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Stephanie Meiser

SPD 18.03.2026 Sitzungen 17/46

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Stellen Sie sich ein Kind vor, das am ersten Schultag im Klassenzimmer sitzt. Die Lehrerin stellt eine Frage, die anderen Kinder melden sich. Aber dieses eine Kind bleibt still, nicht, weil es nichts zu sagen hätte, sondern weil ihm im Deutschen einfach die passenden Worte fehlen. Dieses Kind versteht vieles. Es hat Ideen, Gedanken, Neugier. Aber ohne Sprache kann es das nicht zeigen. Genau hier beginnt unsere Verantwortung: Wir wollen Kinder früh unterstützen und ihnen die sprachlichen Werkzeuge für einen guten Start in der Schule mitgeben. Denn jedes Kind soll die Chance haben zu zeigen, was in ihm steckt. Genau hier setzt das neue Sprachförderkonzept der Landesregierung an: „Startklar Deutsch - alle Chancen für alle Kinder“. (Beifall von der SPD.) Für uns ist klar, dass alle Kinder bei der Einschulung so gut Deutsch sprechen sollen, dass sie dem Unterricht folgen können. Gleichzeitig ist auch wichtig festzuhalten, dass viele Kinder heute mehrsprachig aufwachsen. Das ist ein Gewinn für unser Land: Mehrsprachigkeit bringt kulturelle Vielfalt, unterschiedliche Perspektiven und ein großes Potenzial mit sich. Kinder, die mehrere Sprachen sprechen, bringen wertvolle Fähigkeiten mit. Unsere Aufgabe besteht aber eben auch darin, sicherzustellen, dass alle Kinder beim Schuleintritt über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, damit sie dem Unterricht folgen und ihr Potenzial entfalten können. Denn Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, zu mehr Selbstvertrauen und zu gesellschaftlicher Teilhabe. Mit dem Konzept „Startklar Deutsch - alle Chancen für alle Kinder“ gehen wir im Saarland einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit. (Beifall von der SPD.) Bildungsgerechtigkeit beginnt eben nicht erst am ersten Schultag, sie wird schon wichtig, sobald ein Kind zu sprechen lernt, sobald es lernt, Fragen zu stellen und sich auszudrücken. Mit Sprache schließen Kinder Freundschaften, erzählen von ihren Erlebnissen und beteiligen sich am Unterricht. Sprache eröffnet Möglichkeiten und prägt früh die Bildungschancen von Kindern. Wer dem Unterricht sprachlich nicht folgen kann, hat es in allen Fächern schwerer. Wer sich nicht ausdrücken kann, beteiligt sich weniger. Deshalb ist Sprache weit mehr als nur ein Unterrichtsfach: Sprache ist die grundlegende Voraussetzung für Bildungserfolg. Aus genau diesem Grund handeln wir jetzt früher. (Beifall von der SPD.) (Abg. Meiser (SPD)) Aktuell verfügen im Saarland rund 30 Prozent der Kinder bei ihrer Einschulung noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse. An einzelnen Schulen mit besonderen Herausforderungen, den Startchancen-Schulen, betrifft das sogar jedes zweite Kind. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass wir, wenn wir Bildungsgerechtigkeit ernst meinen, früher und verbindlicher ansetzen müssen. Dass frühe Förderung entscheidend ist, zeigen auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sehr deutlich. Eine neue Langzeitstudie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe macht deutlich, dass Bildungsungleichheiten bereits in den ersten Lebensjahren entstehen - lange bevor die Kinder überhaupt eingeschult werden. Schon im Kleinkindalter zeigen sich Unterschiede im Wortschatz sowie bei frühen mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Diese Unterschiede vergrößern sich häufig noch bis zum Schuleintritt. Des Weiteren zeigt die Studie, dass Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau deutlich seltener frühkindliche