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Christin Melcher

GRÜNE 30.01.2020 Sitzungen 7/6

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Industrie- und Handelskammer hat in ihrer Ausbildungsumfrage 2019 trotz der demografischen Entwicklung und der immer noch hohen Immatrikulationszahlen an den Hochschulen festgestellt, dass der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen vorerst gestoppt ist. Im vergangenen Jahr konnten die Betriebe insgesamt mehr Ausbildungsverträge schließen, obwohl die Schülerzahlen weiter rückläufig waren. Auch in Sachsen steigen die Zahlen der Auszubildenden. Rund 50 000 Auszubildende hatten wir im Dezember 2018 im Freistaat. Das sind immerhin 2,6 % mehr als im Vorjahr. Dieser Trend soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir immer noch vor enormen Herausforderungen stehen. Denn perspektivisch werden in den nächsten Jahren viele erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Wir dürfen deshalb nicht nachlassen, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu erhöhen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Unserer Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist es vor allem wichtig, den Berufsfeldern der Pflege und Erziehung mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Ausbildung gerade in diesen essenziellen Berufsfeldern muss attraktiver werden. Deshalb ist es nicht hinnehmbar, dass viele Auszubildende an Schulen in freier Trägerschaft neben ihrer Ausbildung noch einen Job annehmen müssen, um ihren Lebensunterhalt oder auch das Schulgeld bezahlen zu können. Dies ist angesichts des Fachkräftemangels in diesen Berufszweigen nicht mehr vermittelbar, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Uns GRÜNE freut es daher sehr, dass unsere jahrelange Forderung nach Abschaffung des Schulgeldes endlich umgesetzt wird. Wir haben uns innerhalb der Koalition darauf verständigt, ab dem Schuljahr 2020/2021 Auszubildende in der Erzieherausbildung von der Zahlung des Schulgeldes zu befreien. Auf Bundesebene fordern wir zudem eine Abschaffung des Schulgeldes für die Gesundheitsfachberufe. Wenn wir aber mehr Jugendliche für die Berufsausbildung begeistern wollen, dann müssen wir den Fokus auf jene richten, die bisher weder eine Berufsausbildung noch ein Studium begonnen haben. Für uns ist deshalb klar: Der Weg in eine moderne Gesellschaft und zu einer modernen Berufsausbildung geht nur mit Inklusion. Wir wollen die nachholende Bildung stärken, kein Kind zurücklassen und die Rahmenbedingungen weiter verbessern. Es geht um Menschen mit Einschränkungen, um kranke Menschen, um Menschen mit Migrationshintergrund, um Menschen, die sich mit dem Lernen schwertun, kurzum: um alle, die etwas mehr Unterstützung brauchen. Auf Bundesebene machen wir uns deshalb stark für eine echte Ausbildungsgarantie für alle. In Sachsen haben wir beispielsweise festgelegt, dass wir die Produktionsschulen weiter ausbauen und finanzieren werden. Uns geht es auch um gute Rahmenbedingungen in der beruflichen Bildung. Was für Studierende normal ist, soll auch für Azubis gelten. Studentenwerke unterstützen beispielsweise Studierende bei der Wohnungssuche, bei der Beantragung von BAföG, bei Geldern oder bei sozialen Problemlagen. Das sollte es unserer Meinung nach auch für Auszubildende geben. Sogenannte Auszubildendenwerke gibt es bereits in NRW und in Hamburg. Mit der Einführung solcher Auszubildendenwerke in Sachsen können wir Angebote von der Berufsberatung über die Beantragung von BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe bis hin zur Beratung bei Problemen im Betrieb oder in psychosozialen Anliegen gebündelt anbieten. In Zusammenarbeit mit lokalen Wohnungsgesellschaften können wir den Auszubildendenwerken, insbesondere in den Städten mit angespannten Wohnungsmärkten, günstigen Wohnraum vermitteln und bereitstellen. Das sind die Vorhaben, um die berufliche Ausbildung noch attraktiver zu machen, damit wir in Sachsen im Wettbewerb um die besten Köpfe und die besten Hände mithalten können. Das sind unsere Vorhaben, und darauf freue ich mich. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wir gehen in die zweite Runde. Es gibt sicher noch Redebedarf. Herr Homann, bitte; SPD-Fraktion.

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