Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Wir haben soeben von einer Geißel der Menschheit gehört, von der Krebserkrankung. Die Menschen können nichts dafür, dass sie von dieser Krankheit heimgesucht werden. Aber es gibt ja auch eine andere Geißel der Menschheit, und das ist der Krieg. Daran sind die Menschen selbst schuld, aber nicht die normalen, einfachen Menschen, sondern es sind die Verantwortlichen für die Völker, für die Staaten, für die Länder, die an den Kriegen schuld sind. Ich habe - das ist meinem Alter geschuldet - den letzten großen Krieg in Deutschland selbst erlebt und überlebt. Ich weiß also, wovon ich rede. Ich habe Bombenabwürfe erlebt, ich habe Gewehrschüsse erlebt. Ich habe auch erlebt, dass der Krieg vorbei (Abg. Dörr (AfD)) war und er doch nicht vorbei war, weil die Nahrungsmittelversorgung ausblieb, kein Wasser da war, kein Strom und so weiter. Und wenn ich die Bilder sehe, zum Beispiel vom Gazastreifen oder auch von der Ukraine, und ich wieder an diese Dinge erinnert werde, dann werde ich schon traurig, weil ich gedacht habe, das passiert nicht mehr, denn nach dem Kriege war nichts häufiger zu hören als die Worte: „Nie wieder Krieg!“ „Nie wieder Krieg“, das habe ich noch Ende der Fünfzigerjahre von einem Dachdeckermeister gehört, bei dem ich in den Ferien gearbeitet habe. Der hat auch bei jeder Gelegenheit beteuert: „Nie wieder Krieg!“ Bei seiner Rede zum 3. Oktober in Saarbrücken hat Bundeskanzler Merz gesagt: „Wir befinden uns nicht im Krieg“, darüber kann man schon streiten, aber er hat auch gesagt: „Wir befinden uns auch nicht mehr im Frieden.“ Ich sehe mit Sorge, dass sehr viele Menschen sehr leichtfertig mit den Begriffen Krieg und Frieden umgehen, mit Waffenlieferungen und Anfeuerungen und Durchhalteparolen. Bisher ist dadurch noch kein Krieg eingedämmt worden, im Gegenteil, die Kriege haben sich ausgeweitet. Auch der letzte Weltkrieg hat nicht an einem bestimmten Tag für alle begonnen und er hat auch nicht an einem bestimmten Tag für alle geendet. Er hat verhältnismäßig harmlos begonnen und hat in einem Inferno geendet. Es ist zu befürchten, dass das wieder passiert, weil die Menschen anscheinend nicht in der Lage sind, Vernunft anzunehmen. Aus diesem Grunde haben wir gedacht - es wird ja viel von Erinnerungskultur gesprochen und von Gedenken an frühere Dinge, unabhängig von Schuldzuweisung, Rache und Ähnlichem -, es ist sinnvoll, einfach mal diese Gedenkstätten, diese Kriegsgedenkstätten zu besuchen, durch Kinder besuchen zu lassen, um sie zu ermahnen, dass wir alles tun müssen, um ein sehr wichtiges Gut, was wir für selbstverständlich halten, nämlich den Frieden, zu bewahren. Das ist unser Antrag. Wir haben ihn auch schriftlich begründet, aber ich denke, er ist selbsterklärend, deshalb belasse ich es dabei. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
