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Florian Schäfer

SPD 07.10.2025 Sitzungen 17/41

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Saarlanderinnen und Saarländer! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf in der Mitte unserer heutigen Debatte ganz herzlich Thomas Jungen, den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft katholischer Krankenhäuser Saarland, begrüßen. Es ist schön, dass Sie da sind. (Beifall von der SPD und der CDU.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, über 300 verschiedene Arten von Krebserkrankungen sind bekannt. Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten erkrankten über 500.000 Menschen im Jahr 2022 an Krebs. Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krankheit. Jährlich versterben etwa 230.000 Menschen und damit endet ihr Kampf. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin heute nicht hier, um Zahlen zu diskutieren. Ich bin hier, weil es um Menschen geht, Menschen, die an Krebs erkrankt sind, Menschen, die kämpfen, Menschen, die Angst haben, Menschen, denen Hoffnung fehlt. Wir sind hier, damit wir diese Menschen wissen lassen, dass wir sie nicht vergessen und für sie da sind. (Beifall von der SPD und der CDU.) Krebs, so sagen die Expertinnen und Experten, ist heute besser behandelbar als je zuvor. Es gibt moderne Medizin, gezielte Früherkennung und Forschung, die nie stillsteht. Aber - und hier darf kein Aber zu klein sein - was nützt all das, wenn die Betroffenen alleine bleiben, die Nachsorge brüchig und die Kostenangst größer als jede Hoffnung ist? - Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich brenne für dieses Thema, nicht nur aus dem Antrieb, weil es gesellschaftlich wichtig ist, es sich um die Volkskrankheit Nummer 2 handelt oder es mein Themengebiet als gesundheitspolitischer Sprecher ist und es bei allen natürlichen Herausforderungen, die sich uns entgegenstellen, mein Anspruch ist, Dinge in diesem Bereich zu verbessen, nein, hier vor Ihnen steht einer der Betroffenen, die man oft vergisst, die ab der Diagnose zu Kollateral-Betroffenen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich war 15 Jahre alt, als meine Mutter nach ihrem Kampf loslassen musste. Sie hatte Ende der Achtzigerjahre eine andere Welt der Bestrahlungstherapie beziehungsweise eine andere Therapie der Brustkrebserkrankung erlebt. Daraufhin hat sie leider aufgegeben, die Krankheit kehrte zurück und ich durfte in jungen Jahren erleben, wie die Brutalität dieser Erkrankung aussieht und wo das Ende hingeht. Die Bilder von Tumoren, die nach außen wachsen und dann auftreten, vergisst man nie in seinem Leben. Ich war froh, als meine Kolleginnen und Kollegen gesagt haben, dass wir uns in der sitzungsfreien Zeit auf den Weg machen und mit den verschiedenen Playern im Land sprechen, die im Bereich der Versorgung gerade im Hinblick auf die Zukunft der Krankenhausreform unterwegs sind. Wir gingen aber auch auf die wichtigen Selbsthilfegruppen im Saarland und die Saarländische Krebsgesellschaft zu und tauschten uns am runden Tisch aus, was zu verbessern ist und welche Perspektiven es gibt, die sich als wichtig für die Betroffenen darstellen und die wir in unserem Antrag umsetzen möchten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Ich bin im Namen meiner Fraktion dankbar für diesen offenen und transparenten, manchmal kritischen, aber sehr wichtigen und sachlichen Dialog, den wir im Rahmen dieser Gespräche geführt haben. Einer von vielen Eindrücken beziehungsweise eine von vielen Forderungen und möglichen Verbesserungen ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist egal, welchen Bezug wir dazu haben und welcher Partei wir angehören, es gilt nicht mehr: „Wir müssten mal machen“, sondern es gilt, Entscheidungen zu treffen und Entsprechendes zu tun. Ich danke Herrn Dr. Braun vom Winterberg-Klinikum, denn es war eine sehr ambitionierte Diskussion. Er hat deutlich zur Kenntnis gegeben, dass es gerade in diesem wichtigen Versorgungsbereich Zeit ist, Dinge umzusetzen. (Beifall von der SPD.) Das Saarland leistet schon viel. Seit 1967 sind wir mit unserem Krebsregister Vorreiter-Bundesland. Es ist damit eines der ältesten in Deutschland. Es sind Daten, die nicht irgendwo verschwinden, sondern jeden Tag helfen, besser zu verstehen, bessere Therapien zu entwickeln und Qualität zu sichern. Es handelt sich um ein Register mit hoher Datenqualität. Es ist keine Kleinigkeit, sondern Vorarbeit, ohne die Forschung und Versorgung heute blind wären. Ich sage allerdings klipp und klar, dass wir es versäumt haben, ein Comprehensive Cancer Center aufzubauen, ein Zentrum, das Forschung, Therapie, Prävention und Nachsorge in sich vereint, statt verstreute Bruchstücke zu haben. Wenn man die Diagnose beschleunigt, Wege verkürzt, Experten