Timo Ahr
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Spatenstich von Vetter in Saarlouis ist eine wahnsinnig gute Nachricht für das Land. (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entscheidet sich ein international erfolgreiches Unternehmen für unseren Standort, für unser Saarland. Es ist nicht irgendeine Ansiedlung. Es ist ein Signal für Vertrauen in die Menschen in diesem Land, Vertrauen in die Beschäftigten, Vertrauen in die Politik, Vertrauen aber auch in die Bevölkerung. Deshalb können wir genau auf dieses Ergebnis stolz sein, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Diese Ansiedlung bringt rund 500 Millionen Euro Investition und perspektivisch - laut Unternehmen - bis zu 2.000 Arbeitsplätze. Vetter Pharma spricht von der größten Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens. Ich glaube, vielen Menschen im Saarland ist in der letzten Woche bei diesem Spatenstich ein Stein vom Herzen gefallen, weil vor allem in Saarlouis in den letzten Jahren viel Unsicherheit und viele Fragen an der Tagesordnung waren: Wie geht es auf dem Röderberg weiter? Wie entwickelt sich der Industriestandort Saarland perspektivisch in den nächsten Jahren? - Vetter, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist Teil der Lösung. Wir müssen jeden Tag weiter daran arbeiten, dass solche Erfolge in der Zukunft noch öfter geschehen. (Beifall von der SPD.) Besonders wichtig ist auch zu sagen, dass Vetter kein kurzfristiger Finanzinvestor ist. Es ist ein deutsches Familienunternehmen mit Tradition, mit Innovation, erfolgreich seit vielen, vielen Jahren, spezialisiert auf die pharmazeutische Produktion. Es ist ein Unternehmen, das seit Jahren gesund wächst, eines aus der Pharmabranche, die sich entgegen vielen anderen Branchen konjunkturell immer stabil hält, und das sich dort auch gut entwickelt. 2025 wurde ein Gesamtumsatz von 1,26 Milliarden Euro erreicht, eine Steigerung von über 13 Prozent zum Vorjahr. Damit, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehen wir, dass Vetter organisch wächst und an genau diesem Wachstumskurs auch festhält. Medikamente, Gesundheitsversorgung, pharmazeutische Produktion: Das sind - Hermann-Josef Scharf hat es vorhin gesagt - wichtige Aspekte für die Resilienz in Europa, in Deutschland, aber auch im Saarland. Deshalb können wir auf diese Entscheidung, die Vetter getroffen hat, stolz sein und uns darüber freuen, dass wir das hinbekommen haben. (Beifall von der SPD.) (Abg. Ahr (SPD)) Die Pharmaindustrie ist eine Branche, die wir in Deutschland und Europa dringend brauchen, eben wegen der Frage der Unabhängigkeit von gebrochenen Lieferketten in der Corona-Zeit, aber auch von dem, was an anderen geopolitischen Dingen passieren kann. Genau für diese Unabhängigkeit müssen wir uns einsetzen. Die IHK und viele andere wirtschaftliche Akteure im Land freuen sich und sagen, dass diese Ansiedlung einen Schub ins Saarland bringen wird. Genau diese Anbindung ist weit mehr als nur ein einzelnes Werk, sie ist ein Schritt dahin, wo wir hinwollen, nämlich in eine gute Zukunft industrieller Arbeit in unserem Land. Ich bin glücklich und froh, dass das gelungen ist und dass das auch in meinem Heimatwahlkreis gelungen ist. (Beifall von der SPD.) Ein Satz von Senator h.c. Udo Vetter ist mir besonders in Erinnerung geblieben, er hat ihn damals bei der Pressekonferenz gesagt, nämlich dass Vetter gekommen sei, um zu bleiben. Das ist ein starkes Signal in einer Zeit, in der doch viele Internationale eher über Abschottung, Unsicherheit, kurzfristige Renditen und anderes nachdenken. Es ist auch ein ganz anderes Klima als das, was wir in der amerikanischen Kälte rund um die Ford-Thematik erlebt haben. Vetter steht für etwas anderes. Das wird auch in der Unternehmenshistorie sichtbar. Sie stehen für langfristiges, nachhaltiges Management, industrielle