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Hermann-Josef Scharf

CDU 07.10.2025 Sitzungen 17/41

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben es schon vom Kollegen Florian Schäfer gehört: 500.000 Neuerkrankungen von Krebs haben wir in fast jedem Jahr. Dies ist eine Zahl und - ich bestätige das, was der Kollege gesagt hat - dahinter stecken Schicksale, Menschen, Familien, die von einem auf den anderen Tag in eine manchmal hoffnungslose Situation kom- (Abg. Scharf (CDU)) men. Ich denke mit meiner Fraktion heute an zwei ehemalige, wichtige, prägende Persönlichkeiten, an Peter Hans und Hans Ley, die wir allzu früh durch Krebs verloren haben. Trotzdem haben wir von ihrem Erbe sehr viel gelernt - auch das ist mir wichtig, heute zu betonen. Wir haben sie nicht gern gehen lassen, aber wir können heute viel an ihrem Wirken partizipieren, das bis in die letzten Tage ihres Lebens ging. Das ist etwas ganz Wichtiges. 1,5 Millionen Menschen werden pro Jahr behandelt. 8 Prozent aller Krankenhausbehandlungen haben mit Krebs zu tun. Mehr als die Hälfte der Patienten ist zwischen 60 und 79 Jahre alt. Ich betone nochmals: Das sind sehr viele Menschen, die allein sind und teilweise schon durch Pflegedienste behandelt werden. Ich will die Zahl heute noch mal nennen: 80 Prozent unserer 100.000 pflegebedürftigen Menschen, also 80.000 Menschen werden im Saarland von ihren Liebsten betreut. Gerade für diese an Krebs erkrankten Menschen sind diese paar Minuten, in denen eine Station ins Haus kommt, ganz wichtig. Mein Fraktionsvorsitzender hat es am Montag schon deutlich gesagt: Ja, wir sind für einen Umbau des Sozialstaates. Auch was Pflegegrad 1 angeht, soll man Diskussionen nicht ausschließen. Für einen Abbau sind wir aber nicht zu haben. Deswegen sage ich klar und deutlich, auch für die CDU Saar: Wir sind mit dem Abbau nicht einverstanden. Da müssen klügere Lösungen her. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Was sind die Krebsarten, die wir am meisten haben? 12 Prozent sind Lungen- und Bronchialkrebs, 10 Prozent Darmkrebs, 9 Prozent Brustkrebs, 8 Prozent Hautkrebs, je 7 Prozent Harnblasen- und Prostatakrebs. Wir haben eine Chance: Wir müssen uns diesem Thema stellen. Das ist kein parteipolitisches Thema - das hat mein Vorredner auch gesagt -, das ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, das wir im Mittelpunkt sehen müssen. Die Menschen, die an Krebs erkrankt sind, brauchen eine ehrliche Haltung. Manchmal ist man sprachlos, dann kann man einfach nicht. Aber auch wenn man sprachlos ist, sollte man sagen: Wir haben im Moment keine Worte. Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Krebs ist ein Thema, das uns alle betrifft. Deswegen müssen wir dafür kämpfen, dass wir das Thema im Mittelpunkt haben. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Ich will mit unseren aktuell 2.164 Haus- und Fachärzten im Saarland beginnen. Sie sind oft die erste Anlaufstation. Sie begleiten die Menschen und sprechen mit ihnen. Ich kenne noch sehr viele Hausärzte - ich will für sie eine Lanze brechen -, die Tag und Nacht für ihre Patienten da sind. Das muss man immer wieder sehen. Ich habe vor Kurzem einen lieben Freund an Krebs verloren. Er war gerade drei Wochen aus dem ärztlichen Dienst ausgeschieden, unser lieber Freund Hans-Wilhelm Deutscher, der dies in einer Art und Weise gelebt hat, vor der ich mich verneige und den Hut ziehe, der Tag und Nacht da war, in den Privatwohnungen, aber auch in den Behindertenheimen und Altenheimen in Eppelborn. Das sind die Ärzte, die wir brauchen. Deswegen will ich eine Lanze dafür brechen: Wir müssen dringend für mehr Ärzte im System sorgen. Ich will das dem Wissenschaftsminister heute klar und deutlich mit auf den Weg geben. Ich freue mich - das müssen wir viel mehr verstärken - über eine Zusammenarbeit zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz, auch was die Medizin angeht. Wir müssen Anstrengungen unternehmen, um am Campus in Homburg mehr Medizinstudenten zu haben. Auch das sage ich heute nicht, um Parteipolitik zu betreiben. Das schaffen wir nur gemeinsam. Deswegen: Lasst uns für mehr Medizinstudenten sorgen, andernfalls schaffen wir das nicht. Unsere Hausärzte haben aktuell ein Durchschnittsalter von 56 Jahren, knapp 100 Hausarztsitze im Saarland sind nicht besetzt. Hier steuern wir auf ein Dilemma zu, dem wir nur wirksam begegnen können, indem wir selbst dagegenhalten. Lasst uns hier gemeinsam nach intelligenten Lösungen suchen! Auch diesen Wunsch will ich heute in dieser Diskussion klar und deutlich äußern. