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Nadia Schindelhauer

SPD 12.11.2025 Sitzungen 17/42

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Es ist noch nicht lange her, da bin ich am Tag der Deutschen Einheit über die Ländermeile des Bürgerfests gegangen, zwischen Familien aus Bayern, Studierenden aus Thüringen und älteren Paaren aus Baden-Württemberg. Immer wieder habe ich gehört: „Ich war noch nie im Saarland, aber es ist ja wunderschön hier, wie (Abg. Schindelhauer (SPD)) herzlich die Leute sind. Warum hat uns das denn niemand früher gesagt?“ - Da geht mir als Saarländerin das Herz auf. Wir wissen, wie schön es hier ist, aber es ist noch schöner, wenn andere unser Saarland entdecken. (Beifall von der SPD. - Abg. Commerçon (SPD): Nicht nur in Saarbrücken!) Nicht nur in Saarbrücken, aber auch. - Hunderttausende Menschen sind ins Saarland gekommen. Es war das größte Fest, das unsere Landeshauptstadt je ausgerichtet hat, mit einer Atmosphäre, die Gäste aus ganz Deutschland begeistert hat. Das Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit hat uns nicht nur wirtschaftliche Impulse gebracht, sondern auch ganz deutlich vor Augen geführt, was für ein guter Gastgeber unser Saarland ist. Wir werden auch bald wieder Gastgeber sein, bereits nächste Woche beim Deutschen Tourismustag und nächstes Jahr mit den nationalen Spielen der Special Olympics. Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Spiele sind ein Fest der Inklusion, ein Fest der Wertschätzung und ein Fest der Begegnung. Tausende Athletinnen und Athleten, ihre Familien und ihre Fans werden unser Land besuchen. Für viele wird es auch der erste Aufenthalt im Saarland sein. Wir wollen, dass sie mit einem Gefühl der Herzlichkeit wieder abreisen und gerne wiederkommen. (Beifall von der SPD.) Wenn wir heute über den Tourismus im Saarland sprechen, dann sprechen wir über eine Branche, die weit mehr prägt als unsere Wirtschaftszahlen. Wir sprechen über das Saarland, wie es viele Menschen erleben, beim Wandern, beim Essen, beim Feiern, beim Entdecken oder einfach beim Spazieren am See. Dass wir als Tourismusland heute so gut dastehen, belegen auch die Zahlen eindeutig. 2024, trotz des Pfingsthochwassers, hatten wir über 3,2 Millionen Übernachtungen, und 2025 steuern wir auf einen neuen Rekord zu, bereits 1,9 Millionen Übernachtungen gab es von Januar bis Juli, das ist ein Plus von 5,6 Prozent. Kein anderes westdeutsches Bundesland verzeichnet solch eine Steigerung, liebe Kolleginnen und Kollegen. Besonders beeindruckend ist auch zu sehen, wie sich die Landkreise Merzig-Wadern und auch Saarlouis nach dem Hochwasser erholt haben. Das zeigt, unsere Tourismusbranche ist widerstandsfähig und sie lebt von Zusammenhalt. Auch die Freizeitwirtschaft wächst deutlich, es gab ein Plus von 6,7 Prozent im ersten Halbjahr 2025. Museen, Veranstaltungen, Festivals, alles ist wieder gut besucht. Das Saarland ist offen, es ist neugierig, lebendig, und das macht uns attraktiv. Genau das macht unser Land auch so besonders: Natur, Ruhe und Authentizität. Ein Beispiel ist mein Lieblingswanderweg, der Biberpfad in Berschweiler. (Sprechen.) Ja, die Stille des Waldes, die Spuren der Biber und das glitzernde Wasser. Man trifft dann auf Wanderer, die für das Wochenende aus Luxemburg hier sind. Ein anderes Beispiel ist die besondere industrielle Geschichte unseres Landes, ob das unser Weltkulturerbe Völklinger Hütte oder das Plateau der Bergehalde in Ensdorf am Saarpolygon ist, wo ich kürzlich stand und über das Saartal schaute. Dort versteht man sofort, wie sehr Kohle und Stahl unser Saarland prägen. Besonders am Tag der Deutschen