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Christin Melcher

GRÜNE 30.01.2020 Sitzungen 7/6

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Doreen Taubert, das ist ein historischer Moment – man will sagen: eine Sauerstoffzufuhr für dieses Hohe Haus. Dass wir heute über den Volksantrag zur Einführung der Gemeinschaftsschule debattieren, verdanken wir dem unermüdlichen Engagement des Bündnisses „Längeres gemeinsames Lernen in Sachsen“. Stellvertretend für das Bündnis richte ich heute daher meinen Dank an Doreen Taubert und Burkhard Naumann – vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der Abg. Sabine Friedel, SPD) Mein Dank gilt aber auch all denjenigen, die bei Wind und Wetter auf der Straße ehrenamtlich über 50 000 Unterschriften gesammelt haben. Nicht nur die große Anzahl der Unterschriften, auch diverse Umfragen zeigen, dass eine große Mehrheit in Sachsen längeres gemeinsames Lernen möchte. Diese Zustimmung in der Bevölkerung freut mich außerordentlich, denn meine Fraktion setzt sich seit Langem für die Einführung der Gemeinschaftsschule in Sachsen ein. Dass wir künftig die Gemeinschaftsschule in unserem Schulgesetz wiederfinden, ist für uns BÜNDNISGRÜNE ein wichtiger Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit in Sachsen. Auch ich habe Unterschriften gesammelt, in Leipzig und in ganz Sachsen, denn ich erlebe gerade hautnah, was es bedeutet, wenn Kinder im Alter von zehn Jahren getrennt werden. Mein Sohn geht im Leipziger Osten auf eine Grundschule, eine Grundschule mit den geringsten Bildungsübergängen. Er besucht dort gerade die 4. Klasse, und genau in diesen Tagen entscheidet sich, welche Freunde er auf dem Gymnasium wiedersehen wird und welche nicht. Leider ist schon jetzt klar, dass er Elias und Malte wohl wiedersehen wird, aber nicht Agit, Duy, Kübra, Stella oder Gia Bao. Noch immer bestimmt die soziale Herkunft die Bildungslaufbahn vieler Kinder. Deswegen müssen wir endlich Gemeinschaftsschulen ermöglichen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Viele Schulexpertinnen und Schulexperten loben Gemeinschaftsschulen als Motor sozialer Integration. Gemeinsames Lernen hat den Vorteil, dass in einer Lerngruppe Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und Interessen zusammenkommen. Sie können miteinander und voneinander lernen. Mit Gemeinschaftsschulen kann eine soziale Durchmischung gelingen. Sie beugen einer Selektion im Alter von zehn Jahren vor. Des Weiteren sorgt die frühere Leistungsauslese der Schülerinnen und Schüler nach der 4. Klasse in vielen Familien für erheblichen Druck. Trotz Entschärfung der Bildungsempfehlung bleibt der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule ein erheblicher Einschnitt. An der im Alter von zehn Jahren getroffenen Entscheidung ändert sich auch im Verlauf der Bildungsbiografie nicht mehr viel. Es ist belegt, dass die einmal vollzogene Aufteilung von Kindern auf eine abschlussbezogene Schulform im Nachhinein kaum mehr umkehrbar ist. Damit wird bereits bestehende soziale Benachteiligung weiter verfestigt. Umso mehr begrüße ich, dass wir uns als Koalition auf den Weg machen werden, längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Für uns GRÜNE ist die heutige erste Beratung ein freudiger Moment. Er bestätigt die harte Arbeit des Bündnisses. Deshalb abschließend noch einmal meinen Dank an das gesamte Bündnis. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN sowie vereinzelt bei den LINKEN und der SPD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank, Frau Melcher. Ich übergebe nun das Wort an Frau Friedel von der SPD-Fraktion.

Alle Reden von Christin Melcher Protokoll ↗