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Damhat Sisamci

SPD 29.04.2026 Sitzungen 17/47

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Kriege, Krisen, Zölle, schwacher Export, schwache Binnennachfrage - kaum hoffen wir auf Wirtschaftswachstum, kommt der nächste geopolitische Schock und zieht uns den Boden unter den Füßen wieder weg. Das ist die Realität, in der wir heute Wirtschaftspolitik machen. Und auch wenn wir völlig zu Recht stolz sind auf das, was wir wirtschaftspolitisch in der Vergangenheit erreicht haben, ist es umso wichtiger zu verstehen, dass Nostalgie keine Strategie ist. Wenn wir in Deutschland und auch im Saarland eine Chance haben wollen, dann müssen wir das über Innovation machen. Genau deshalb müssen wir heute über Start-ups reden. Wir sprechen da nicht über ein Nischenthema, sondern wir sprechen über die Frage: Wovon lebt unser Land morgen? Ich sage ganz klar: Das Saarland wird seine Zukunft nicht sichern, indem wir nur das Bestehende verwalten. Wir sichern sie vielmehr, indem wir Neues möglich machen, und genau dafür stehen wir als SPD-Fraktion. Wir verwalten nicht die Vergangenheit, wir gestalten die Zukunft. (Beifall von der SPD.) Start-ups sind genau das: neue Ideen, neue Technologien, neue Geschäftsmodelle. Wir haben heute 168 Start-ups, so viel wie nie, wir hatten 2025 so viele Unternehmensgründungen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das ist kein Zufall, das passiert nicht im luftleeren Raum, das ist auch das Ergebnis politischer Arbeit. Genau daran sieht man: Hier wird nicht geredet, hier wird geschafft! Wir haben echte Stärken. 83 Prozent unserer Start-ups entstehen aus Hochschulen und Forschung, der Bundesschnitt liegt bei 51 Prozent. Das heißt, wir sind kein Zufallsstandort, sondern wir sind ein Standort, an dem aus Wissen Wertschöpfung entsteht. Wir sehen auch, dass wir im Deep-Tech-Bereich stark sind. 19 Prozent unserer Start-ups arbeiten in Hightech-Feldern, fast doppelt so viele wie im Bund. Das ist genau der Bereich, in dem die Zukunft entschieden wird - KI, Cybersecurity, neue Materialien. Das ist nicht irgendwann, das ist jetzt. Das ist hier bei uns im Saarland, und darauf können wir echt stolz sein, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Wer heute durch den Science Park in Saarbrücken läuft, der sieht, was möglich ist. Ein Beispiel: Native AI. Das ist ein Start-up aus Saarbrücken, gegründet 2020, es entwickelt KI zur Dokumentenanalyse. Es wird von einem internationalen Unternehmen übernommen und zum Forschungs- und Entwicklungszentrum ausgebaut. Das zeigt doch, Ideen aus dem Saarland können global bestehen. Das zeigt doch, Ideen aus dem Saarland können Weltmarkt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Wir haben im Saarland über 120 Millionen Euro für Start-ups und wachstumsorientierte Unternehmen mobilisiert, so viel wie nie zuvor in der Geschichte dieses Landes, mit Programmen wie EFRE, Nachrangdarlehensfonds, Beteiligungsfonds, RegioInnoGrowth, Venture-Capital-Strukturen. Das ist nicht Symbolpolitik, das ist konkrete Unterstützung. Gut so! Vielen Dank, Herr Minister Barke, vielen Dank, Herr Minister von Weizsäcker. Genau so macht man Zukunft! (Beifall von der SPD.) Aber, und das gehört auch zur Wahrheit, wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Die größte Herausforderung ist klar: Wachstum. Nur etwa 10 Prozent der Start-ups bewerten den Zugang zu Kapital als gut. Viele gute Ideen entstehen hier, aber zu viele wachsen woanders. Genau hier setzen wir an: mehr Kapital, mehr (Abg. Sisamci (SPD)) Vernetzung, mehr Kooperation mit etablierten Unternehmen. Eine Antwort auf ein Problem, das wir lange hatten, ist SouthwestX. Wir haben im Saarland starke, forschungsstarke Hochschulen, aber zu wenig Unternehmen, die daraus entstehen und hier wachsen. SouthwestX bringt Forschungs-Start-ups, Unternehmen und Investoren zusammen und sorgt dafür, dass aus einer Idee ein Produkt wird und aus einem Produkt ein Unternehmen mit Arbeitsplätzen, denn eines ist klar: Start-ups brauchen nicht nur Ideen, sie brauchen auch einen Markt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Start-ups sind kein Gegensatz zu Industrien, Sie sind Teil der Zukunft, denn das Start-up von heute ist der Mittelstand von morgen. Wer sie heute nicht stärkt, verliert morgen Arbeitsplätze. Sie sind das, was aus Transformation neue Stärke macht. Genau deshalb ist unser Ansatz richtig. Wir stärken das Ökosystem, wir stärken die Finanzierung, wir stärken den Transfer von Forschung in Anwendung. Wir sagen: Klar, das Saarland soll ein Start-up-Land sein, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Gründung heißt aber nicht nur Start-up, sondern auch Unternehmensnachfolge. Viele Betriebe, mit denen ich im Austausch bin, fragen mich völlig zu Recht: Wer führt meinen Betrieb weiter? - Wenn wir darauf keine Antwort geben, verlieren wir nicht nur Unternehmen, dann verlieren wir Arbeitsplätze, wir verlieren Wissen und wir verlieren ein Stück wirtschaftlicher Identität unseres Landes. Das dürfen wir nicht zulassen! Deshalb gehen wir einen anderen Weg. Mit gezielten Programmen wie dem Nachfolgebonus, mit Beratung und Unterstützung machen wir klar: Unternehmertum beginnt nicht nur bei Neugründung, sondern auch bei Weiterführung. Gleichzeitig gilt, wenn wir es ernst meinen mit Zukunft, müssen wir mehr Menschen für Unternehmertum gewinnen - mehr Frauen und Männer, mehr Menschen, die bisher diesen Schritt nicht gewagt haben. Denn eines ist doch klar: Innovation entsteht nicht nur in Start-ups. Sie entsteht überall dort, wo Menschen den Mut haben, anzupacken. Genau das ist unser Ziel: weniger Hürden, mehr Möglichkeiten, und mehr Menschen, die Ideen umsetzen. Unser Antrag zeigt, wir haben viel erreicht, aber wir haben noch mehr vor. Wir wollen ein Saarland, in dem Ideen nicht scheitern, sondern wachsen, in dem Gründung kein Risiko ist, sondern eine echte Chance, und in dem aus Innovation gute Arbeitsplätze entstehen. Dafür stehen wir und dafür kämpfen wir. Deswegen bitte ich um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank. (Beifall von der SPD.)

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