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Dr. Magnus Jung

07.10.2025 Sitzungen 17/41

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Auch ich möchte gerne mit einigen Zahlen einsteigen, vielleicht ergänzend zu den Zahlen, die jetzt schon genannt worden sind. In der Tat, wir haben im Saarland knapp 8.000 Krebsneuerkrankungen im Jahr, etwas mehr Männer als Frauen. Mehr als die Hälfte der Erkrankungen konzentrieren sich dabei jeweils auf drei verschiedene Krebsarten. Bei den Männern sind 26 Prozent aller Krebsneuerkrankungen Prostata-Krebserkrankungen, 14 Prozent Lungenkrebs, 10 Prozent Darmkrebs. Bei den Frauen sind 30 Prozent der Neuerkrankungen Brustkrebs, 12 Prozent Lungenkrebs und 10 Prozent Darmkrebs. Die übrigen verteilen sich auf eine ganze Reihe zusätzlicher möglicher Krebserkrankungen. (Präsidentin Winzent übernimmt die Sit- zungsleitung.) Am Ende müssen wir leider rund 3.000 Todesfälle im Saarland pro Jahr infolge von Krebserkrankungen beklagen. Das ist nach wie vor eine bedrückend hohe Zahl. Bedrückend ist auch, dass man sich einfach ausrechnen kann, dass jede dritte Frau, die 45 Jahre und älter ist, und jeder zweite Mann, der 45 Jahre und älter ist, damit rechnen muss, im Laufe des eigenen Lebens an Krebs zu erkranken. Deshalb reden wir in der Tat nicht nur über irgendwelche Statistiken, sondern über ein einschneidendes, existenzielles Problem, das einen großen Teil der Saarländerinnen und Saarländer betrifft oder einmal betreffen wird oder zumindest nähere Angehörige betrifft in Form der Erkrankung, in Form der Bedrohung für das eigene Leben, in Form von unmittelbarem Leiden körperlicher Art, aber auch in Form der vielfältigen psychischen Belastungen, die für die Betroffenen mit dieser Krankheit einhergehen bis hin - auch das ist häufig - zu Selbstvorwürfen, dass sich die Menschen irgendwie selbst vorwerfen, dass sie eine Schuld daran hätten, dass sie erkrankt sind, was ich für völlig abwegig halte. Ich will von dieser Stelle sagen: Niemand muss sich einen Vorwurf machen, wenn er erkrankt ist. Das ist absolut schädlich und nicht hilfreich. Wir müssen auch die betroffenen Angehörigen in dieser Debatte berücksichtigen. Deshalb bin ich sehr froh für diesen Antrag und die Debatte am heutigen Tage. Denn all den Menschen, von denen ich jetzt gesprochen habe, ist diese Debatte gewidmet. Sie zeigt, der Landtag und die Landesregierung kümmern sich, sie machen sich Sorgen, sie sind aktiv, sie nehmen wahr, was für diese Menschen so wichtig ist. Herr Schaufert, Sie sagen, die SPD-Fraktion hätte es gar nicht nötig, einen solchen Antrag hier einzubringen. Damit zeigen Sie erneut, dass Sie gar nicht verstanden haben, was Sinn und Auftrag eines Parlamentes ist, nämlich als der Ort der gesellschaftlichen Debatte die Themen aufzugreifen, die für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes so wichtig sind. Die SPD-Fraktion und die CDU-Fraktion tun dies heute in der angemessenen Weise. Sie aber haben nicht verstanden, was der Auftrag eines Parlamentes ist. Ich will mich an dieser Stelle herzlich bei den Ärztinnen und Ärzten bedanken, den Pflegekräften, den Forschern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unterschiedlichen Gesundheitsund Sozialberufen, die sich täglich einsetzen in der Zusammenarbeit mit den Menschen, die an Krebs erkrankt sind, und ihren Angehörigen. Wir können heute feststellen, es gibt in den letzten Jahrzehnten ganz massive Fortschritte. Die Quote der Überlebensrate nach fünf Jahren ist von ehemals 27 Prozent auf mittlerweile über 61 Prozent gestiegen. Das zeigt, es gibt Bereiche in unserem Land, wo es heute so gut ist wie noch nie. Es wird immer besser und es wird auch in den nächsten Jahren weiter besser werden. Deutschland und das Saarland sind ein tolles Land. Das zeigt auch unsere Leistungsfähigkeit im Umgang mit Krebs. (Beifall von der SPD.) Die Politik gegen Krebs ruht konzeptionell im Wesentlichen auf drei Säulen. Das ist zum Ersten der Bereich der Forschung für neue Therapien, aber auch die Forschung für Prävention. Das ist zum Zweiten die Organisation von guten Angeboten in der medizinischen Versorgung, im stationären und im ambulanten Bereich. Das ist zum