Verantwortung und Verlässlichkeit. Es ist ein Familienunternehmen, das mit den Beschäftigten gut umgeht, das weiß, warum es dort steht. Ich will an dieser Stelle sagen, das Auftreten von Vetter erinnert mich ein bisschen an die saarländische Mentalität: bodenständig, verbindlich und an einer echten Zusammenarbeit interessiert. Echte Macher. Deshalb herzlich willkommen, Vetter! (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben immer gesagt, dass der Strukturwandel kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Wir brauchen deshalb, das ist in vielen Anträgen hier im Hohen Haus von dieser Stelle aus gesagt worden, mehr Diversifizierung unserer Wirtschaft, neue industrielle Kerne, ohne die lange schon bestehenden hier im Saarland aufzugeben, und mehr wirtschaftliche Resilienz und damit auch langfristig mehr Wertschöpfung und sichere Industriearbeitsplätze in unserem Land. Genau dafür steht diese Ansiedlung. Diejenigen, die beim Spatenstich dabei waren, haben mir erzählt, dass sie etwas verspürt haben, nämlich Hoffnung. Ich will auch Herrn Sponticcia Recht geben, der in seinem Artikel geschrieben hat, dass es Zeit ist für mehr Zuversicht und Selbstbewusstsein, dass wir nach vorne gucken und mit aufrechter Haltung sagen: In diesem Land geht noch etwas und dafür setzen wir uns ein. (Beifall von der SPD.) Wenn andere das Land, den Standort schlechtreden oder kleinreden, dann muss man sagen, dass sich das Saarland an dieser Stelle gegenüber vielen Bewerberinnen und Bewerbern durchgesetzt hat. Am Ende ist das Saarland nicht so schlecht, wie viele immer glauben machen wollen. Über schwierige Entwicklungen wird hier immer gesprochen, über all das, was gelingt und nicht gelingt und warum es vielleicht auch nicht gelungen ist. Hat es in unserer Verantwortung gelegen oder hat es das nicht? Diese Diskussion muss man führen. Man muss aber auch die Diskussionen führen, die am Ende eine gute Zukunft mit sich bringen, und man muss die Erfolge feiern. Das werden wir auch tun, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Eine nachhaltige Wirtschaftspolitik bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen, die nicht direkt morgen bejubelt werden, sondern Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, die unter Umständen erst Jahre später Erfolge nach sich ziehen und Wirkung entfalten. Das machen wir aus Verantwortung für die Saarländerinnen und Saarländer. Wir sind nicht interessiert an einer kurzen Schlagzeile, sondern an einer nachhaltigen, langfristigen Perspektive für die Menschen, die hier leben. (Beifall von der SPD.) Das wird auch daran deutlich, dass wir vor Jahren schon in der Strategie für Forschung und Innovation von 2024 bis 2030 klar den Bereich Pharma als zentralen Schwerpunkt im Sinne der intelligenten Spezialisierung identifiziert haben. Das zeigt doch, dass wir schon frühzeitig erkannt haben, da muss etwas passieren, da geht etwas, wir müssen da rein. Das haben wir mit einem gemeinsamen Invest mit dem Bund von rund 100 Millionen Euro mit der Erweiterung des HIPS gezeigt. Das sind Investitionen in den Life-Sciences-Bereich, die sich auszahlen werden, die wir in unserer politischen Planung schon früh auf die Prioritätenliste gesetzt haben. (Beifall von der SPD.) Wir haben aber auch harte Rückschläge erlebt mit Ford, der Enttäuschung bei Wolfspeed und auch bei SVOLT. Das war alles nicht einfach und wir hätten es uns auch anders gewünscht, aber Vetter zeigt doch eines ganz klar: Wenn wir alle gemeinsam kämpfen, dann können wir auch gewinnen und das Beste für die Menschen rausholen. Das hat sich mit Vetter ganz klar gezeigt, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Wir müssen auch über Erfolge sprechen. Lieber Herman-Josef Scharf, ich bin dir sehr dankbar, dass du das eben so klar kommuniziert hast. (Abg. Ahr (SPD)) Besser spät als nie. Ich hätte mir schon