Bernd Wegner
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Lassen Sie mich die Rede genauso anfangen, wie der Kollege Timo Ahr das gemacht hat: Der Spatenstich der Vetter Pharma Fertigung GmbH ist eine gute und wichtige Sache. Die CDU Saar und die CDU-Fraktion freuen sich über diese Ansiedlung und sind mit Sicherheit genauso froh und glücklich darüber wie die SPD. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Wenn es heißt, man habe nichts darüber gelesen: Ich persönlich habe darüber gelesen, dass wir uns als Fraktion dazu geäußert und das auch positiv begleitet haben. Eines möchte ich ganz klar sagen, Hermann Scharf hat es eben genannt: Ein Erfolg für das Saarland ist es mit Sicherheit, wenn wir es mit 47 Millionen Fördersumme von Bund und Land schaffen, einen solchen Investor ins Land zu bekommen, der 480 (Abg. Wegner (CDU)) bis 500 Millionen investiert. Das ist eine gute und wichtige Sache und vor allen Dingen ein besonderes Zeichen, gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation des Landes, die bei uns besteht, weil Stahl und Automobilindustrie unter starkem Beschuss stehen. Ich glaube, es ist ein gutes Signal für die deutsche Pharmawirtschaft und das Saarland. Eines möchte ich ganz klar hervorheben: Lieber Timo, du hast die Landesregierung und alle genannt, die dafür verantwortlich sind. Ich glaube - es ist mir ganz wichtig, das zu sagen -, dass die saarländische Bevölkerung, die saarländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den letzten zwei Jahrzehnten ganz deutlich gemacht haben, dass sie auch ein wichtiger Faktor für eine solche Entscheidung gewesen sind. Denn was hat die saarländische Bevölkerung, was hat die saarländische Arbeitnehmerschaft bewiesen? - Zuverlässigkeit in jeder Situation, in schwierigen Situationen. Flexibilität, wenn es in den Unternehmen mal eng wurde. Man hat die Flexibilität gezeigt, um schwierige Situationen zu überstehen. Fachkompetenz - wenn man liest, was in Ravensburg und sonst wo geschrieben wird - ist einer der grundlegenden Faktoren, warum man diesen Weg ins Saarland gegangen ist, auch die Flexibilität in Bezug auf die Arbeitsbelastung, auch die Bereitschaft, für Schichtarbeit zur Verfügung zu stehen, und zwar nicht nur eine Schicht, sondern zwei oder vielleicht sogar drei Schichten zu leisten. Deswegen möchte ich ein ganz herzliches Dankeschön an die saarländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für diese Leistung in den vergangenen Jahrzehnten aussprechen. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Eine Schwalbe macht aber noch keinen Sommer, wie man so schön sagt. Wenn man sich die Situation hier im Saarland ansieht - Stephan Toscani hat heute Morgen schon das eine oder andere genannt -, dann muss man sagen: Die saarländische Wirtschaft ist im Moment in einem besorgniserregenden Zustand. Ja, Vetter ist wichtig. Lieber Timo, ich bin vollkommen an deiner Seite und unterstütze das voll und ganz. Eines ist an dem Spatenstich und den Veröffentlichungen aber auch klar geworden - du hast es in einem Nebensatz erwähnt: Wir reden darüber, dass die ersten Produkte 2031 vom Band laufen und wir 2031 im ersten Schritt 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Unternehmen haben werden. Wenn wir uns den Trafo-Bericht des Jahres 2025 ansehen, reden wir darüber, dass wir bis 2039 etwa 1.150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch das Unternehmen haben. Damit will ich das nicht kleinreden - damit das nicht falsch rüberkommt -, in unserer momentanen schwierigen Situation hilft es uns aber nicht, außer vielleicht der moralische Effekt, den du so sehr hervorgehoben hast. (Beifall von der CDU. - Zuruf des Abgeordne- ten Ahr (SPD).) Es ist ein Zeichen der Hoffnung - ich bin voll und ganz in diesem Tenor. Im Moment hat es aber keine Auswirkungen auf die Wirtschaft. In eurem Antrag wird das Zusammenwirken von Gesundheitswirtschaft und Forschungslandschaft als Grundlage dafür beschrieben, dass man zusätzliche Ansiedlungen für das Land generieren kann. Es ist in diesem Fall, wie ich finde, ein bisschen wolkig, ein bisschen unkonkret im Antrag beschrieben. Ich kann kein echtes Handlungskonzept, keine Strategie dahinter erkennen. - Vielleicht können Sie, Herr Minister, später das eine oder andere Wort dazu sagen. (Minister Barke: Gerne.) Für mich ergeben sich daraus nämlich Fragen. Ich bin da wieder voll bei Timo Ahr und den Veröffentlichungen: Vetter Pharma ist auch ein Magnet für Zulieferer. Da ergeben sich Fragen: Hat man Erfahrungen? Weiß man in etwa, welche Größe, welche Mitarbeiterstruktur