Dritten der Bereich der Früherkennung und der Vorsorge. Hier will ich auch noch ein paar Zahlen nennen. Ich hatte eben schon auf die hohe Zahl der Brustkrebsneuerkrankungen im Saarland hingewiesen. Rund 900 bis 1.000 Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs. Für 300 von ihnen endet diese Erkrankung tödlich. Jeder vierte Brustkrebstodesfall kann durch regelmäßige Teilnahme am Mammographie-Screening verhindert werden. So haben wir zum Beispiel im letzten Jahr 35.000 Frauen im Saarland untersucht. Bei 226 von ihnen sind durch diese Vorsorgeuntersuchungen Brustkrebserkrankungen frühzeitig festgestellt worden. Die entsprechende Therapie konnte frühzeitig beginnen und dadurch sind Leben gerettet worden. Das zeigt, wie wichtig diese Vorsorgeuntersuchungen sind. Deshalb will ich die Gelegenheit nutzen, dafür zu werben, Vorsorgeangebote für alle möglichen Krankheiten wahrzunehmen und zu nutzen. Sie verhindern Leid und retten Leben. Große Bedeutung, darauf wurde heute in der Debatte schon hingewiesen, hat für uns das saarländische Krebsregister. Es liefert nach wie vor gute Daten. Gute Daten sind die Voraussetzung für gute Analysen und Therapieangebote. Diese münden in neue Konzepte für die Prävention. Die guten Daten werden auch in die Diskussionen eingespeist, um Behandlungen zu verbessern. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei Bernd Holleczek und seinem Team ganz herzlich für die hervorragende Arbeit zu bedanken, die im saarländischen Krebsregister geleistet wird. (Beifall von der SPD.) Einen Dank möchte ich ebenso der Saarländischen Krebsgesellschaft aussprechen. Sie ist schon mehrfach genannt worden und auch hier ist der Blick in die Zahlen interessant. Die Saarländische Krebsgesellschaft ist zunehmend flächendeckend im Land vertreten. Die Zahl der Beratungsfälle lag im Jahr 2019 bei ungefähr 4.000 und ist im letzten Jahr auf 14.400 gestiegen. Das zeigt, wie stark das Engagement ausgebaut worden ist und wie nah die Saarländische Krebsgesellschaft an den Betroffenen ist. Wenn man sieht, dass es ganz überwiegend Frauen sind, die dieses Beratungsangebot annehmen, darf man den Männern Mut machen, sich in schwierigen Phasen Unterstützung zu suchen. Es ist keine Schande, bei der Krebsgesellschaft um Rat zu fragen - im Gegenteil, es ist eine wichtige Hilfe und man sollte den Mut und die Kraft haben, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Besonders hervorheben möchte ich die Angebote für die Kinder von Betroffenen wie zum Beispiel das Projekt Regenbogen. Es ist sehr bewegend, wenn berichtet wird, wie wichtig gemeinsame Wochenendausflüge und Veranstaltungen für Eltern und Kinder sind, die von der Saarländischen Krebsgesellschaft organisiert werden. Sie geben den Familien und den Kindern Kraft und bieten Unterstützung in dieser schwierigen Phase. Deshalb ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir als Land nicht nur die Beratungsarbeit der Saarländischen Krebsgesellschaft weiterhin tatkräftig finanziell unterstützen, sondern auch einzelne Veranstaltungsangebote. Von besonderem Interesse und von besonderer politischer Relevanz ist die Frage, wie wir die anstehende Krankenhausreform und den neuen saarländischen Krankenhausplan dazu nutzen, die Krebsbekämpfung im Saarland weiter zu verbessern. Grundsätzlich gilt die Regel, dass wir mehr Qualität durch mehr Konzentration organisieren und Gelegenheitsbehandlungen zukünftig im Saarland nicht mehr sehen wollen. Es gibt einige strukturelle Weichenstellungen, die in der Reform aus Berlin vorgezeichnet sind, beispielsweise die vier Leistungsgruppen Stammzelltransplantation, Leukämie und Lymphome, Ovarial-CA sowie Senologie. Im Krankenhausplan wird festgelegt, wer diese Behandlungen zukünftig durchführen darf und wer nicht. Es gibt andere Leistungsgruppen, die Vorentscheidungen treffen, zum Beispiel die Leistungsgruppen für Lebereingriffe, für Ösophaguseingriffe, für Pankreaseingriffe oder für Eingriff im tiefen Rektum, bei denen es in weiten Teilen um onkologische Behandlungen geht. Ansonsten gilt, dass die Zuordnung der DRGs durch das InEK im Detail noch vorgenommen werden muss, sodass nicht automatisch mit der Zuordnung von Leistungsgruppen