Bildungsangebote wahrnehmen, besonders in den ersten Lebensjahren der Kinder. Mit anderen Worten: Genau in der Phase, in der die frühe Förderung besonders viel bewirken kann, haben noch nicht alle Kinder die gleichen Möglichkeiten, sie zu nutzen. Deshalb setzen wir mit „Startklar Deutsch“ früher an. Wir schauen früher hin, wir fördern früher und wir sorgen dafür, dass wirklich alle Kinder erreicht werden, auch diejenigen, die bisher keinen Kitaplatz hatten. (Beifall von der SPD.) Der erste zentrale Baustein von „Startklar Deutsch“ ist eine Sprachstandsfeststellung im Alter von vier Jahren, also rund zwei Jahre vor der Einschulung und damit ein gutes Jahr früher, als bisher die Vorschuluntersuchung stattgefunden hat. Diese Sprachstandsfeststellung wird mit der WUSCHEL-App durchgeführt, einem von der Uni des Saarlandes entwickelten Testverfahren zur Sprachentwicklung. Damit erkennen wir frühzeitig und nach einheitlichem Standard, welche Kinder bereits sicher Deutsch sprechen und welche Kinder noch zusätzliche Unterstützung benötigen. Der entscheidende Fortschritt dabei ist, dass erstmals alle Kinder eines Jahrgangs in den Blick genommen werden, und zwar unabhängig davon, ob sie eine Kita besuchen oder nicht. Insoweit gab es bislang eine Förderlücke: Kinder ohne Kitabesuch wurden häufig erst sehr spät erreicht. Mit „Startklar Deutsch“ schließen wir diese Lücke, sodass kein Kind mehr durchs Netz fällt. Kinder ohne Kitaplatz, das sind aktuell circa 500 im Saarland, erhalten einen Platz. Sollte kein Platz zur Verfügung stehen, erhalten Familien für ihr Kind ein Ersatzangebot von 15 Stunden Sprachförderung pro Woche im Bildungschancenjahr, dem letzten Kita-Jahr vor der Einschulung. Das ist ein großer Fortschritt für die Kinder und ihre Entwicklung und ein wichtiger Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit von Anfang an. (Beifall von der SPD.) Bei Kindern, die bereits in der Kita sind und bei denen ein erheblicher Förderbedarf festgestellt wird, erhält das Kind zusätzliche Unterstützung im Bildungschancenjahr, also im letzten Kindergartenjahr. Neben der alltagsintegrierten Sprachbildung in der Kita erhält es zusätzlich eine gezielte Förderung im Umfang von vier Wochenstunden. Dabei ist uns ein Punkt besonders wichtig: Sprachförderung funktioniert am besten dort, wo sich die Kinder wohlfühlen und sicher fühlen. Deshalb findet die Förderung für Kita-Kinder nicht außerhalb des Alltags der Kinder statt, wie das in früheren Programmen, etwa bei „Früh Deutsch lernen“, der Fall war, sondern mitten in ihrem vertrauten Umfeld, in der Kita, im täglichen Miteinander. Es wird uns in dem Zusammenhang gerne unterstellt, wir würden gezielte Förderung in Kleingruppen grundsätzlich ablehnen - das ist schlichtweg falsch. Hier zählt für uns die sinnvolle pädagogische Einbindung und der spezielle Bedarf des Kindes. Das ist für Familien alltagstauglich und in der Arbeit mit Kindern pädagogisch sinnvoll. Es stärkt nicht nur die sprachliche Entwicklung, sondern auch das Selbstvertrauen der Kinder. Mit „Startklar Deutsch“ stellen wir sicher, dass wirklich jedes Kind Zugang zu früher Bildung und Sprachförderung erhält. Denn gerade Kinder ohne Kitaerfahrung profitieren besonders von früher Förderung und sozialer Teilhabe. Mit dem neuen Konzept schaffen wir deshalb erstmals ein System, das wirklich alle Kinder eines Jahrgangs erreicht. (Beifall von der SPD.) Sehr geehrte Damen und Herren, frühkindliche Bildung darf dabei nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb schaffen wir im Saarland die Kitabeiträge ab 2027 vollständig ab. Das ist eine zentrale sozialdemokratische