und welche Art von Unternehmen für eine direkte Zulieferung zu Vetter infrage kommen? Gibt es von eurer Seite schon mögliche Kontakte? Kann man etwas dazu sagen, ob in diesem Bereich schon erste Dinge anzumerken sind? Was für Arbeitsfelder werden es sein? Werden es Verpackungsspezialisten sein oder direkte Zulieferer für die Produkte, die dort entstehen? Wie sieht es aus? Haben wir im Saarland vielleicht jetzt schon hier ansässige Dienstleister, die von der Ansiedlung von Vetter profitieren beziehungsweise ein Zulieferer sein könnten? Gibt es Erkenntnisse, welche und wie viele Arbeitsplätze hier entstehen können? Gibt es - die Namen sind schon gefallen - zu Dr. Theiss, Ursapharm, kohlpharma, MEDTRON und anderen bereits Kontakte des Unternehmens, sodass sich eventuelle Synergieeffekte ergeben könnten, man also gegenseitig voneinander profitieren kann? Das wäre auch ein ganz wichtiger Faktor, der bei diesen Dingen zu bedenken ist. Vetter kann natürlich nicht ersetzen, dass Ford hier seit dem letzten Jahr so viele Arbeitsplätze abgebaut hat. Vetter kann nicht ersetzen, das Wolfspeed oder auch SVOLT nicht da sind. Deshalb sage ich: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Wenn ich mir die Situation im Land ansehe, wenn ich mir ZF, Michelin, Festo und die vielen Zulieferer im Automobilbereich ansehe, dann sieht man, dass wir in einer schwierigen Situation sind, in der uns im Moment auch die Ansiedlung von Vetter leider nicht weiterhilft. Es ist heute Morgen schon mal angeklungen: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im dritten Quartal 2025 um 0,6 Prozent. Damit ist es der stärkste Rückgang aller Bundesländer. Der Stellenabbau setzt sich fort und eine strukturelle Trendwende ist leider nicht in Sicht. Selbst zwischen 2010 und 2020 hat das saarlän- (Abg. Wegner (CDU)) dische Bruttoinlandsprodukt um 5 Prozent verloren, während in diesen zehn Jahren im bundesweiten Schnitt 10 Prozent dazugekommen sind. Die Schere geht also auseinander, und unsere große Aufgabe in den nächsten Jahren ist es, sie wieder zu schließen. Deshalb sprechen wir natürlich heute mit der Vetter-Ansiedlung über ein gutes Zeichen. Ich bin ganz froh, dass wir auch im nächsten Tagesordnungspunkt über den Mittelstand in diesem Land sprechen. Wir konnten feststellen, dass nach den Großprojekten, die fehlgeschlagen sind, der Mittelstand in den Fokus der Landesregierung gerückt ist. Der Mittelstand steht aber ebenfalls unter großem Druck: Automobilindustrie, Stahl, Maschinenbau machen 70 Prozent des verarbeitenden Gewerbes aus. Wir haben eine Exportquote von 43 Prozent. Damit ergeben sich auch geopolitisch bedingt schwierige Situationen; man denke an die Straße von Hormus, den Iran-Konflikt, die Entwicklung bei den Energiepreisen. Eine schwierige Situation resultiert auch aus dem, was dem amerikanischen Präsidenten zu Zöllen und anderen Themen so einfällt. Für die Zukunft erwächst aus alledem mit Sicherheit noch viel Arbeit. Ich darf als Handwerker auch daran erinnern, dass wir 2.700 Betriebe haben, die einen Nachfolger suchen. Die Industrie- und Handelskammer hat bundesweit eine Umfrage durchgeführt und mit betroffenen Unternehmen gesprochen. Demnach denken 28 Prozent der Unternehmen darüber nach, den Betrieb nicht fortzuführen. Was das für uns, für die Arbeitsplätze, für die Kaufkraft, für die Wertschöpfung bedeutet, muss ich Ihnen nicht erläutern. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ja, die Vetter-Ansiedlung ist schon ein toller Erfolg. Das ist ein Treffer. Bei der SV Elversberg würde man sagen, dass man damit ein Tor geschossen hat. Das ist ohne Zweifel ganz wichtig. (Zuruf des Abgeordneten Ahr (SPD).) Ein Kollege von mir hat geäußert, dass wir nicht gerade in der Situation der SV Elversberg seien, sondern derzeit eher in einer Situation analog Brasilien 2014, als in der 85. Minute das 1:7 geschossen wurde. (Amüsiertes Sprechen bei der SPD.) Daher würde ich sagen, ja, wir sind auf dem richtigen Weg. Wir von der CDU werden alles dafür tun, dass die saarländische Wirtschaft Treffer erzielt. Vielleicht muss man ja auch den einen oder anderen einwechseln, um das zu erreichen. (Lachen bei der SPD.) Letztlich können wir, so glaube ich, froh und stolz sein, dass es gelungen ist, Vetter ins Land zu holen. Das ist ein wichtiger Schritt. Ich darf noch einmal deutlich machen, dass die CDU voll dahintersteht und wir alles daransetzen werden, dass diese Ansiedlung ein Erfolg wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ich hoffe, wir schießen noch ein paar Tore. (Beifall von der CDU.)
