Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich knüpfe an die Worte meiner Vorrednerin, der Kollegin Holzner, an. Das Bildungssystem muss für die Zukunft gewappnet sein. Der Haushalt muss zukunftsgerichtet sein. Allerdings füge ich noch hinzu: Natürlich dürfen wir die Gegenwart nicht vergessen. Zuerst einmal ein Lob an unsere Bildungsministerin, Frau Streichert-Clivot, die es immerhin fertiggebracht hat, die Ministerpräsidentin und den Finanzminister und auch die Kollegen und Kolleginnen davon zu überzeugen, dass Bildung eine ganz wichtige Sache ist. Das Ergebnis ist, dass der Bildungshaushalt gestiegen ist, und zwar deutlich. Das ist zuerst einmal positiv. Das Land hat ja die Kulturhoheit, da sind wir also selbstständig. Das können wir selbst verwalten, und das muss sich dann auch im Haushalt zeigen. Allerdings kommt es auch darauf an, wie man mit dem vorhandenen Geld umgeht. Und da gibt es gewaltige Mängel. Zuerst einmal: Es darf einfach nicht sein, dass 10 Prozent - vielleicht ein bisschen weniger oder ein bisschen mehr - der Schüler und Schülerinnen keinen Abschluss haben, obwohl die Abschlüsse ja dauernd in ihren Anforderungen gesenkt werden. Es darf auch nicht sein, dass Schüler aus der Schule entlassen werden, die nicht lesen können. Es darf auch nicht sein, dass Schüler aus der Schule entlassen werden und nicht schwimmen können. Es sind also Mängel, die dürfen nicht sein. Es darf nicht sein, dass es an den Schulen Probleme mit Gewalt oder gar Drogen gibt. Das darf nicht sein. Es erreichen uns sehr viele Klagen. (Abg. Dörr (AfD)) Jetzt will ich aber auch etwas Gutes anschneiden. Wir hatten früher die Situation in den Schulen, dass Kinder, die nicht mitkamen in sogenannte Hilfsschulen abgedrückt wurden. Das waren nur ganz wenige im Land, im Saarland waren es drei. Die Kinder wurden abgeschoben oder, ein ganz schreckliches Wort, als unbildbar bezeichnet und von der Schulpflicht befreit. Das haben wir, Gott sei Dank, überwunden. Es gab Leute, gute Menschen, die mit diesen Kindern umgegangen sind, die diese Kinder betreut haben, und diese Menschen haben dafür gekämpft, dass diese Kinder ihren Anlagen entsprechend bestmöglich gefördert werden. Ich habe dabei maßgebend mitgewirkt, das kann ich ruhig sagen. Aus dieser Geschichte ist eine Erfolgsstory entstanden. Wir haben im Saarland für alle behinderten Kinder die entsprechenden Schulen gegründet. Für Kinder, die geistig nicht auf der Höhe waren, waren es Schulen für geistig Behinderte - heute sagt man Förderschulen. Für Kinder, bei denen nur eine Lernschwäche vorlag, waren das eben Schulen für Lernbehinderte. Es gab Schulen für Blinde, Schulen für Sehbehinderte, das ist die leichte Form, Schulen für Gehörlose, Schulen für Schwerhörige, die leichte Form, Schulen für Körperbehinderte oder Sprachheilschulen. Es ist sehr viel getan worden. Es ist noch einen Schritt weitergegangen worden, und zwar hat man gesagt, wenn die Eltern nicht damit einverstanden sind, dass diese Kinder in eine Förderschule gehen, dann sollen sie die Möglichkeit haben, dass ihre Kinder in der Regelschule integrativ gefördert werden. Sie können also praktisch dortbleiben, aber es kommt eine Fachkraft und betreut das Kind in der Regelschule. Man hat noch eins draufgesetzt, ich war auch beteiligt, und in meiner Schule ist ein sogenanntes sonderpädagogisches Förderzentrum gegründet worden, sodass man Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen in einem Landkreis gefördert hat, indem man Fachkräfte hinausgeschickt hat, die die Kinder an ihrer Schule betreut haben. Das ist ein tolles System, und ich glaube und hoffe, dass das heute noch so funktioniert, wie es funktioniert hat, als ich in Ruhestand gegangen bin. Was ich aber vermisse, ist, dass man die Kinder, die eine besondere Begabung haben, nicht genauso fördert. (Zurufe des Abgeordneten Com- merçon (SPD).) Was ich eben beschrieben habe, das ist eine Sache der Menschlichkeit, dass die benachteiligten Kinder auch gefördert werden, sodass sie - - (Zuruf des Abgeordneten Com- merçon (SPD).) Herr Commerçon, Sie haben in Ihrer Amtszeit hier einiges versäumt, das können Sie jetzt durch ein Gespräch nicht nachholen. (Abg. Commerçon (SPD): Wir haben die bes- te Hochbegabtenförderung!) Nein, das ist alles dummes - - (Anhaltende Zurufe des Abgeordneten Com- merçon (SPD).)
