Hermann-Josef Scharf
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schade, dass wir heute noch mal einen solchen Antrag diskutieren müssen. Ich habe geglaubt, wir wären weiter in unserer Gesellschaft. Wir haben als CDU auch keinen Nachholbedarf. Wir haben hier in diesem Hause in den zwei Perioden, in denen wir zusammen eine Regierung gestellt haben, sehr viel bewiesen. Vor allem, Herr Kollege Haas, haben wir sehr viel auf den Weg gebracht und darauf bin ich nach wie vor sehr stolz. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Queere Menschen gehören genauso zu unserem Leben, zu der Republik wie jeder andere auch. Deswegen hat das auch etwas mit Respekt und Toleranz zu tun. Ich will Ihnen mal etwas erzählen. Vor 14 Tagen ist ein lieber Freund, Werner, in St. Wendel im 92. Lebensjahr verstorben. Er hat mit seinem Partner Franz 67 Jahre in St. Wendel gelebt. Die haben mir immer gesagt, dass es Höhen und Tiefen gab. Sie wurden, was einfach grausam war, auch gesetzlich angeprangert. Das haben sie nie verstanden. Aber sie haben gesagt, entscheidend sei für sie auch gewesen, dass sich vieles in der Gesellschaft geändert hat. Durch diese Rechtslastigkeit, die wir jetzt leider insgesamt in Europa und in unserem Land feststellen, sind wir, was dieses Thema angeht, auf keinem guten Weg. Das muss man einfach feststellen. Deswegen kann ich für die CDU Saar und diese CDU-Landtagsfraktion klar und deutlich sagen: Für uns gehören queere Menschen genauso dazu wie jeder andere auch. Dass man das überhaupt noch mal benennen muss, tut mir schon ein Stück weit weh. Ich verstehe aber nicht, Herr Kollege Haas, warum Sie jetzt die CDU-Bundestagsfraktion und unsere beiden Abgeordneten noch mal nennen. Wir sind mit Roland Theis und mit Philip Hoffmann in einem Dialog. Wenn das Thema in Berlin ansteht, werden wir das auch mit der Community hier sehr offen diskutieren. Ich sage noch einmal, wir scheuen keine Diskussion. Ich will noch ein Beispiel nennen: Am Wochenende, und das hat uns alle sehr gefreut, hat unser Kollege aus dem Deutschen Bundestag, Sepp Müller, einen CSUler geheiratet. Einen CSUler! Söder hat gratuliert, alle haben gratuliert. Das ist ein Stück weit, das sieht man jetzt, sogar in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion angekommen. Deswegen will ich deutlich sagen: Lassen wir doch die Kirche im Dorf! Ich will auch keinem unserer Abgeordneten vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat. Das soll bitte jeder so tun, wie es sein Gewissen ihm sagt. Wir sind als CDU Saar und als CDU-Landtagsfraktion hier klar und deutlich aufgestellt. (Beifall von der CDU.) Ich wollte mich mit der AfD und ihren kruden Thesen gar nicht mehr beschäftigen. Das hatten wir schon im letzten Jahr, als ein paar Irre beim Christopher Street Day - dieses Jahr waren es noch ein paar mehr -, demonstriert haben. Da sind wir in der Gesellschaft wirklich weiter. Ich kann vor allem jungen Menschen nur mit auf den Weg geben: Lasst euch von älteren Leuten nicht die Säcke vollmachen, der beste Kompass ist euer Herz. Hört auf euer Herz und lasst euch von niemanden einreden, wen ihr zu lieben oder wen ihr zu hassen habt. Liebt, das ist das Schönste. - Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und bei der SPD.)