gewünscht, dass bei einer solchen Entscheidung, denn umgekehrt ist es immer so, mindestens mal ein Statement der CDU kommt, dass man sich darüber freut. Ich habe leider nichts gelesen. Ich will eigentlich nicht den Vorwurf in den Raum stellen, dass man das bewusst nicht macht, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die CDU kein Interesse an 2.000 Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Entwicklung hat. Aber wir haben auch eine Verantwortung, den Menschen draußen zu sagen, dass wir politisch Verantwortung übernehmen, etwas für das Land machen und auch Erfolge haben. Das müssen unsere beiden Parteien im Hohen Haus tun. Da gibt es eine Erwartungshaltung. Ich hoffe, lieber Hermann, dass auch viele andere in deiner Fraktion sich freuen, dass Vetter ein Erfolg ist. (Beifall von der SPD.) Solche Ansiedlungen entstehen ja nicht zufällig, sondern da braucht es gute Rahmenbedingungen. Es braucht Zuverlässigkeit, es braucht professionelle Arbeit. Die Landesregierung hat hier früh Verantwortung übernommen, hat das Ford-Gelände gekauft, eigene Flächenentwicklung ermöglicht und vor allem auch die Industrieflächen am Standort vorbereitet. Das waren die Voraussetzungen, die dazu geführt haben - das hat Udo Vetter ja auch in der Pressekonferenz gesagt -, dass es schnell ging, weil schon etwas da war. Wir bereiten uns hier aktiv vor. Wir haben bei den komplexen Beihilfeverfahren der EU unterstützt und wir koordinieren die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Das ist aktive Industriepolitik. Sie hat an dieser Stelle den Unterschied gemacht und das ist gut so! (Beifall von der SPD.) Ich will im Namen meiner Fraktion deshalb ausdrücklich einen Dank aussprechen an die Verantwortlichen von Vetter Pharma, vor allem Senator h.c. Udo Vetter, unserem Wirtschaftsminister Jürgen und dem gesamten Team, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ministerium, aber auch in den Landesgesellschaften, der Wirtschaftsförderung, den kommunalen Behörden, der kommunalen Politik: Ihr alle habt es möglich gemacht, das war ein Kraftakt! Lieber Jürgen, du hast an der Speerspitze gestanden mit deinem Team. Herzlichen Dank, dass das gelungen ist! (Beifall von der SPD.) Diese Ansiedlung wird noch weiterreichende Folgen nach sich ziehen, da bin ich mir sicher. Es geht darum, dass wir mit dieser Ansiedlung mehr Potenzial für den Standort Saarland entwickeln. Wir haben jetzt schon einige Unternehmen, die im Life-Sciences-Bereich seit Jahren richtig gut unterwegs sind: Ursapharm, kohlpharma, Dr. Theiss, MEDTRON. Wir unterstützen dazu auch eine Forschungslandschaft mit dem HIPS, der Uni, aber auch dem DFKI und dem PharmaScienceHub. Es ist die Aufgabe der Landesregierung, das proaktiv weiterzubearbeiten, das Saarland zu einem Pharmacluster weiterzuentwickeln, mit Unternehmen, die ganz eng mit Forschungseinheiten verzahnt sind, und am Ende auch mit einer ordentlichen Beschäftigungssituation. Das muss weiterhin das oberste Ziel bleiben und dafür werden wir auch in Zukunft kämpfen, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Zum Schluss möchte ich noch einmal sagen, dass diese Ansiedlung auf dem Röderberg von Vetter Pharma einiges beinhalten kann und sicher beinhalten wird: neue Arbeitsplätze, neue Perspektiven für die junge Generation, neue industrielle Wertschöpfung und neue Perspektiven für Saarlouis, aber auch für das gesamte Saarland. Genau deshalb ist dieser Spatenstich viel mehr als nur ein Baustart. Er ist ein Signal, dass das Saarland nicht abgeschrieben ist, sondern dass wir die Zukunft dieses Industriestandortes in der eigenen Hand haben, wenn wir alle gemeinsam anpacken. An dieser Stelle ist es gelungen. Ich hoffe, dass es an vielen weiteren auch gelingen wird. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag. - Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)