klar ist, welche Behandlungen zukünftig wo durchgeführt werden können. Der InEK-Grouper ist leider ebenfalls noch nicht fertig, sodass wir in der Planung noch eine gewisse Unschärfe haben, aber wir denken, dass wir das in den nächsten Wochen auf dem Tisch haben werden und in unsere Planungen aufnehmen können. Wichtig ist auf jeden Fall, dass wir diese Dinge im Krankenhausplan umsetzen. Lieber Kollege Hermann Scharf, was die Frage der Beteiligung der Opposition betrifft, so haben wir doch, glaube ich, eine Lösung gefunden, wie auch der nicht öffentliche Teil den Mitgliedern des Ausschusses zugänglich gemacht werden kann - eine Lösung, die es in der Vergangenheit meines Wissens nicht gab. So weitgehend war die Beteiligung der Opposition noch nie. Insofern denke ich, dass wir in bewährter Weise gemeinsam einen guten Weg gefunden haben, um gute Beratungsgrundlagen für alle Beteiligten zu haben. Auch in der Zukunft wird die Zertifizierung von Zentren für die Steuerung der Krebsversorgung eine bedeutende Rolle spielen. Einige sind schon genannt worden, aber ich will einen vollständigen Blick ermöglichen: Wir haben am Klinikum Saarbrücken ein Zentrum für viszeralonkologische Erkrankungen, also Darmkrebs, Pankreaskrebs oder Lebererkrankungen. Wir haben am CaritasKlinikum ein Organzentrum für Brustkrebs, ein Kopf-Hals-Tumor-Zentrum, ein viszeralonkologisches Zentrum, ein gynäkologisches Krebszentrum und ein Zentrum für hämatologische Neoplasien. Wir haben bei der SHG ein Lungenzentrum und ein uroonkologisches Zentrum. Wir haben im Marienhaus in Kohlhof ein Brustkrebszentrum und am DRK in Saarlouis ein Brustkrebszentrum und ein gynäkologisches Krebszentrum. Am UKS gibt es Organkrebszentren in den Bereichen Hauttumor, Neuroonkologie, Brustkrebs, Gynäkologie, Lungenkrebs, hämatologische Neoplasien, Viszeralonkologie, Prostata sowie ein Kopf-Hals-Tumorzentrum. Das sind die Zentren, die wir haben. Als onkologisches Zentrum wiederum sind bislang nur das UKS und das CaritasKlinikum in Saarbrücken zertifiziert. Wie in der Debatte schon zu hören war, arbeiten die Universität in Homburg, das UKS und die Universitätsmedizin in Mainz seit einiger Zeit daran, einen gemeinsamen Antrag für eine Zertifizierung als Comprehensive Cancer Center bei der Deutschen Krebshilfe einzureichen. Ein entsprechender Antrag wird im Jahr 2027 gestellt. Es gibt mehrere Arbeitsgruppen und man kann sich vorstellen, dass sehr viel inhaltliche Abstimmungsarbeit geleistet werden muss. Am Ende wäre es sowohl für die wissenschaftliche Arbeit als auch für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger im Saarland und der Westpfalz ein Riesenfortschritt, wenn ein solches Kooperationsprojekt zustande käme und wir damit einen echten Mehrwert für die Menschen im Saarland und in Rheinland-Pfalz gemeinsam erreichen könnten. Es ist keine Besonderheit, dass mehrere Standorte gemeinsam ein solches Zentrum beantragen und organisieren. Das gibt es an vielen Stellen. Dieses Zentrum wäre aber das erste länderübergreifende Zentrum. Das Wissenschaftsministerium und das Sozialministerium waren in der letzten Woche mit den beiden Hochschulen bei den Kollegen in Mainz und haben gemeinsam über den weiteren Prozess gesprochen. Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses anspruchsvolle Ziel erreichen werden. Ich will zusammenfassend sagen: Wir haben im Saarland in den letzten Jahren bei der Krebsversorgung viel verbessert. Dennoch bleibt Krebs nach wie vor eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Herausforderungen für das Land, vor allem bleibt er aber ein individuelles Problem für viele Saarländerinnen und Saarländer. Wir arbeiten weiter an Verbesserungen in unserem Land, von denen die Saarländerinnen und Saarländer profitieren werden. Die Debatte ist in jedem Fall eine wichtige Gelegenheit, sich herzlich bei all denjenigen zu bedanken, die sich im Bereich der Forschung und Versorgung für krebskranke Menschen im Saarland und ihre Familien und Angehörigen einsetzen. Das will ich von dieser Stelle im Namen der Landesregierung ganz herzlich tun. - Danke für die konstruktive Debatte. (Beifall von der SPD.)

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