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Ich kann auch nur noch einmal unterstreichen, welche Bedeutung unsere onkologischen Zentren haben. Ich bin ja mit Ulrich Commerçon und mit Thomas Jungen im Aufsichtsrat eines wichtigen Trägers, des CaritasKlinikums Saarbrücken. Wir sind sehr stolz und froh, ein onkologisches Zentrum zu sein, das zertifiziert ist, das in diesem Aufgabenkomplex wirklich nach den besten Regeln aufgestellt ist. Wir haben tolle Ärztinnen und Ärzte, tolle Pflegerinnen und Pfleger und sonstige Fachkräfte im System. Das gilt aber nicht nur für unser Haus auf dem Rastpfuhl, ich will auch ausdrücklich das UKS in Homburg nennen, ich will den Winterberg nennen, ich will aber auch, liebe Dagmar, das Caritas-Krankenhaus in Lebach nennen, das mit Dr. Thiel und mit Dr. Marianne Meier gut aufgestellt ist. Ohne die SHG-Kliniken in Völklingen könnte manches im Bereich der Prostatakrebs-Erkrankung nicht geleistet werden. Aber auch die Marienhaus-Gruppe mit Standorten in St. Wendel und in Saarlouis ist hier tätig, ebenso das Knappschaftsklinikum in Püttlingen und das Diakonie-Klinikum in Neunkirchen. Was von diesen Häusern geleistet wird, ist großartig. Daher sagen wir heute auch allen diesen Playern: Vielen Dank für eure segensreiche Arbeit! (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Angesprochen wurde die Vernetzung mit Mainz. Ich wünschte mir, dass man auch die Vernet- (Abg. Scharf (CDU)) zung zu Kaiserslautern noch etwas intensivieren würde, und auch Luxemburg und Frankreich sollten wir nicht vergessen. Die Medizin der Zukunft darf keine Grenzen kennen, auch keine Landesgrenzen, insoweit ist noch einiges zu tun. Wir sind gewiss auf keinem schlechten Weg, aber ich wünschte mir, dass wir das noch stärker angehen würden. Wir müssen einfach global denken und lokal handeln, um dem Krebs ein Stück weit die Stirn zeigen zu können. Das sind ganz wichtige Dinge, lasst uns gemeinsam daran arbeiten und dafür kämpfen. Weitere Player, die ich auch nennen will, sind die Saarländische Krebsgesellschaft und das Krebsregister. Unser Krebsregister - wir haben ja in der zurückliegenden Sitzung schon Änderungen dazu beschlossen - leistet eine außerordentlich positive Arbeit. Das ist einfach etwas Hervorragendes, das Saarland ist diesbezüglich wirklich mit am besten unterwegs. Deswegen will ich allen, die sich in diesem Segment engagieren, noch einmal ein herzliches Wort des Dankes sagen. Die Forschung muss weitergehen. Das Unternehmen BioNTech hat uns einen Impfstoff für Corona entwickelt, aber es gibt von diesem Unternehmen auch erfreuliche Nachrichten, was die Behandlung von Krebs mit mRNA-Systemen angeht. Aber auch das Max-Planck-Institut hierzulande mit Professor Müller an der Spitze ist mit verschiedenen Medikamenten sehr gut vorangekommen. Das sind Leuchttürme in diesem Land, die ganz wichtig sind. Wichtig zu erwähnen ist mir, dass wir viel auch selbst tun können. Prävention ist in diesem Zusammenhang ein Schlüsselwort. Im Antrag ist die Rede von 7.000 Schritten, besser wären 9.000 Schritte. Wir müssen uns einfach bewusst machen, dass wir selbst für unsere Gesundheit verantwortlich sind mit dem, was wir tun. Ich habe es angesprochen: Lungen- und Bronchialkrebs stehen an erster Stelle. Ich will hinsichtlich des Rauchens niemandem zu nahetreten, wir müssen das aber schon benennen. Rauchen verursacht einfach sehr viele Probleme. Ich will es heute einfach genannt haben: Es gibt Dinge, die wir selbst in der Hand haben, und an diesen Stellen müssen wir einiges tun. Auch die Kinderonkologen in Homburg wurden schon genannt, ich erwähne das McDonalds-Haus und den Kinderhospizdienst. Ich will ihnen allen sehr ausdrücklich danken. Durch unseren Kinderhospizdienst