Sascha Haas
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Im Juni haben die Nationalen Spiele der Special Olympics im Saarland eindrucksvoll gezeigt, wie Inklusion aussehen kann, wenn sie gelebt wird. Mehr als 4.300 Sportlerinnen und Sportler kamen bei uns zusammen. Menschen mit und ohne Behinderung waren gemeinsam aktiv. Vereine, Schulen, Kommunen und Tausende Ehrenamtliche haben mitgewirkt. Das war weit mehr als ein großes Sportereignis. Es war Begegnung, gemeinsames Erleben und gleichberechtigte Teilhabe. Was dort so selbstverständlich gelebt wurde, ist auch unser Anspruch an Bildung: Teilhabe für alle. Denn Verschiedenheit ist keine Ausnahme. Sie ist Alltag in unseren Kitas und Schulen. Kinder bringen nämlich unterschiedliche Stärken, Erfahrungen und Voraussetzungen mit. Sie brauchen unterschiedliche Formen der Unterstützung. Inklusion bedeutet deshalb nicht, alle Kinder gleich zu behandeln. Inklusion bedeutet, jedem Kind die Unterstützung zu geben, die es braucht, um lernen, sich entwickeln und teilhaben zu können. (Beifall von der SPD.) Das kann sonderpädagogische Förderung sein, das kann zusätzliche Sprachförderung sein, Unterstützung durch Schulsozialarbeit oder Schulpsychologie. Nicht jedes Kind braucht dasselbe, aber jedes Kind soll bekommen, was es braucht. Das Saarland hat mit seiner Inklusionsverordnung bereits vor zehn Jahren wichtige Grundlagen geschaffen. Förderung kann präventiv einsetzen, ohne dass zunächst ein langes Feststellungsverfahren abgeschlossen sein muss. Diagnostik bleibt dabei ein wichtiges pädagogisches Instrument, um Förderung an die Entwicklung des Kindes anzupassen. Zu einem inklusiven Bildungssystem gehören für uns zugleich starke Förderschulen mit ihren besonderen fachlichen Expertisen. Inklusive Regelschulen und Förderschulen - das ist mir wichtig - dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir brauchen mehr Zusammenarbeit, mehr Wissenstransfer und verlässliche Übergänge. Mit der neuen Förderschulverordnung, zusätzlichen Ausbildungswegen in der Sonderpädagogik und multiprofessionellen Teams haben wir wichtige Schritte unternom- (Abg. Haas (SPD)) men. Aber Inklusion ist nichts, was man einmal beschließt und dann für erledigt erklärt. Sie muss sich im Schulalltag bewähren und immer weiterentwickelt werden. Genau darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, geht es heute in unserem Antrag. Wir wollen die sonderpädagogischen Förderzentren zu regionalen Kompetenzzentren weiterentwickeln, die Schulen und Familien insbesondere bei der Förderplanung und Beratung unterstützen. Wir wollen die sonderpädagogische Expertise durch zusätzliche Aus- und Weiterbildungsangebote sichern und ausbauen. Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen Regelschulen und Förderschulen stärken und wir wollen multiprofessionelle Teams weiter stärken, denn gute Inklusion ist Teamarbeit von Lehrkräften über Schulsozialarbeit und Schulpsychologie bis hin zu pädagogischen Fachkräften und Schulbegleitungen. Inklusion ist anspruchsvoll. Aber Herausforderungen sind kein Grund, den Weg zurückzugehen. Sie sind der Auftrag, ihn besser zu gestalten. Unser Maßstab ist das einzelne Kind, was es braucht, um lernen, sich entwickeln und teilhaben zu können. Daran richten wir unser Bildungssystem aus. Deswegen bitte ich heute um die Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)
