Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich habe nur sechs Minuten, (Zuruf von der SPD: Das sind sechs Minuten zu viel) aber Gott sei Dank hat Frau Schmitt-Lang in ihrem Beitrag sehr, sehr vieles gesagt, was richtig ist und was ich unterstützen kann. Das brauche ich nicht zu wiederholen. Zuerst einmal ist es wirklich erstaunlich, dass die Mehrheitsfraktion, die ja die Regierung unterstützt, einen Antrag an die Regierung stellen muss, in einem bestimmten Falle tätig zu werden. Das ist schon erstaunlich. Allerdings ist es auch so, Frau Schmitt-Lang, dass die CDU bis vor drei Jahren selbst in der Regierung war, und zwar über Jahrzehnte entweder als Regierungsführer oder als Regierungspartner. (Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Sie hat es zugelassen, dass in den letzten Jahren der Koalitionspartner das Bildungsministerium übernommen hat. Das war anscheinend nicht so wichtig, wie es jetzt ist. Zur Sache: Seit Jahrzehnten hört man - höre ich, ich habe ja auch Pädagogik und Psychologie studiert -, dass das Kind in seiner frühesten Jugend unbedingt gefördert werden muss. Jeder sagt es, jeder wiederholt es. Frau Holzner hat es auch wieder gesagt, aber niemand glaubt es so recht. Unsere Kitas sind immer noch Bildungsstätten. Leider sehen Eltern und die Gesamtgesellschaft, nicht die Beteiligten, das oft anders. Die Erzieher leisten zum Teil sehr gute Arbeit. Vater und Mutter arbeiten. Wo soll das Kind hin? - Das Kind geht in die Kita. Früher waren das Verwahrschulen. Heute geht es von den Eltern her gesehen darum - das ist ein wichtiger Punkt -, dass die Kinder versorgt sind, während sie berufstätig sind. Dabei ist die Kita eine Bildungsstätte. Das beginnt nicht mit drei Jahren. Das beginnt früher. Das sagt jeder, aber niemand befolgt es. Jetzt zu den konkreten Vorschlägen und zu den Ausreden: Die SPD legt den Schwerpunkt auf die Beitragsfreiheit, auch wenn man anscheinend dafür nicht genug Geld hat, aber für solche Sachen müsste man Geld haben. Wenn ich im Jahre 2027 für mein Kind keinen Beitrag bezahlen muss, nützt mir das 2025 nichts. Das ist nur eine halbe Maßnahme. Von der CDU wird die Gerechtigkeit bestritten. Das stimmt, gerecht ist das nicht. (Zuruf der Abgeordneten Meiser (SPD).) Es gibt Großverdiener, die bräuchten eigentlich keine Ermäßigung. Es gibt Leute, die wirklich bedürftig sind, aber die CDU sagt, wir brauchen Qualität in den Kitas. Auch das ist richtig. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen doch beides für unsere Kinder: Qualität in der Unterrichtung, Qualität bei der Bildung und Kostenfreiheit. Warum ist das denn keine Selbstverständlichkeit? Schauen Sie sich doch einfach mal ein Kind an, das acht Jahre alt und in der zweiten Klasse oder dritten Klasse ist. Stellt irgendjemand die Frage, ob es einen Schulbeitrag für das Kind gibt? Stellt irgendjemand in Frage, dass das Kind einen Platz bekommt? Steht irgendwo keine Schule und das Kind kann deshalb nicht in die Schule gehen? Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Zeitzeuge. Ich kann Ihnen erzählen und erklären, wie das nach dem Krieg war. (Abg. Haas (SPD): Oh Gott!) 1945 waren ganze Städte total zerstört und große Teile der Lehrerschaft in Kriegsgefangenschaft. Alle, die bis zum 60. Lebensjahr Kriegsdienst geleistet haben, waren in Kriegsgefangenschaft. Glauben Sie, dass nach einer gewissen Übergangszeit von einigen Wochen und Monaten auch nur ein einziges Kind im Saarland keinen Unterricht und keinen qualifizierten Lehrer hatte? - Das ging, weil man es für wichtig erachtet hat und weil man es gewollt hat. Wenn es nicht geht, will man es nicht. Das ist der Punkt. Noch etwas zur Ausbildung, wenn man Qualität von den Kitas verlangt: Sie wissen ja vielleicht, dass ich nach meinem Studium als Lehrer auch noch Heilpädagogik studiert habe und in einer Förderschule fast 40 Jahre lang Schul- (Abg. Dörr (AfD)) leiter war. Ich habe gesehen, wie wichtig es ist, dass man außerhalb der Grundschullehrerund der Hauptschullehrerausbildung noch eine Zusatzausbildung in Heilpädagogik macht. Ich habe für die Grundschule schon öfter verlangt, dass in jeder Grundschule mindestens ein oder zwei ausgebildete Förderschullehrer sind. Aber gerade auch für unsere Kinder in den Kitas, in denen die Weichen fürs Leben gestellt werden, wäre es wichtig, ausgebildete Lehrkräfte zu haben. In Frankreich ist es zum Beispiel eine Selbstverständlichkeit, dass die Erzieherinnen in der École Maternelle ausgebildete Grundschullehrer sind. Dazu sollte es in der einen oder anderen Kita die eine oder andere Lehrperson geben, die sonderpädagogisch ausgebildet ist. Das ist es, was wir brauchen: sofortige kostenlose Qualität für unsere Kinder. Das ist wichtig für die Zukunft der Kinder und für die Zukunft unseres Landes. - Danke schön. (Beifall von der AfD.)
