Martina Holzner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über frühkindliche Bildung, über das, was Kinder in den ersten Lebensjahren mitbekommen, über das Fundament, das darüber entscheidet, ob ein Kind später mutig, selbstbewusst und neugierig die Welt erobert, oder ob es Startnachteile mit sich trägt, die es nie abschütteln kann. Und darum, meine Damen und Herren, geht es hier: um die Zukunft unserer Kinder. Es geht um die Frage, welches Saarland wir sein wollen. Für uns ist klar: Wir wollen ein Land sein, das Familien stärkt, ein Land, das Familien entlastet, ein Land, das Chancen ermöglicht. Für uns ist klar: Unsere Kitas legen den Grundstein für eine gute Bildung von Anfang an! Wer Bildungsgerechtigkeit will, muss genau hier anfangen! (Beifall von der SPD.) Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sagen uns, die ersten Jahre eines Kindes sind die entscheidenden. Hier wird der Grundstein gelegt für Sprache, für Motorik, für Empathie, für Lernfreude, für Kreativität. Hier entscheidet sich, wie sicher ein Kind in die Schule startet und wie groß die Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg sind. Deshalb sagen wir: Frühkindliche Bildung ist nicht nice to have, sie ist nicht Betreuung, sie ist nicht Verwahrung. Sie ist vielmehr der erste Schritt in ein gerechtes Leben. Und deshalb kämpfen wir mit unserem Dreiklang aus Platzausbau, Beitragsfreiheit und Qualität mit aller Kraft dafür, dass jedes Kind - wirklich jedes! - gute Chancen in seinem Leben bekommt. (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die CDU erzählt seit Monaten, die Beitragsfreiheit sei schuld an allem - am Personalmangel, an verkürzten Öffnungszeiten, an den Herausforderungen im Alltag. Die Wahrheit ist, der Fachkräftemangel besteht bundesweit seit Jahren, egal, welche Partei regiert hat. Die Behauptung, die Beitragsfreiheit sei das Problem, ist nicht nur falsch, sie ist durchsichtig, sie ist politisches Kalkül. Wenn Eltern plötzlich hören, Beitragsfreiheit oder Qualität, nur eines von beiden geht, das ist verantwortungslos, denn es stimmt einfach nicht. (Beifall von der SPD.) Die Wahrheit ist, Frau Schmitt-Lang, Beitragsfreiheit stärkt Familien, sie stärkt Kinder und stärkt (Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Lassen Sie mich mal kurz überlegen: Waren es nicht Sie, die die Beitragsfreiheit vor der Landtagswahl gefordert haben, ganz kurz vorher? Jetzt wieder nicht? Ist das der zielgerichtete Weg, den Sie im Bereich Bildung gehen wollen? Meine Damen und Herren, wer sich gegen die Beitragsfreiheit wehrt, der verteidigt ein System, in dem Herkunft über Bildungschancen entscheidet. Das, meine Damen und Herren, ist nicht unser Verständnis von Gerechtigkeit und, ich sage Ihnen ganz deutlich, das sollte auch nicht Ihres sein. (Beifall von der SPD.) Gut, Sie wollen die Kitagebühren jetzt wieder einführen, die CDU spricht von fairen 30 Stunden. Sie können den Kopf schütteln, aber das haben Sie gesagt. Für wen denn fair? Fair für die Mutter in Vollzeit, fair für den alleinerziehenden Vater im Schichtdienst, fair für Familien, die jede Stunde Betreuung brauchen, um ihr Leben zu stemmen? 