Barke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich will an dieser Stelle noch kurz das Wort ergreifen, weil ich glaube, dass es ein sehr wichtiges Thema ist, mit dem wir uns aber im Übrigen schon seit vielen Jahren beschäftigen. Mich treibt das Thema seit 13 Jahren um. Sie wissen, ich habe selbst gegründet, mein Unternehmen später verkauft, als ich 2012 in die Regierung eingestiegen bin. Ich habe zwischenzeitlich Beteiligungen übernommen. Ich habe in den letzten 13 Jahren viele Unternehmen in Nachfolgen beraten, und wir haben auch vieles erfolgreich hingekriegt. Wir haben es in der Regel dann erfolgreich hingekriegt, wenn die Unternehmen in ihrer Substanz auch nachfolgefähig waren. Das hat unterschiedlichste Gründe. Es hat viel mit dem Geschäftsbetrieb der früheren Eigentümer zu tun, die sich möglicherweise jahrelang nicht um die Nachfolge gekümmert haben, zwischenzeitlich auch mal Kapital gegründet haben, dann auch noch aus der Firmenimmobilie die Altersvorsorge darstellen wollen. Das ist keine solide Grundlage, wo man gut einsteigen kann. Für all diese Herausforderungen haben wir ein Zusammenspiel in der Saarland Offensive für Gründung organisiert, wo wir zusammen mit IHK und auch aus Landesprogrammen mit 80 Prozent bei den Beratungskosten fördern. Wir beraten umfassend. Wir sind eng an den Unternehmen und versuchen, jede Nachfolge möglich zu machen. Aber wir spüren auch einen Trend, das wollen wir nicht verheimlichen, der nicht gut ist. Der Trend geht zu größeren Einheiten. Wenn in der Studie, wie Sie es interpretieren, befürchtet wird, es gingen 5.000 Arbeitsplätze verloren, dann ist das zwar nicht so, aber das Schlimme ist, dass Betriebe bestimmter Größenklassen verloren gehen, weil sie im Wettbewerb mit größeren Betrieben, in denen die Beschäftigten aus den kleineren Betrieben ihre Aufnahme finden, verschwinden. Das ist eine aus meiner Sicht besorgniserregende Entwicklung. Genau an diesem Punkt arbeiten wir in der Saarland Offensive für Gründung, wo wir Wege aufzeigen, wie man über den Einstieg in Kleinstbetriebe auch eine Größe erreichen kann, um im Wettbewerb in einem regionalen Markt - darum geht es in der Regel im Handwerk - am Ende bestehen kann. Aber die Trends Automatisierung, Robotics, KI in der Produktion sind Themen, bei denen man sich zwar nicht im Weltmarkt mit Preisen messen muss, aber im regionalen Markt. Die effiziente Produktion wird in Kleinstbetrieben schwieriger möglich sein. Der Trend geht zu größeren Einheiten. Das kommt aus der Studie so nicht sauber hervor. Ich will niemals Autoren von Studien kritisieren, will aber auf einen Punkt hinweisen: Wenn Sie sich den Größenklassen-Vergleich in den Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, ansehen und wenn Sie sich anschauen, wie viele Unternehmen überhaupt an der Befragung teilgenommen haben, dann, so finde ich, müssen wir neue Wege finden. Wir müssen in den Befragungen und Studien einen besseren und tieferen Einstieg finden. Eines ist mir auch noch wichtig: Selbst wenn wir die Unternehmen an den Punkt bekommen, dass sie übernahmefähig sind - darum geht es, das ist die Grundlage für Übernehmer -, brauchen wir noch den Unternehmer mit dem Unternehmer-Gen. Das kann man an keiner Hochschule lernen. Das muss man im Blut haben. Das haben Sie von der CDU auch in Ihrer Fraktion. Tobias Hans hat es vorgemacht, er hat sich selbstständig gemacht, er hat das Unternehmer-Gen. Das kannst du an keiner Hochschule lernen. Deshalb braucht es hier ein besonderes Netzwerk, in dem man sich mit potenziellen Übernahmekandidaten eng austauscht, in dem man sie bestärkt und ihnen die Zuversicht gibt, dass man sie in Netzwerken im Unternehmertum begleitet, bis sie an dem Punkt sind, wo sie sich das am Ende auch ohne weitere Unterstützung zutrauen. Das sind alles Themen, über die wir reden, und das in einem sauber organisierten Netzwerk, mit dem wir jetzt ganz gezielt an neue Punkte herangehen, zum Beispiel in einer speziellen Kampagne, die wir im nächsten Jahr auch im Hinblick auf migrantische Übernahmen starten werden. Denn das können die potenziellen Übernehmer sein, möglicherweise mit dem Unternehmer-Gen, das sie aus ihren Herkunftsländern mitbringen. Das sind Themen, die wir verfolgen müssen. Mir wäre es wichtig, dass wir die Rahmenbedingungen anerkennen und nicht nur beklagen, dass Betriebe verschwinden. Es entstehen auch große und stabilere Einheiten. Möglicherweise ist das am Ende in den Preisen auch zum Vorteil der Kunden. Es ist aber wichtig, dass wir die Kleinstbetriebe als Einstieg erhalten, um wachsen zu können. Unsere Philosophie war immer: Lasst uns alle Größenklassen an Unternehmen fördern, aber am liebsten die Kleinen. Wenn die ihre Unternehmerzahlen verdoppeln, verdoppeln und verdoppeln, dann entstehen auf diesem Wege auch Hunderte und Tausende von Arbeitsplätzen. Und das brauchen wir hier. Aber dahinter steckt auch eine konkrete Strategie. Deshalb brauchen wir keine neue Strategie, sondern wir brauchen wegen der neuen Herausforderungen in diesem Markt neue Ansätze. Dafür machen wir uns stark. Ich danke allen, die mich dabei unterstützen. (Beifall von der CDU.)
