Barke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich will mich zunächst einmal für den Antrag bedanken, der mir die Möglichkeit gibt, ein paar grundlegende Worte zur Vetter-Ansiedlung zu sagen. Aber ich will zunächst, Bernd Wegner, den Anfang deiner Rede aufgreifen: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ich will ein paar Nachrichten zitieren, die nicht von mir, sondern von den Medien produziert worden sind. Die lauten wie folgt: HIPS: 100 Millionen Investitionen, weit über 100 neue Arbeitsplätze bis 2029. Fricke: Eröffnung morgen, 120 Millionen Invest plus 200 Arbeitsplätze, weitere Investitionen sind bereits angekündigt. CISPA: 350 Millionen Invest, bis 1.000 Arbeitsplätze. HIL: 350 Millionen Investitionen für das Kettenkompetenzzentrum. VSE: 500 Millionen Investitionen und 100 neue Arbeitsplätze. Vetter: 500 Millionen Investitionen, erste Schritte, bis 2.000 Arbeitsplätze. Diehl: 500 Millionen Investitionen und 100 neue Mitarbeiter, Herr Schaufert. (Zuruf des Abgeordneten Schaufert (AfD).) Peter Gross steuert auf 1 Milliarde Umsatz zu, und im Übrigen, die Fertigbauteile für den Hochbau bei Vetter kommen in großen Teilen auch von Peter Gross, also aus dem Mittelstand dieses Landes. Holzhauer: ein klares Bekenntnis zum Wachstum am Standort Ensdorf. HUK Coburg: neuer Standort eröffnet, bis 200 Arbeitsplätze bis 2028. Das sind nur einige wenige Beispiele. Und nicht nur beim Thema Investitionen kommen wir voran. SouthwestX wird vom Bund als Startup-Factory ausgewählt. Es gibt Rekordübernachtungszahlen mit 3,35 Millionen, bei der Digitalisierung sind wir im Bitkom-Atlas von Platz 12 auf Platz 6 gestiegen. Die Gründungszahlen liegen auf einem Zehnjahreshoch-Niveau, bei Photovoltaik sind wir auf Platz 2 aller Länder. Und nicht zuletzt, es ist eben schon gesagt worden: Der SVE hat den Aufstieg in die Erste Bundesliga geschafft. Die sind jetzt als Markenbotschafter zur Premiumzeit in den Medien unter-+ wegs, mit „Pure Steel“ auf dem Arm und oder „Ursapharm Hylo“ auf der Brust. Das sind doch Themen, die man durchaus auch mal erwähnen kann! Man muss nicht alles schlechtreden. (Beifall von der SPD.) Jetzt komme ich zu Vetter, denn Vetter ist ein ganz besonderes Unternehmen: 1,26 Milliarden Euro Umsatz, vor 76 Jahren aus einer Apotheke in Ravensburg entstanden, 7.300 Mitarbeiter. Die haben uns ausgewählt im Standortwettbewerb gegenüber Baden-Württemberg, gegenüber Bayern, gegenüber Hessen, gegenüber Österreich - das hat Udo Vetter selbst gesagt, das ist keine Erfindung von uns -, weil wir als Standort für sie die besten Rahmenbedingungen bieten und die qualifizierteste und kompetenteste Wirtschaftsförderung, mit der sie jemals in solchen Prozessen zusammengetroffen sind. - Ausdrücklich so ausgeführt von Udo Vetter. Es ist viel über Respekt und Vertrauen geredet worden, auch im Rahmen des Spatenstiches und von Udo Vetter selbst. Das war am Ende mit ein ausschlaggebendes Thema. Wir haben einen hervorragenden Standort, wir haben qualifizierte Arbeitskräfte und - das ist eben auch gesagt worden - wir haben die Bereitschaft zur Schichtarbeit, den Umgang damit, die gute duale Ausbildung, die Qualifikation in der Industriearbeit. Udo Vetter hat mal gesagt, es ist im Grunde genommen ein Industrieprozess wie die Autoproduktion, nur ein bisschen kleiner. Diese Industrieproduktion wird von Vetter für die acht größten Pharmaunternehmen der Welt durchgeführt! 