im Saarland werden 250 Kinder in ihren Familien zu Hause betreut. Wir wissen es ja, Martina, das betrifft auch viele Behinderte. Ich sage immer: Bei uns in den Einrichtungen wird gelebt und wird gestorben, und wir müssen uns diesem Themenkomplex stellen. Aber wenn Kinder gehen, dann geht, so sagen wir immer, ein Engel. Angesichts dessen, was die Menschen im Kinderhospizdienst tun, muss man sagen: Auch das sind Engel. Diesen Engeln sagen wir heute noch einmal: Vielen, vielen Dank! (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Es ist angesprochen worden: Die Krankenhausplanung bietet eine Chance, einiges zu tun. Ich will es jetzt so sagen: Ich glaube wirklich, unsere Krankenhausplanung ist nicht mehr zeitgemäß. Lieber Magnus, als ich mich gestern Abend inhaltlich auf den heutigen Tag vorbereitet habe, habe ich mich intensiv mit den Vorgängen in Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Nordrhein-Westfalen ist in diesem Segment mit am besten unterwegs. Ich kenne Karl-Josef Laumann, denn wir waren schon zusammen im Bundestag, und ich kenne ihn auch durch die CDA. Ich habe ihn vor Kurzem einmal gefragt, was er denn machen würde. Da hat er gesagt: Wenn du heute eine Bilanz willst, schau in den Bundesanzeiger, und dann kannst du sie dir ausdrucken. Und wenn du noch ein bisschen mehr willst, nimm ein paar Euro in die Hand, dann bekommst du von Creditreform alles. - Das heißt, alle Daten, die wir heute wollen, können wir bekommen. Ich sage das jetzt als Oppositionspolitiker: Wenn ich zur regierende Fraktion gehöre, habe ich es einfach. Dann gehe ich zu meinem Minister, und er kann mir dann vertraulich das eine oder andere sagen. Als Oppositionspolitiker hat man es da natürlich unheimlich schwer; es gibt manchmal keine Informationen. Ich sage das auch jetzt im Blick auf das, was bald auf uns zukommt: dass wir Neuwahlen haben werden. Ich sage, lasst uns das gemeinsam überlegen. Ich bin für eine Stärkung des Parlamentes und der Parlamentarier. Was aber die Krankenhausplanung angeht, sind Parlamentarier, gerade wenn sie in der Opposition sind, papierlose Tiger. Sie haben nämlich keinen Ansatzpunkt. Deswegen freuen wir uns, dass wir jetzt das Gutachten im Hause haben, auch den nichtöffentlichen Teil, den wir demnächst einsehen können. Vielleicht können wir dann die eine oder andere Anregung aufnehmen, um das System insgesamt zu verbessern. Darum geht es mir. Deswegen war es mir wichtig, das heute noch einmal anzusprechen - ohne damit etwas zu kritisieren, ohne jemanden ärgern zu wollen. Ich war lange genug in einer Regierungsfraktion, damals hat sich die Opposition geärgert, dass sie die Daten nicht hatte. Das zu erwähnen gehört, so glaube ich einfach, als ein Stück Ehrlichkeit und Redlichkeit mit dazu. Deswegen die Bitte: Lasst uns gemeinsam Überlegungen anstellen, darüber würde ich mich sehr freuen. 238.622 Menschen sind im Jahr 2023 an Krebs verstorben. Ohne unsere Palliativ- und Hospizmediziner, die wir in den vorhin genannten Kliniken haben, hätten diese Menschen ihre letzten Stunden nicht so gut aufgehoben verbringen können. Dafür vielen Dank! Ich will in die- (Abg. Scharf (CDU)) sem Zusammenhang nun noch einen wichtigen Punkt ansprechen: die Ethikkommissionen, die wir in den Krankenhäusern haben. Dazu will ich den Rastpfuhl im Besonderen als Beispiel herausgreifen: Das, was Dr. Waltraud Kraft mit ihrer Mannschaft hier macht, ist schon einzigartig. Wir müssen schlicht eine ethische Betrachtung vornehmen. Haben Menschen Patientenverfügungen und entscheiden sie, nicht mehr gequält werden zu wollen, müssen wir einfach auch das Loslassen üben. Ich will zum Schluss kommen: Krebs ist die Geißel der Menschheit. Wir schaffen es nur, den Krebs zu besiegen, wenn wir das als Gemeinschaftsaufgabe, als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen. Deswegen: Lasst uns zusammen diesen Kampf weiterführen! Ich bin da ganz bei euch. Wir werden dem Antrag zustimmen. Wir müssen uns diesem Thema mit der notwendigen Aufmerksamkeit zuwenden! - Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und bei der SPD.)

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