30 Stunden, das sind keine Lösungen, Sie schaffen neue Ungerechtigkeiten. Sie bestrafen diejenigen, die ohnehin schon mehr Last auf den Schultern tragen. Wir wollen keine Kita-Zweiklassengesellschaft, wir wollen gleiche Chancen für alle Kinder. Ein fehlender Platz wird nicht dadurch ersetzt, dass man Betreuungszeiten begrenzt. Deshalb bleibt es dabei: Ab 2027 wird das Saarland beitragsfrei, vollständig, ohne Hintertür und ohne Ausnahme. (Beifall von der SPD.) Aber die Beitragsfreiheit ist nur ein Baustein: Wir investieren weiter in den Ausbau der Plätze. Wir modernisieren unsere Kitas, wir unterstützen die Kommunen. Mit dem digitalen landesweiten Anmeldeportal für Kitaplätze sorgen wir zukünftig für Klarheit und Planbarkeit. Familien sollen nicht mehr hoffen müssen, sie sollen und müssen wissen, dass sie einen sicheren Platz haben. Wir haben seit dem Jahr 2022 fast 2.000 Kitaplätze mehr geschaffen. Das sind 80 Gruppen, 80 Gruppen mehr, liebe Kolleginnen und Kollegen. Sie sehen, während andere motzen, unterstützen wir mit gezielten Maßnahmen und vielfältigen Möglichkeiten. So geht Politik, die unseren Familien wirklich hilft. (Beifall von der SPD.) Wir verbessern Qualität durch mehr Ausbildungskapazitäten, bessere Arbeitsbedingungen und stärkere Leitungsstrukturen. Unsere pädagogischen Fachkräfte in den Kitas leisten täglich eine beeindruckende Arbeit. Sie begleiten unsere Kinder beim Lernen, Spielen, Forschen und Wachsen, und sie trösten auch. Ja, sie (Abg. Holzner (SPD)) brauchen Unterstützung, denn die Arbeit in den Einrichtungen ist komplex und vielseitig. Und ja, das Bildungsministerium hat Maßnahmen vorgestellt, die wirken, Maßnahmen, die in den letzten Jahren auf den Weg gebracht worden sind. Wir wissen, ohne Fachkräfte geht nichts, deshalb setzen wir auf mehr PiA-Plätze, auf die schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, auf multiprofessionelle Teams, auf Ausbildungsstandorte in allen und zwar wirklich allen Landkreisen, mehr Leitungszeit und Entlastung zum Beispiel durch die Möglichkeit, Verwaltungsaufgaben an Verwaltungskräfte abzugeben. Heute arbeiten circa 8.000 Fachkräfte in unseren Kitas, und wir arbeiten daran, dass die Zahl noch steigt. Mit dem Thema Fachkräfte beschäftigt sich auch der Kooperationsverbund zur Fachkräftesicherung und -gewinnung. Dort kommen Politik, Gewerkschaften, Träger, Hochschulen und Elternvertretungen zusammen. Ende Oktober wurde ein Arbeitspapier mit sehr wertvollen Vorschlägen vorgestellt. Diese Zusammenarbeit soll auch in Zukunft fortgesetzt werden, denn nur im engen Schulterschluss aller Beteiligten gelingt es, dauerhaft genügend qualifizierte Fachkräfte für unsere Kitas zu gewinnen. Nur so - ich werde nicht müde, das zu wiederholen - können wir weitere Qualitätsverbesserungen beim Personal in unseren Einrichtungen erzielen. (Beifall von der SPD.) Wichtig ist uns aber auch ein klarer Imageaufbau - stark, sichtbar, professionell. Auch hier kann ich nur sagen: Wer Kitas ständig schlechtredet, der erweist den pädagogischen Fachkräften einen Bärendienst. Was sagen Sie dazu? Sie beklagen die Personalnot. Natürlich fehlen noch Fachkräfte, wie überall in Deutschland, aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, das lässt sich doch nicht mit Schlagworten lösen, da hilft kein Lamentieren, sondern nur konsequentes Handeln: Ausbildung stärken, Arbeitsbedingungen verbessern, Leitungen entlasten - genau das tun wir. (Beifall von der SPD.) Ein weiterer Schwerpunkt, den wir angehen, ist die Sprachförderung. Sprache ist der Schlüssel für alles, für Bildung, für Integration, für Teilhabe. Kein Kind sollte ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule starten. Deshalb haben wir die Programme