Ivo Teichmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist richtig, dass wir heute im Rahmen der Aktuellen Stunde zum Thema „Waldsterben 2.0 verhindern – der sächsische Wald braucht gemeinsames Handeln im Klimawandel“ debattieren. Als langjähriger Vorsitzender des Waldbesitzerzusammenschlusses der Forstbetriebsgemeinschaft Sächsische Schweiz ist mir die aktuelle Situation im sächsischen Wald persönlich vertraut. Ja, der Wald braucht unsere Hilfe, und er braucht unser gemeinsames Handeln. Unserer AfD-Fraktion ist bewusst, dass die Forstwirtschaft an einem kritischen Wendepunkt steht. Wir kennen die aktuelle Lage, und die forstwirtschaftlichen Probleme der kommunalen und privaten Waldbesitzer, aber auch die im Staatswald sind uns natürlich nicht fremd. Sturm, Schneebruch, Trockenheit und Schädlingsbefall haben unsere Wälder, aber auch unsere Straßenbäume, die ich dabei nicht unerwähnt lassen möchte, geschädigt, ganz besonders in den zurückliegenden Jahren 2017 bis 2019; und auch das aktuelle Jahr hat bereits wieder mit viel zu wenig Niederschlag begonnen. 10 000 Hektar Wald sind seit 2017 komplett verloren gegangen – 10 000 Hektar! Das ist mehr Fläche, als der Nationalpark Sächsische Schweiz hat. Ich sage das auch mit einer gewissen Betroffenheit, denn wie Sie wissen, komme ich aus der Sächsischen Schweiz; das ist mein Wahlkreis. Den Wald sich nun selbst zu überlassen und darauf zu setzen, dass er sich selbst heilt, wie das manche Laien fordern, wäre bekanntermaßen der falsche Weg. Es ist notwendig, den Wald durch gezieltes Pflanzen zukunftsfähiger Baumarten weiter umzubauen, ihn damit widerstandsfähiger zu machen (Beifall bei der AfD) und an die sich verändernden Standortbedingungen anzupassen. Die Erde ist 4,6 Milliarden Jahre alt. Eiszeiten folgten auf Warmzeiten und umgekehrt – auch ohne menschliches Zutun. So wie es das schon immer tat, verändert sich das Klima auch weiter. Es verändert sich erwiesenermaßen ständig. Dabei möchte ich mit Ihnen heute nicht darüber streiten, wie viel davon menschengemacht ist. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Ich bin mir jedoch sicher – hierbei nehme ich Bezug auf Ihre Regierungserklärung von gestern –, dass Sie, Herr Ministerpräsident Kretschmer, auch wenn Sie und wir alle in Deutschland unseren CO -Ausstoß und die Treibhausgase auf null reduzieren würden, die stattfindenden Klimaveränderungen nicht stoppen würden. (Beifall bei der AfD – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Es gibt Abkommen!) Insoweit ist Ihre Zielsetzung ein Irrglaube. Folglich müssen wir uns auf den Klimawandel und die neuen Standortbedingungen für unseren Wald langfristig einstellen. Alles andere wäre ignorant und gefährlich, meine Damen und Herren. Wir brauchen eine strukturelle und zukunftsweisende Verbesserung der Forstbestände in allen Eigentumsbereichen. Diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung muss durch die politisch Verantwortlichen begriffen, tatkräftig begleitet und gefördert werden. Sehr geehrte Damen und Herren! Der sächsische Wald ist Teil unseres Heimatgefühls. Wir leben mit und von ihm. Der Wald ist ein ganz wichtiger Teil unserer Heimat und, nicht zu vergessen, auch Lebensraum des heimischen Wildes, vieler Pflanzen und Tiere. Es gilt, den landschaftsprägenden Wald nachhaltig zu bewirtschaften, ihn zu erhalten und gesund an die uns nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Hierbei stehen wir gemeinsam in der Schuld unserer Kinder, Enkel und Urenkel. (Beifall bei der AfD) Die Waldbesitzer bedürfen dringend einer stärkeren Hilfe und Unterstützung. Sowohl der Wirtschaftswald als auch multifunktional genutzte Wälder erfüllen bekanntermaßen wichtige ökologische und von der Gesellschaft zu wenig wertgeschätzte Nutz-, Erholungs- und Schutzfunktionen. Der Wald tilgt nicht nur das aktuell viel diskutierte CO unserer Wälder und beeinflusst das örtliche Klima, den Wasserhaushalt sowie die Bodenfestigkeit in Berg- bzw. Gebirgslagen nachhaltig positiv. Die Forstwirtschaft dient darüber hinaus natürlich der Holzgewinnung. Die wirtschaftliche Bedeutung der Holzproduktion und der mit ihr verbundenen Wirtschaftskreisläufe, insbesondere auch im ländlichen Raum, wird leider häufig unterschätzt. Der Wald bringt uns mehr als nur gute Luft, frisches Wasser und kostbares Holz, er prägt auch wesentlich –
