie schwafelt, die per Gesetz das Verbandsklagerecht im Umweltbereich angreifen will, die von Dieselmob im Ökowahn schwadroniert, die im Speziellen eine Klimaaktivistin und im Allgemeinen Hunderttausende junge Menschen aufs Übelste diffamiert, die die Energiewende ablehnt, eine Partei, die Leipziger Kitas, Pädagogen, Kinder und Eltern eines bewussteren Speiseplanes wegen der kulturellen Unterwerfung beschuldigt, eine Partei, in der man sich ein Atomkraftwerk in der Lausitz vorstellen kann, aber beim Anblick eines Windrades anfängt herumzuopfern und zu erklären, dass man nicht schlafen kann – eine solche Partei möchte nun Heimatgefühle im Schulgarten wecken. Meine Damen und Herren, angesichts Ihrer Position und Forderungen in den Bereichen Naturschutz, Umwelt oder Klimaschutz, Energie- oder Verkehrspolitik klingt das gelinde gesagt nicht durchdacht. Ich habe den leisen Verdacht, dass – vorausgesetzt, Sie könnten alle Ihre Ideen einmal in die Tat umsetzen, wovon wir nicht ausgehen und wogegen wir kämpfen werden – das Einzige, was sich dann noch in einem sächsischen Schulgarten entfalten würde, Fahnen von vor 85 Jahren wären. (André Barth, AfD: Unverschämt! – Zurufe von der AfD: Unerhört!) Wir lehnen Ihren Antrag ab, weil wir es überzeugten und bekannten Brandstiftern nicht abnehmen, Feuerwehr zu spielen. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN – Proteste bei der AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank, Frau Neuhaus-Wartenberg. Es gibt eine Wortmeldung an Mikrofon 7. Herr Dr. Weigand, Sie möchten vermutlich eine Kurzintervention machen? – Bitte schön.
