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Stephan Toscani

CDU 18.03.2026 Sitzungen 17/46

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich melde mich in dieser Debatte bewusst zu Wort, weil ich der festen Überzeugung bin, dass geschlechtersensible Medizin und Frauengesundheit ein Thema für Frauen und Männer ist. Es ist (Abg. Toscani (CDU)) ein Gesundheitsthema und Gesundheit geht uns alle an. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Unser Gesundheitssystem hat im Kern eine starke Basis. Wir haben eine hohe Ärztedichte, wir haben gut ausgebildetes Personal und einen breiten Zugang zur Versorgung, aber wir wissen alle, dass Reformen anstehen. Unser Gesundheitssystem steht unter Druck. Trotz dieses Drucks dürfen wir eines nicht vergessen: Es gibt Themen, die seit Jahren auf Antworten warten. Geschlechterspezifische Medizin ist eines dieser Themen. Es geht dabei weniger ums Geld als vielmehr darum, dass wir hinschauen und dass wir uns kümmern. Genau das wollen wir mit diesem gemeinsamen Antrag erreichen, genau das ist unser gemeinsames politisches Ziel. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Frauen und Männer sind physiologisch nicht gleich. Bei derselben Krankheit kann es bei Frauen und Männern zu unterschiedlichen Symptomen kommen, auf dasselbe Medikament können Frauen und Männer unterschiedlich reagieren. Hinzu kommt, Frauen leiden häufiger unter bestimmten Krankheiten wie beispielsweise Multiple Sklerose oder Osteoporose. Diese Unterschiede sind alles andere als nebensächlich. Wir müssen sie ernst nehmen. Sie ernst zu nehmen heißt, unser Gesundheitssystem und unsere Gesundheitspolitik stärker auf diese Unterschiede auszurichten. Darum geht es im vorliegenden Antrag. Lange Zeit hat sich die Medizin vor allem am männlichen Körper orientiert, Frau Kollegin Baltes hat es eben ausgeführt. Der männliche Körper galt als Referenz und als Standard, Studien wurden überwiegend mit Männern durchgeführt. Das war ein Fehler mit signifikanten Folgen, wie man am Beispiel Herzinfarkt sehen kann: Männer spüren meist starke Schmerzen in der Brust. Das kennen wir, das ist allgemein bekannt. Frauen dagegen weisen häufig andere Symptome auf wie Übelkeit, Atemnot oder Rückenschmerzen. Wissenschaftlich sind diese Unterschiede längst bekannt, in der Praxis sind sie allzu oft noch nicht angekommen. Das kann über Menschenleben entscheiden. Dieselbe Krankheit, unterschiedliche Symptome - wer diese Unterschiede nicht erkennt, stellt die falsche Diagnose. Wenn die Diagnose schon falsch ist, gibt es keine erfolgreiche Therapie. Ein weiteres Beispiel: Frauen bekommen bei Herzstillstand seltener Erste Hilfe als Männer, vor allem weil Geschlechtersensibilität in der Erste-Hilfe-Ausbildung meist noch unterbelichtet ist. Das kann den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Darüber hinaus gibt es Krankheiten, die nur bei Frauen auftreten, zum Beispiel die Endometriose. Über diese wird gesellschaftlich zu wenig gesprochen und sie wird deshalb zu selten erkannt. Das, meine Damen und Herren, muss sich ändern und ich bin froh, dass wir auch in der CDU Frauen haben, die dieses Thema vorantreiben und vorangetrieben haben. Ich nenne stellvertretend die Kolleginnen Anja Wagner-Scheid und Dagmar Heib, die dieses Thema mit großem persönlichem Engagement und Einsatz vorangetrieben haben. Sie haben dafür gesorgt, dass es eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des saarländischen Landtags gibt. Sie arbeiten mit großem Nachdruck und Sachverstand an diesem Thema und ohne sie wäre dieser Antrag nicht das, was er ist. - Ein herzliches Dankeschön dafür. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Auch in der Forschung gibt es noch Lücken. Gesundheitliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden noch immer nicht ausreichend berücksichtigt. Das Problem ist, dass Daten und Studien fehlen. Zwar sehen wir auf Bundesebene erste Fortschritte, etwa dass mehr Mittel für Forschung bereitgestellt und Programme zur Frauengesundheit ausgebaut werden, aber das ist nur ein Anfang. Hier im Saarland gibt es ebenfalls Fortschritte. Ich denke vor allem an das Centrum für geschlechtsspezifische Biologie und Medizin. Es wurde vor zwei Jahren am Universitätsklinikum errichtet und leistet wichtige wissenschaftliche Arbeit zur geschlechtersensiblen Medizin. Dort wird erforscht, wie sich Krankheiten bei Frauen und Männern unterschiedlich entwickeln und wie wir Prävention, Diagnose und Therapie verbessern können. Das Centrum zeigt, dass gute Wissenschaft und gute Medizin zusammen funktionieren. Ich finde es wichtig, dass wir dieses Centrum haben. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Wir sehen, dass es Fortschritte gibt, aber das reicht noch nicht aus. Deshalb fordern wir, die Forschung zur geschlechtersensiblen Medizin weiter zu stärken, und wir fordern, dass das Thema verbindlich in die medizinische Aus- und Weiterbildung integriert wird. Außerdem müssen Prävention, Aufklärung und Vorsorge ausgebaut werden, etwa bei der Krebsfrüherkennung, bei HPV-Impfungen und bei der Ersten Hilfe. Einen besonderen Schwerpunkt legen wir auf die bessere Versorgung bei frauenspezifischen Erkrankungen wie der Endometriose. Kurz zusammengefasst: Wir wollen ein Gesundheitssystem, das treffsicherer und damit insgesamt gerechter wird. Frauengesundheit ist ein Thema, das uns alle angeht, Frauen und Männer. - Ich bitte Sie deshalb sehr herzlich, dem Antrag zuzustimmen. (Beifall von der CDU und der SPD.)

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