Sprach-Kitas und die Allianz für Sprachförderung und Teilhabe. Wir fordern, dass das Startchancen-Programm für Kitas zügig umgesetzt wird und dauerhaft ausreichende Mittel zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für das Kita-Qualitätsgesetz; damit die Qualität in unseren Kitas und in der Kindertagespflege dauerhaft sichergestellt und noch weiter verbessert werden kann, ist die finanzielle Absicherung durch den Bund dringend notwendig. Ich höre jetzt schon wieder, wie Sie über das Programm „Früh Deutsch lernen“ klagen. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, hören Sie doch bitte endlich auf, dieses Angebot so darzustellen, als sei das der Goldstandard gewesen. Die Realität ist doch eine ganz andere: Kinder mussten vormittags extra aus ihren Einrichtungen herausgenommen werden, um irgendwo in ein zusätzliches Angebot gebracht zu werden (Zurufe der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Das war organisatorisch total schwierig für viele Familien, kaum praktikabel und pädagogisch überhaupt nicht zeitgemäß. (Beifall von der SPD. - Anhaltende Zurufe von der CDU. - Zurufe der Abgeordneten Wagner (CDU) und Wegner (CDU).) Nein, wir wollen Sprachförderung. Glauben Sie mir, ich habe lange genug in Kitas gearbeitet und weiß, welche Hürde das für die Familien war. - Wir wollen Sprachförderung nicht außerhalb, sondern in unseren Kitas, dort, wo die Kinder sind, dort, wo Sprache täglich gelebt wird, dort, wo es Förderung wirklich gibt. Deshalb setzen wir auf eine integrierte, verlässliche und frühzeitige Sprachförderung und auf eine Testung der Kinder in den Einrichtungen. Bei festgestelltem Sprachbedarf setzen wir natürlich auf professionelle Unterstützung anstatt auf isolierte Einzelprogramme, die an der Lebensrealität unserer Kinder völlig vorbeigehen. (Beifall von der SPD.) Klar haben wir noch zu tun, aber wir motzen nicht, sondern wir machen. Wir haben gemacht: die Freistellung der Praxisanleitung, ein lang gehegter Wunsch in dieser Legislaturperiode, ist erfüllt, sowie die weitere Freistellung der Kitaleitung, das Herausrechnen der Wirtschaftskräfte aus dem Personalschlüssel, der Ausbau der Fachschulen, die Kitasozialarbeit, der Fachkräftepool, der über die Landkreise abrufbar ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht hier um nicht weniger als darum, wie wir unsere Kitas weiter gut für die Zukunft aufstellen. Sie, liebe CDU, reden von Kosten, wir reden von Investitionen. Sie reden von Stundenzuteilungen, wir reden von Bildungsgerechtigkeit. Sie reden von Begrenzung, wir reden von Chancen. Sehr geehrte Damen und Herren, frühkindliche Bildung stärken heißt, die Zukunft stärken. Beitragsfreiheit heißt Gerechtigkeit und Qualität heißt, dass wir unseren Kindern das Beste ermöglichen: gut ausgebildetes Personal, starke Leitung und genügend Zeit für echte, gute pädagogische Arbeit. (Beifall von der SPD.) Deshalb investieren wir weiter in den Ausbau der Kitaplätze, in moderne Einrichtungen und in bessere Rahmenbedingungen für die Teams. (Abg. Holzner (SPD)) Beitragsfreiheit Hand in Hand mit ausreichend Plätzen und hoher Qualität, genau dafür arbeiten wir jeden Tag. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei den Erzieherinnen und Erziehern, den Sozialpädagogen, den Leitungen und allen pädagogischen Fachkräften in den Kitas bedanken, sie alle leisten eine hervorragende Arbeit. - Ich bitte Sie um Zustimmung zu unserem Antrag. – Vielen Dank.