Entscheidung, denn Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch, dass der Zugang zu früher Bildung allen Familien offenstehen muss, unabhängig vom Einkommen der Eltern. (Beifall von der SPD.) Mit kostenfreien Kitas schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass Familien diese Angebote leichter nutzen können. Gleichzeitig verbessert die Beitragsfreiheit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und stärkt die gesellschaftliche Teilhabe. Darüber hinaus investieren wir weiter in den Ausbau der Kitaplätze, denn ein verpflichtendes Bildungschancenjahr kann nur dann funktionieren, wenn ausreichend Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb unterstützt das Land die Kommu- (Abg. Meiser (SPD)) nen beim Ausbau der Infrastruktur und investiert gezielt in zusätzliche Kitaplätze. Mehr als 2.000 Kitaplätze haben wir seit 2022 schon geschaffen. Mit dem Kita-Turbo unterstützt das Land die Kommunen zusätzlich noch einmal mit 24 Millionen für den Bau und Umbau von Kitas. Gute Bildung braucht beides, genügend Platz und starke Förderung. Deshalb haben wir auch die Familien im Blick. Sprachentwicklung findet natürlich nicht nur in der Kita oder in Schulen statt, sondern vor allem auch im Alltag der Familien. Sprachförderung ist auch eine Aufgabe des gesamten Sozialraums. Gerade in Quartieren mit besonderen Herausforderungen brauchen Familien niedrigschwellige Unterstützung und gut abgestimmte Strukturen. Kitas spielen hierbei eine zentrale Rolle, unterstützt durch die Kitasozialarbeit oder auch Sprachlotsen, die Kinder und ihre Familien früh begleiten können, denn gute Sprachförderung stärkt nicht nur die einzelnen Kinder, sondern ganze Familien und ihr Umfeld. „Startklar Deutsch“ ist dabei kein kurzfristiges Projekt, sondern ein struktureller Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit, der sich langfristig auswirkt. (Beifall von der SPD.) Den Anfang macht eine erste Modellphase, an der sich 14 Startchancen-Grundschulen und 42 Kitas in allen Landkreisen beteiligen. Diese erste Phase für Kinder, die im Schuljahr 2027/2028 eingeschult werden, startet bereits im April. Nach den Sommerferien beginnt die verbindliche Förderung an den Modellstandorten. Die zweite Modellphase mit weiteren Schul- und Kitastandorten beginnt diesen Herbst, sodass zunächst alle 28 Startchancen-Grundschulen beteiligt sind. Die Erfahrungen aus diesen Modellphasen werden ausgewertet und fließen in die landesweite Umsetzung ein. Ab November 2027 wird die Sprachstandsfeststellung dann im ganzen Saarland verbindlich durchgeführt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Startklar Deutsch“ ist ein konsequenter Schritt zur Weiterentwicklung unserer Sprachförderstrategie im Saarland. Während die Opposition an überholten Konzepten wie „Früh Deutsch lernen“ festhängt, (Lachen bei der CDU) gehen wir nicht nur einen, sondern viele Schritte weiter. Der Unterschied ist, wir setzen jetzt ein umfassendes Konzept um mit System, gesicherter Finanzierung und klarem Zeitplan. (Beifall von der SPD. - Sprechen bei der CDU.) Wir setzen früher an, bevor sich Nachteile verfestigen. Wir fördern gezielter dort, wo Kinder lernen und aufwachsen, und wir erreichen alle Kinder, unabhängig davon, ob sie eine Kita besuchen oder nicht. Wir sorgen dafür, dass alle Kinder beim Schuleintritt die sprachlichen Grundlagen mitbringen, um erfolgreich lernen zu können. Wir beziehen Familien mit ein und sorgen für Kitaplätze, die ab 2027 beitragsfrei sein werden. Kurzum, mit „Startklar Deutsch“ sorgen wir für gute Bildungschancen. Wir bitten um Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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