50 Prozent der injizierbaren Medikamente gehen durch die Produktion von Vetter. Wenn man sich den Wachstumskurs von Vetter anschaut, sieht man, das ist eine Erfolgsgeschichte. Diese Elite von mittelständischen, industriellen, inhabergeführten Unternehmen investiert im Saarland. Sie stehen in einer guten Reihe, lieber Tobias Hans, auch in der Nachfolge zu Nobilia, was wir in der Großen Koalition gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Sie stehen aber auch im Gleichklang mit Fricke, eben schon erwähnt. Sie stehen im Gleichklang mit Viega, die sich als Weltmarktführer in der Ausstattungstechnik für den Standort Saarland - Kirkel/Homburg - entschieden haben. Dort wird die Rotguss-Gießerei entstehen. All das sind gute Nachrichten für dieses Land. Alle entscheiden sich am Ende über einen Prozess, bei dem auf der einen Seite die Standort-Rahmenbedingungen, die Lage in Europa, die gute logistische Anbindung, die qualifizierte Mitarbeiterschaft stehen und auf der anderen Seite eine qualifizierte Wirtschaftsförderung mit einem herausragenden Team arbeitet, um solche Erfolge möglich zu machen. Ich bin immer gerne bereit, wenn etwas schiefgeht, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Von mir hat noch niemand gehört, dass ich gesagt habe: Die oder der waren schuld. Ich will aber eines an dieser Stelle gerne einfordern, nämlich Anerkennung aus Respekt für das Team, das diese Leistung möglich gemacht hat. Angefangen von einem Grunderwerb von Ford, was wir am Ende mit dem Europachef von Ford durchringen mussten, und das noch, bevor wir den ersten Kontaktaufschlag mit Vetter in Ravensburg gemacht hatten. Es waren Riesenherausforderungen, Riesenleistungen, Riesenpakete sind von den Mitarbeitern meines Hauses, von der gwSaar, gemacht worden. Wir haben dort hochqualifizierte Experten, die so etwas möglich machen können. Sie stehen im Übrigen den Vertretern der großen Consulter in nichts nach. Wir haben einen sehr aufwändigen Beihilfeprozess mit der EU-Kommission durchgeführt, begleitend mit dem Bund, mit hochqualifizierten Leuten. Auch das ist nicht einfach, und es ist auch nicht selbstverständlich, dass so etwas so gut funktioniert. Wir haben ganz am Anfang mit Vetter Zeitpläne für die Realisierung ihres Vorhabens vereinbart. Wir sind vom Spatenstich an mit den zusammenarbeitenden Teams immer vor den Zielen und den einzelnen Meilensteinen, die wir uns gesetzt haben, fertig geworden. Es ist am Ende eine Leistung eines herausragend guten Teams, und deshalb erkennen Sie bitte an, dass das eine super Leistung von vielen Kräften in diesem Land ist, die das möglich gemacht haben. Deshalb will ich diesen Kräften, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein ganz herzliches Dankeschön sagen. Sie stehen für Nobilia, Vetter, Fricke und für Viega. Wir wollen jetzt auch nicht die Hände in den Schoss legen, sondern es muss weitergehen. Es muss deshalb weitergehen, weil wir in der Vergangenheit auch mal über Nettoinvestitionsquoten diskutiert haben. Diese rühren im Grunde genommen daher, dass wir schon Anfang der 2000er-Jahre im Saarland mit der Nettoinvestitionsquote im Negativen lagen. 2010 kam Sachsen-Anhalt dazu, und jetzt in den 2020er-Jahren sind eine ganze Reihe anderer Bundesländer gefolgt. Das hat aber etwas mit unserer Industriestruktur zu tun. Das hat seinerzeit ursprünglich noch mit Kohle, Stahl und Automotive, dann mit Stahl und Automotive zu tun, den in sich verflochtenen Wertschöpfungsketten und den Auswirkungen in den Krisen. Deshalb werden wir alles daransetzen, mit Ansiedlungen in Zukunftsbranchen wie Vetter, Viega, Fricke und Nobilia eine breitere Aufstellung des Wirtschaftsstandortes zu erreichen, um uns ein Stück weit resilienter zu machen. Wenn Sie die Investitionen, die ich eben aufgezählt habe, zusammenrechnen und ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzen, dann werden Sie sehen, über welche Nettoinvestitionsquoten wir in Zukunft im Wettbewerb mit anderen Bundesländern reden. - Ich sage Danke an alle, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass das so gut funktioniert hat. - Glück auf. (Beifall von der SPD.)
