Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das war ein sehr engagierter Vortrag der Kollegin Schmitt-Lang, außer dem Anfang. Der Anfang war ein bisschen unsachlich. Pflichtgemäß muss man sich von der AfD abgrenzen. Ansonsten war das der Situation angemessen. Wobei ich sagen muss: Bei unseren Kollegen von der SPD - bei Herrn Haas oder Herrn Commerçon, auch bei unserer Ministerin - frage ich mich, woher die schulischen Erfahrungen kommen, außer dass Sie mal Schüler oder Schülerin waren. Ich habe mich immer gescheut, über Dinge zu reden, von denen ich wenig Ahnung hatte oder habe. (Abg. Dörr (AfD)) (Abg. Conigliaro (SPD): Ja klar! - Sprechen und Lachen bei der SPD.) Seinerzeit hat der Kollege Zimmer, der Bergmann war und sich auch um Schulfragen gekümmert hat, Zitate von mir vorweggenommen, die ich gar nicht ausgesprochen habe, weil er seine Rede schon 14 Tage vorher geschrieben hatte. Das kenne ich alles. Frau Streichert-Clivot, Sie haben eine Treueerklärung für die Förderschulen abgegeben. Allerdings sind Sie am Schluss ein bisschen ausgerutscht, als Sie Kanada erwähnt haben. Das ist also Ihr Traum, dass man ohne Sonderschulen auskommt? Ich muss sagen, das muss eigentlich jedermanns Traum sein. In der Situation, in der wir sind und waren und noch lange sein werden, ist es aber nicht möglich. Ich habe kurz erwähnt, dass Professor Breitenbach mich in diese Kommissionen berufen hat. Übrigens sind manche meiner Gedanken, die ich vorgetragen habe, wortwörtlich in der Schulrechtesammlung. Die können Sie also nachlesen. Ich kann Ihnen zu Hause zeigen, was ich geschrieben und dort vorgetragen habe. Ich habe dargelegt, dass nur sehr wenige Kinder Förderschulen besuchen müssten, wenn die Grundschule so organisiert wäre, wie sie sein sollte. Ich habe das damals an Kriterien festgemacht. Ich habe gesagt, wenn die Förderschule entsprechend weit von dem Wohnort des Kindes entfernt ist und die Beeinträchtigung oder Behinderung - wie man das nennen will - nicht so gravierend ist, dass sie praktisch fast am Schulbesuch hindert, dann kann das Kind in der Grundschule unterrichtet werden. Eine Voraussetzung wäre aber - das habe ich hier schon vorgetragen, das haben wir auch als Antrag eingebracht -, dass in der Schule sonderpädagogische Kompetenz vorhanden ist ohne diese imaginären, multiprofessionellen Teams und so weiter, sondern schon im Lehrkörper drin ist, indem Grundschullehrer zumindest teilweise als Förderschullehrer ausgebildet werden. Ich kann ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern: Wir in der Sonderschule haben nie, zu keiner Zeit, nur ausgebildete Förderschullehrer gehabt. Wir hatten auch immer Grundschullehrer, sogar Gymnasiallehrer, die keine sonderpädagogische Ausbildung hatten. Die haben wir integriert. Das hat mit denen auch geklappt. Manche sind später zur Ausbildung gekommen. Das geht. Das ginge auch, wenn die Grundschule so organisiert wäre, dass mindestens ein Teil der Lehrerschaft eine förderpädagogische Ausbildung hätte und - wie gesagt - die Schule anders organisiert wäre. Ich habe schon Vorschläge gemacht und auch ein paar Schriften veröffentlicht, die können Sie mal nachlesen. Dann wären die Förderschulen kleiner und es wäre schon ein Stück der Inklusion erfüllt, und zwar wirklich im Sinne von Inklusion. Ich möchte noch etwas anfügen, weil mich das langsam ärgert. Das hat nicht direkt etwas mit Schule zu tun. Es wird immer dort von Inklusion geredet, wo sie am wenigsten am Platze ist, nämlich wo die Kinder ihrer Begabung nach ausgebildet werden müssen. Man muss da manchmal trennen. Wir sind aber eine verlogene Gesellschaft. In meiner Jugend - ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen - hat es gereicht, wenn der Vater gearbeitet hat. Der Großvater war in Pension, die Großmutter war Hausfrau, meine Mutter war auch Hausfrau. Es war keine Frage: Wenn ein Kind mal früher Schluss hatte und nach Hause gekommen ist, dann war jemand zu Hause. Wir haben die Gesellschaft in den vergangenen Jahren gespalten. Dazu gehöre ich auch, ich gehöre zu der Gesellschaft. Wir haben die Großfamilie de facto abgeschafft. Auch die Kleinfamilie ist schon fast abgeschafft. Es gibt so viele Alleinerziehende, es gibt so viele Einzelhaushalte. Was machen wir mit den Alten? Wir haben heute Morgen über die Pflege gesprochen.
