Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es war ein sehr guter Gedanke, dieses Thema im Parlament anzusprechen. Das geschieht heute ja nicht zum ersten Mal, wir haben dieses Thema auch zuvor schon behandelt. Es ist jahrhundertelang versäumt worden, die Medizin auf die Person zu beziehen. Man hat ein Mittel gegen irgendeine Krankheit gefunden, und man hat gedacht, hilft das bei einer Person, so wird es bei allen anderen Personen auch helfen. Das hat sich natürlich als Irrtum herausgestellt. Erst in jüngster Zeit ist man sich so richtig bewusst geworden, dass ganz gewaltige Unterschiede zwischen den Menschen bestehen. Einen Unterschied stellen zunächst einmal natürlich die Geschlechter dar. Männer und Frauen sind verschieden, haben einen unterschiedlichen Körperbau, haben deshalb auch, was ja so auch vorkommt, verschiedene Krankheiten und Probleme. Der Antrag lautet auf geschlechtergerechte beziehungsweise geschlechtersensible Medizin. Das gilt natürlich auch für die Männer. Ich stehe hier nicht als Feminist, ich bin hier eher Humanist, weil ich denke, dass wir im Parlament nicht nur für die Frauen zuständig sind, sondern auch für Männer und für Menschen allgemein, ob alt oder jung. Wenn Ihnen eine Arznei verschrieben wird und Sie sich den Beipackzettel anschauen, sehen Sie auch, dass man auf diesem Weg seit einiger Zeit durchaus ein klein wenig voranschreitet. Dort liest man zum Beispiel „nicht für Schwangere“ oder „nicht für Kinder unter zwölf Jahren“. Man macht also nunmehr durchaus Unterschiede nach bestimmten Kategorien, das ist schon ein Fortschritt. Ich habe allerdings neulich eine Sendung im französischen Rundfunk gehört - das habe ich hier auch schon einmal gesagt -, in der darüber gesprochen wurde, wirklich eine individuelle Medizin für jede einzelne Person zu finden. In der Praxis ist man bereits dabei, ich höre das zum Beispiel von meiner Frau: Die Ärztin sagt zum Beispiel, ich gebe Ihnen einmal diese Arznei mit. Sie probieren sie aus, sollte das Schmerzen verursachen oder irgendeine andere Nebenwirkung haben, so sagen Sie mir das, dann habe ich noch ein anderes Mittel für Sie, das wir dann probieren können. - Man ist sich also bewusst, dass ein bestimmtes Arzneimittel, eine bestimmte Medizin nicht einfach für alle Männer und Frauen, ob alt oder jung, ob Hinz oder Kunz, geeignet ist. Es ist vielmehr eine persönliche Sache. Angesichts dessen sollte man, so meine ich, daran denken, diesen Antrag, der von der CDU (Abg. Dörr (AfD)) und der SPD eingebracht wurde, der einen Anfang darstellt, da er ein Problem aufzeigt - wir sind auch der Ansicht, dass dieses Problem gelöst werden muss, dass man diesbezüglich etwas unternehmen sollte -, zu erweitern und dabei zu bedenken, dass eigentlich jeder Mensch eine persönliche Medizin für bestimmte Krankheiten braucht. Auch dazu sollte geforscht werden. Das wird man natürlich nicht von heute auf morgen erreichen können, aber man muss auch daran forschen. Das von Frau Wagner-Scheid Gesagte war schon imponierend. Sie hat herausgestellt, dass wir im Saarland eine große Universität haben, eine große medizinische Fakultät. Diese ist gut beraten, sich ein solches Pilotprojekt auf die Fahne zu schreiben, sodass man am Ende wirklich sagen kann: Das ist eine Krankheit, die Frauen betrifft, wenn ihr darüber etwas Genaues wissen wollt, bei der Universität des Saarlandes, bei der medizinischen Fakultät in Homburg, weiß man darüber Bescheid. Dort forscht man an diesem Thema. Wir sind also auch für diesen Antrag. Schade ist, dass man uns zuvor nicht gefragt hatte. Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, dass man insgesamt in Sachen individuelle Medizin mehr forschen müsste. Auch das sollte unsere Aufgabe sein, das sollten wir nicht aus dem Auge verlieren. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
