Dr. Rolf Weigand
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Homann, ich war ein wenig überrascht, wie sehr Sie die Ausbildungsvergütung gelobt haben. Wir finden es gut, wenn junge Menschen genügend Geld bekommen. Folgende Frage stellt sich aber für mich: Wer soll das bezahlen? Das müssen die kleinen und mittelständischen Betriebe in Sachsen bezahlen. Vielleicht sollten Sie das auch einmal versuchen, so wie Ihr Staatsminister es macht. Dabei sollten Sie nicht einfach nur tolle Bilder generieren. Sie sollten einmal an der Basis arbeiten und sich anschauen, wie es dem Mittelstand geht. Ich war letztes Jahr zwei Tage bei einem Bäcker in Mittelsachsen. Das war unheimlich spannend. Meine Hochachtung vor diesem Handwerksberuf ist noch einmal gestiegen. Nachdem wir neun Stunden in der Backstube verbracht haben, hat er sich noch zwei bis drei Stunden an den Rechner gesetzt und den bürokratischen Irrsinn abgearbeitet. Meine Damen und Herren, Sie haben die Bonpflicht eingeführt. Sie führen das Handwerk wie Verbrecher vor. Sie müssen alles nachweisen. Das ist eine Schande. Sie können sich hier nicht hinstellen und das lobhudeln. (Beifall bei der AfD) Sie haben die akademische Ausbildung, die wir als Freistaat bezuschussen, hervorgehoben. Ja, 8 550 Euro kostet uns im Schnitt ein Student im Jahr. Das gleiche Geld könnten wir zum Beispiel nehmen, einige vernünftige Maßnahmen ergreifen und den Ausbildungsbetrieben unter die Arme greifen. Wenn Sie sich die Zahlen einmal anschauen, so müssen wir gerade die kleinen und mittelständischen Betriebe unterstützen. Die kleinen Betriebe haben eine Ausbildungsquote von nur 30 %. Wenn Sie in die großen Betriebe – mit 500 Beschäftigten aufwärts – schauen, Sie haben über VW und Porsche gesprochen, so gibt es dort eine Ausbildungsquote von 85 %. Diese Betriebe sind in der Lage, mehr als 500 Euro im Monat zu bezahlen. Deshalb werden die jungen Menschen zuerst dorthin gehen. Wir müssen es schaffen, dem Handwerk und den kleinen Betrieben wieder Luft zum Atmen zu verschaffen und die Ausbildung und diese Berufe auch endlich wieder aufzuwerten. (Beifall bei der AfD) Das ist neben der fairen Ausbildungsvergütung eine Steuerentlastung. Wir zahlen die höchsten Steuern im weltweiten Vergleich. Auf der einen Seite kann es nicht sein, dass dieses Land und unsere Betriebe so ausgebeutet werden. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht beginnen, das Handwerk zu akademisieren. Ich frage mich wirklich, was passiert, wenn ich einen Rohrbruch zu Hause habe und dann anrufe. Kommt dann der Master Professional zu mir und repariert den Rohrbruch? Bezahle ich extra Geld, weil es sich um einen Master Professional handelt? (Beifall bei der AfD) Als Sohn eines Handwerksmeisters sage ich Ihnen Folgendes einmal ehrlich: Mir ist der Maler- und Dachdeckermeister ans Herz gewachsen. Diese Betriebe und Ausbildungsberufe müssen wir erhalten und sollten sie nicht akademisieren. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, Sie könnten beispielsweise im Bereich „Weltoffenes Sachsen“ sinnvolle Kürzungen vornehmen und das Geld anderweitig verwenden. Sie schaffen damit schnell 500 neue Azubi-Stellen für 500 Euro im Monat. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, dafür ist in diesem Haushalt Geld vorhanden. Herr Kretschmer hat gestern gesagt, dass die Tüten im Staatshaushalt voll wären. Damit sie auch zukünftig voll sind, muss irgendwer früh aufstehen und das Steuergeld erwirtschaften. Das Geld sollten wir einsetzen, um dort die Ausbildung zu stärken. (Beifall bei der AfD) Sie haben sich dafür gelobt, dass Sie das AzubiTicket verbessert haben, meine Damen und Herren. Wir finden es gut, dass junge Menschen günstiger durch unseren schönen Freistaat fahren können. Wie das aktuell funktioniert und wo Handlungsbedarf besteht, erkläre ich Ihnen in der zweiten Runde. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die Linksfraktion spricht nun Herr Abg. Brünler, bitte.
