Maximilian Raber
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es brennt. Es brennt im Saarland, in Deutschland, in ganz Europa. Rauch zieht durch St. Ingbert, durch Merzig und durch Saarbrücken, Fenster und Türen bleiben trotz hoher Temperaturen geschlossen. Rhein, Elbe und Donau trocknen aus, die Schifffahrt kommt fast zum Erliegen, Kraftwerken fehlt das Wasser. In einer Woche sterben in Deutschland 7.100 Menschen mehr als im Schnitt der Vorjahre. Das Schlimme ist, das ist keine ferne Dystopie, keine Prognose, es ist unsere Realität im Sommer 2026. Fast haben auch die letzten begriffen: Schuld daran ist der menschengemachte Klimawandel. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen handeln - nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. (Beifall von der SPD.) Kinder kommen völlig überhitzt aus der Kita nach Hause, Schülerinnen und Schüler können sich bei über 30 Grad im Klassenzimmer nicht mehr konzentrieren. Die Klimakrise gefährdet unser Bildungssystem. In Unternehmen gibt es hohe Krankenstände, weil Mitarbeitende unter der Hitze leiden. Lieferketten drohen zusammenzubrechen, weil Schiffe wichtige Produktionsgüter nicht mehr liefern können. Energie für die Produktion muss gedrosselt werden, da die Kraftwerke ohne genü- (Abg. Raber (SPD)) gend Kühlwasser heißlaufen würden. Die Klimakrise gefährdet unsere Wirtschaft. Überall in der Bundesrepublik brennen Wälder. Vegetationsbrände nehmen zu, an jeder Ecke gibt es ausgedörrte Wiesen und Felder. Bäume leiden unter enormem Trockenstress und sterben ab. In Hirzweiler standen 25 ha in Flammen. Es war der größte Waldbrand im Saarland seit dem Zweiten Weltkrieg, er ist noch keine Woche gelöscht. Die Klimakrise gefährdet unser gesamtes Ökosystem. Bis Ende Juli sind im Saarland 330 Menschen wegen Hitze gestorben, das sind fast fünfmal so viele wie im vergangenen Jahr und so viele Menschen wie seit 34 Jahren nicht mehr. Jetzt, Ende August, schätzt das Robert Koch Institut die Zahl der Hitzetoten im Saarland auf 460. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Es klingt nicht nur hart, es ist es auch. Die Klimakrise gefährdet die Menschen, die wir lieben. Hitze trifft uns alle, aber sie trifft uns nicht alle gleich. Der Dachdecker auf dem Gerüst erlebt 38 Grad anders als jemand in einem klimatisierten Büro, die Familie mit drei Kindern in der Dachgeschosswohnung erlebt die Hitzewelle anders als jemand mit Haus, Garten und Klimaanlage und die 85-jährige mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erlebt sie anders als ein gesunder 25-jähriger. Der Klimawandel gefährdet unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Trotzdem erleben wir gerade, wie unterschiedlich Politik auf diese Realität reagiert. Tino Chrupalla spricht im ARD-Sommerinterview von einem ganz normalen Sommer. Friedrich Merz steht vor einem abgebrannten Wald und sagt: Das ist der Klimawandel und wir müssen lernen, damit umzugehen. - Ja, wir müssen lernen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, aber wir dürfen uns doch nicht einfach an die Folgen gewöhnen. Wir dürfen uns nicht an brennende Wälder gewöhnen, nicht an überhitzte Schulen und Pflegeheime und schon gar nicht an Menschen, die an extremer Hitze sterben. (Beifall von der SPD.) Wer also den Klimawandel als Realität anerkennt, muss auch bereit sein, seine Ursachen konsequent zu bekämpfen. Umso widersprüchlicher ist es, wenn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fossile Strukturen verlängert und Klimaschutz vor allem als Belastung für unsere Wirtschaft behandelt. Unsere Antwort ist eine andere. Wir schützen die Menschen vor der Hitze, die heute schon da ist, und wir betreiben konsequenten Klimaschutz, damit die Hitze in Zukunft nicht noch schlimmer wird, denn wir sind dieser Entwicklung nicht schutzlos ausgeliefert. Wir wissen, was zu tun ist. Wir können unsere Städte kühler machen, besonders gefährdete Menschen besser schützen und unsere Wirtschaft und Energieversorgung klimaneutral modernisieren. Genau darum geht es in unserem Antrag. Wir wollen besser wissen, wo und wen Hitze besonders trifft. Wir wollen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen beim Hitzeschutz besonders schützen. Wir wollen unsere Kommunen dabei unterstützen, mehr Grün, Schatten, Trinkwasser und kühle Orte zu schaffen. Wir müssen jetzt handeln, wir müssen endlich dem Klimawandel entschlossen entgegentreten. Wer heute noch immer zaudert, gefährdet unsere Bildung, unsere Wirtschaft und das Ökosystem, vor allem aber gefährdet er die Menschen, die wir lieben. (Beifall von der SPD.)