Einheit, als das Saarpolygon in Schwarz-Rot-Gold erstrahlte, hat man gespürt, welche emotionale Kraft dieser Ort hat. Gäste aus ganz Deutschland erzählen mir, wie beeindruckt sie von diesem Wahrzeichen sind. (Beifall von der SPD.) Ein Thema, das mich als St. Wendeler Abgeordnete ganz besonders bewegt, ist die Zukunft des Campingplatzes am Bostalsee. Der Bostalsee ist eines unserer touristischen Herzstücke, und die umfassende Modernisierung des 5-Sterne-Campingplatzes ist ein Meilenstein für den Landkreis St. Wendel und für das gesamte Saarland. Mit der neuen Entwicklungspartnerschaft zwischen dem Landkreis und der LEG Saar stellen wir dieses Aushängeschild zukunftsfähig auf. Land und Landkreis arbeiten hier Hand in Hand, und das ist ein starkes Signal, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Wir reden hier nicht über irgendeinen Campingplatz, sondern wir reden über einen der beliebtesten Campingplätze der Großregion. Jahr für Jahr bringt er Tausende Gäste in die Region. Die Modernisierung dieses Campingplatzes schafft Strahlkraft für Jahrzehnte und sichert Arbeitsplätze. Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, bei aller Infrastruktur dürfen wir eines nicht vergessen: die Menschen, die in dieser Branche arbeiten. Mehr als 32.000 Beschäftigte im Saarland arbeiten in Hotels, Restaurants, Campinganlagen, Kulturstätten und im Transport. Sie arbeiten, wenn andere feiern. Sie sorgen dafür, dass Gäste sich willkommen fühlen und verdienen unsere Unterstützung, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Ein Punkt, der von enormer Bedeutung ist, ist die finanzielle Entlastung, denn viele Betriebe im Saarland arbeiten seit Jahren am Limit zwischen den hohen Energiepreisen, den steigenden Einkaufskosten und dem Druck, modernisieren zu müssen. Gerade kleine, familiengeführte Gasthäuser sind besonders betroffen. Des- (Abg. Schindelhauer (SPD)) halb war die Entscheidung des Bundes, ab dem 01.01.2026 die Mehrwertsteuer auf Speisen dauerhaft auf 7 Prozent zu senken, ein ganz zentraler Schritt. Ich sage auch ganz bewusst, wir als SPD Fraktion haben diese Entscheidung nicht erst seit gestern gefordert, wir haben sie von Anfang an unterstützt. (Beifall von der SPD.) Wir wissen, ohne Planungssicherheit bleibt jede Modernisierung ein Risiko. Ich erinnere mich an einen Gastronomen aus dem St. Wendeler Land, der mir sagte: „Wenn ihr uns nicht entlastet, dann kann ich meinen zwei Auszubildenden keine Perspektive geben.“ Genau darum geht es bei der 7-Prozent-Lösung, es ist eine Investition in Arbeitsplätze, in die Zukunft und auch in die Lebensqualität unserer Orte. (Abg. Dr. Salm (CDU): Sie haben unseren Antrag dazu im Februar abgelehnt!) Wir haben aber vom Bund weiterhin die Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent gefordert und haben uns die ganze Zeit dafür stark gemacht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben aber nicht gewartet, bis der Bund tätig wird, wir haben selbst geliefert: Das Mittelstandspaket für Gastronomie und Hotellerie ist ein Programm, das bundesweit Beachtung findet und mit 25 Millionen Euro den größten Modernisierungsschub für die Branche seit Jahrzehnten auslöst. Wir sprechen hier nicht über irgendeine Symbolpolitik, sondern von einer wirklichen, echten Unterstützung. Es sind 50 Prozent Förderung, bis zu 300.000 Euro Zuschuss pro Betrieb und ein klarer Fokus auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit und moderne Küchentechnik. Die Beispiele, die mich erreichen, zeigen auch, wie wichtig dieses Programm ist. Ein erfolgreiches Familienhotel plant mit dem Programm die Sanierung der Fenster und den barrierefreien Ausbau der Terrasse. Dort sagte man mir: „Wir wollen, dass ältere Menschen und Menschen mit Behinderung sich genauso frei bewegen können wie alle anderen.