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Réka Klein

SPD 12.11.2025 Sitzungen 17/42

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Wir haben im März gemeinsam einen wichtigen Schritt gemacht. Damals haben wir das Thema geschlechtersensible Medizin hier auf die Tagesordnung gesetzt. Ich sage ganz ehrlich und deutlich, dieser Antrag damals war kein symbolischer Aufschlag, sondern die Basis. Heute gehen wir den nächsten Schritt, konsequent, fachlich, tiefer und mit dem, was wir aus der Anhörung gelernt haben. Bevor ich inhaltlich werde, möchte ich mich ausdrücklich bei allen Anzuhörenden bedanken. An dieser Stelle möchte ich auch unsere Gäste begrüßen, nämlich Monika Wagner sowie Daniela Freitag von der Selbsthilfegruppe Endometriose Saarbrücken und den Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Michael Schmaus. Von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland möchte ich Frau Beate Ewald-Frey begrüßen. Es ist schön, dass Sie alle da sind und sich die Zeit genommen haben, nicht nur in der Anhörung, sondern dieses Thema auch jetzt im Landtag zu unterstützen. (Beifall von der SPD und der CDU.) Die Anhörung war wertvoll. Sie hat uns Daten, Perspektiven, Lebenserfahrung und Klarheit gegeben. Sie hat auch Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit erzeugt - so wie es sein soll. An dieser Stelle spreche ich ein großes Dankeschön an die Medien aus, denn das ist keine Selbstverständlichkeit bei einem Frauenthema. Das wissen wir sehr zu schätzen. Sie haben damit geholfen, über Endometriose aufzuklären. Endometriose ist eine weitverbreitete, aber immer noch sehr unbekannte Krankheit. Betroffene Frauen haben gesehen, dass wir zuhören, sie ernst nehmen und nicht nur über sie, sondern mit ihnen reden. Damit sind wir beim Kern. Endometriose ist keine Randerscheinung. 10 bis 15 Prozent aller Frauen, Personen mit Uterus, sind betroffen. In der Anhörung wurde von Frau Dr. Askin Kaya ein Satz gesagt, den ich hier gerne sinngemäß wiedergeben möchte. Sie sagte nämlich, Endometriose ist so verbreitet wie die Prostatahyperplasie, nur dass die Forschungslage zu Prostatahyperplasie um ein Vielfaches höher ist. Dieser Satz zeigt, worum es hier eigentlich geht. Es geht um die Wertigkeit von Gesundheit. Endometriose wurde vor über 100 Jahren wissenschaftlich beschrieben. Dennoch gibt es bis heute keine klare Kenntnis der Ursache, keine frühzeitige Diagnostik und keine heilende Therapie. Gleichzeitig ist eine rein männliche Erkrankung wie die Prostatahyperplasie in all ihren Facetten erforscht. Das, meine Damen und Herren, ist kein medizinischer Zufall. Das ist eine strukturelle Schieflage bei der Aufmerksamkeit und Finanzierung von Forschung. Es hat auch eine feministische Dimension, weil es zeigt, dass Erkrankungen, die überwiegend Frauen betreffen, jahrzehntelang als Nebenbaustelle behandelt wurden. Das ist der Grund, warum wir diesen Antrag heute brauchen. (Beifall von der SPD.) Wir im Saarland haben bereits Strukturen geschaffen. Das will ich betonen, denn das ist politische Substanz. Wir haben das Centrum für geschlechtsspezifische Biologie und Medizin, die Einbindung geschlechtersensibler Medizin in die Gleichstellungsstrategie und das spezialisierte Endometriosezentrum in Homburg. Die Gleichstellungsstrategie will ich unterstreichen, denn sie hat dabei nicht nur einen Kontext, sondern die politische Grundlage geliefert, und zwar verbindlich. Ich möchte an dieser Stelle explizit die Staatssekretärin Bettina Altesleben und die Fachabteilung erwähnen, weil dort die Arbeit geleistet wird, die dafür sorgt, dass Gleichstellung kein kleines Beiwerk, sondern Agenda ist. Ich will auch der Kollegin Anja Wagner-Scheid von der CDU-Fraktion danken, denn wir haben hier konstruktiv zusammenarbeitet. Das ist wichtig im ganzen Prozess, denn Frauenpolitik kann gewinnen, wenn Parteien miteinander statt gegeneinander arbeiten. Sie gewinnt, wenn wir gemeinsam Druck machen. Die Anhörung hat klar gezeigt, dass die Diagnose zu lange dauert, die Forschungslücken groß sind, die Versorgung nicht flächendeckend ist und Arbeitgeber oft nicht wissen, was Endometriose bedeutet. Die Folgen sind Schmerz, Unsicherheit, Arbeitsausfälle und Lebensqualitätsverlust. Genau deswegen ist dieser Antrag richtig. Wir sagen nicht einfach, mehr Awareness, sondern gehen konkret in die Struktur und die Vergütung rein. Wir reden über eine Modellregion Saarland, ein Disease-Management-Programme, EndoNurses, Vergütungsfragen und eine nationale Endometriose-Strategie. Das ist der Sprung vom Hinsehen zum Umsetzen. Ich sage es klar und ungeschminkt, solange Frauen im Schnitt sechs bis zehn Jahre auf eine Diagnose warten, solange in Lehrbüchern primär männliche Verläufe stehen und solange Patientinnen sich rechtfertigen müssen, weil man ihren Schmerz relativiert, haben wir keine Gleichstellung im Gesundheitssystem. (Abg. Klein (SPD)) (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Dann haben wir ein System, das Frauen systematisch schlechter versorgt. Genau das adressieren wir heute mit diesem Antrag. Wir gehen heute nicht den ersten Schritt, wir gehen einen weiteren Schritt. Wir schreiben weiter fort, was wir im März als Fraktion initiiert haben. Wir tun das mit klaren Forderungen, konkreter Agenda und einem Ziel, das eindeutig ist. Frauen im Saarland sollen schneller Hilfe bekommen sowie eine bessere Diagnostik und Versorgung. Bund und Forschung müssen nachziehen. Für mich ist das keine symbolische Frauenpolitik. Das ist Gesundheitspolitik mit feministischem Fundament. - Herzlichen Dank. Ich bitte um Ihre Zustimmung. (Beifall von der SPD.)

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