“ (Beifall von der SPD.) Ein Restaurant am Bostalsee möchte die komplette Küchentechnik auf energieeffiziente Geräte umstellen. Der Betreiber sagte mir, wenn er 30 Prozent Energie spare, dann könne er die Ausbildung weiter ausbauen. Ein Gasthof im Nordsaarland nutzt das Programm, um zwei Gästezimmer vollständig barrierefrei umzubauen. Das ist echte und gelebte Teilhabe, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Diese Beispiele zeigen, das Programm wirkt, es kommt an und verändert auch etwas. Es gibt den Betrieben zum ersten Mal seit Jahren wieder Mut zu investieren. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind eine Genussregion, mit 14 Michelin-Sternen haben wir mehr denn je. Wir haben Premiumwanderwege wie den Bliessteig, Deutschlands schönsten Wanderweg 2025. Wir haben eines der nachhaltigsten Tourismusgebiete Deutschlands, den Bliesgau. Wir haben mit der Tourismusstrategie 2035 einen gemeinsam mit 450 Akteurinnen und Akteuren entwickelten Kompass, der uns den Weg weist. Aber wir haben auch noch viel Potenzial, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ein wichtiger Zukunftsbaustein für den Tourismus ist der MI-CE-Sektor, MICE-Gäste, also Geschäftskunden, bringen 30 bis 40 Prozent mehr Wertschöpfung als Freizeitgäste. Deshalb bauen wir das Messe-, Kongress- und Kulturforum (MKK). Deshalb starten wir auch 2026 das „Convention Bureau Saarland“. (Beifall von der SPD.) Tourismus bedeutet aber auch Kultur. Opernfestspiele am Saarpolygon, das Festival „Encore!“, Hemmersdorf Pop Festival. Tourismus bedeutet aber auch Jugend mit Jugendherbergen, Naturfreundehäusern und Bildungsorten. Tourismus bedeutet Begegnungen, Erlebnisse und Lebensqualität. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich ganz herzlich Danke sagen. Danke an unseren Wirtschaftsminister Jürgen Barke. Sein Engagement, sein Gestaltungswille und auch die Beharrlichkeit vom MKK über die Tourismusstrategie bis zum Mittelstandspaket, aber auch die Modernisierung des Campingplatzes am Bostalsee, all das trägt maßgeblich dazu bei, dass das Saarland touristisch so stark dasteht wie nie zuvor. Herr Minister, vielen Dank. (Beifall von der SPD - Minister Barke: Ich ge- be es ans Team weiter.) Auch ein großes Dankeschön natürlich an das gesamte Team der Tourismuszentrale, stellvertretend an Frau Grauvogel, die auch hervorragend im Tourismus tätig sind und hervorragende Arbeit leisten. (Beifall von der SPD.) Zum Schluss noch eines: Es gibt Menschen, die behaupten, das Saarland sei zu klein, es sei zu unbedeutend, zu wenig sichtbar, aber liebe Kolleginnen und Kollegen, wer den Biberpfad in Berschweiler gelaufen ist, wer am Bostalsee den Sonnenuntergang erlebt hat oder wer auf dem Baumwipfelpfad an der Saarschleife war oder im überfüllten Brauhaus zum Stiefel einmal wieder keinen Platz bekommt, wer die Menschen beim Tag der Deutschen Einheit erlebt hat, der weiß, das Saarland ist keine Fußnote. Das Saarland ist eine starke Tourismusregion! (Abg. Schindelhauer (SPD)) (Beifall von der SPD. – Minister Barke: Ja- wohl! Wir lieben das Saarland!) Wir wachsen, wir modernisieren, wir begeistern Gäste, wir schaffen Arbeitsplätze und wir stärken unsere Identität. Wir werden diesen Weg weitergehen. Der Tourismus ist ein zentraler Bestandteil unseres Strukturwandels. Er stärkt Wirtschaftskraft, Lebensqualität und Zusammenhalt. Deshalb bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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