aller Disziplinen unter einem Dach zusammenbringt, dann profitieren Patientinnen und Patienten. Dann zählt nicht nur, welches Geld, sondern welches Können und welcher Weg den Menschen zurück ins Leben führt. In Rheinland-Pfalz und im Saarland arbeitet man am Konsortium Mainz-Homburg. Das ist gut, sogar sehr gut, liebe Kolleginnen und Kollegen. Es ist höchste Zeit, dass wir international sichtbare Expertise schaffen, nicht nur Versorgung, sondern Innovation, dass wir nicht nur reden, sondern etwas tun. Aber wir dürfen auf diesem Weg nicht vergessen, welch vielfältige und zertifizierte Zentren das Saarland schon (Abg. Schäfer (SPD)) heute hat. Mit dem Winterberg als Maximalversorger, dem CaritasKlinikum mit bald sieben Krebskompetenzzentren, dem Brustzentrum des DRK-Krankenhauses in Saarlouis und weiteren Playern haben wir im Saarland eine herausragende Dichte an Kompetenzzentren, die über die Grenzen des Saarlandes hinaus Bekanntheit und Ansehen genießen. Wir haben im Saarland die Expertinnen und Experten in diesem Bereich. Das sollten wir alle wahrnehmen und dafür sorgen, dass diese zertifizierten Zentren weiter ein Grundstein der saarländischen Gesundheitsversorgung bleiben und die Grundidee der eigentlichen Krankenhausreform widerspiegeln, nämlich die Spezialisierung der einzelnen Gruppen. Das eine ist der medizinische Ansatz, das andere Wichtige und die vielleicht noch größere Aufgabe, der sich auch viele Ehrenamtler annehmen, ist die psychische Betreuung. Es ist eine enorme Aufgabe, die ab dem ersten Tag einer Diagnose einen der wichtigsten Punkte in der Betreuung darstellt. Ob durch Ärztinnen und Ärzte oder Pflegerinnen und Pfleger, eine noch intensivere Vernetzung mit der Saarländischen Krebsgesellschaft und den Selbsthilfegruppen im Saarland ist unabdingbar ebenso die Transparenz mit der Diagnose und am besten schon davor zu wissen, wo Hilfe möglich ist und wer an der Seite der Betroffenen steht. Wir haben beispielhafte Projekte der Krebsgesellschaft wie Zurück ins Leben, Regenbogen, SunPass, Onkolotsen, Selbsthilfegruppen und Mammobil. Sie alle sind keine Beiwerke, liebe Kolleginnen und Kollegen, sie sind Herzstücke der sozialen Verantwortung. Wenn eine Familie nicht weiß, wie es weitergeht, wenn ein Kind den Vater oder die Mutter verliert, wenn jemand Angst vor dem nächsten Schritt hat, dann sind es diese Angebote, die stützen, verbinden und helfen. (Beifall von der SPD.) Doch all das muss systemisch werden. Versprechen müssen eingelöst werden. Wenn jemand eine schwere Behandlung braucht, darf die Entfernung kein Hindernis sein. Fahrtkosten und Organisation dürfen nicht zulasten der Patientinnen und Patienten gehen. Wenn eine Frau zur Mammografie muss, muss sie fühlen, dass das Angebot respektvoll, diskret und verlässlich ist - unabhängig davon, wo sie wohnt. Wenn ein Patient oder eine Patientin aus dem Krankenhaus entlassen wird, muss klar sein: Wer kümmert sich, wie geht es weiter, welche Hilfe gibt es psychisch, sozial oder fachlich? Der Staat schuldet das, es ist keine Gunst, sondern Pflicht und Ausdruck dessen, was Solidarität heißt. Es reicht nicht, stolz zu sein auf das, was wir schon haben. Wer Stolz ohne Demut übt, ruht sich aus. Wer sich ausruht, verliert den nächsten Schritt. Wir müssen weitergehen. Wir müssen gestalten. Wir müssen Realität werden lassen, was wir fordern. Deshalb fordern wir ein vollständiges CCC im Saarland verbunden mit Mainz, damit Forschung und Versorgung Hand in Hand gehen, bessere Vernetzung aller psychosozialen Angebote, damit niemand durchs Raster fällt, unbürokratische Hilfe, wenn Menschen in existenzielle Not geraten, denn oft sind mit der Krankheit eine finanzielle Katastrophe und ein Warten auf dauerhafte Versorgung verbunden, Stärkung des Entlassungsmanagements, Nachsorge, Rehabilitation - und das Ganze als Pflicht, denn verlässliche Unterstützung bei Anfahrtswegen, bei Fahrtkosten, wenn Wohnortnähe nicht mehr möglich ist, ist kein Luxus. Wir haben das Wissen, wir haben die Werkzeuge. Lassen Sie uns den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen, Grenzen zu überschreiten und zusammenzuwirken. Wenn wir heute beschließen, mehr als ein System zu sein, dann meinen wir ein System mit Herz, Verstand und Rückgrat, ein System, das nicht nur zur Gesundung beiträgt, sondern auch die Gebrochenen aufrichtet. Ich darf mich an dieser Stelle ganz recht herzlich bei den Menschen bedanken, die unsere Erkrankten im Hospiz betreuen. Ich darf an unseren Monat mit der rosa Schleife für die Brustkrebserkrankung erinnern, um ein Symbol zu setzen, und vor allem an einen Menschen, Prof. Dr. Marc Remke, der mich in Homburg erstaunen ließ, was er dort mit seinem Team im Bereich der Kinderkrebserkrankungen leistet, und die Elterninitiative krebskranker Kinder. Das sind herausragende Leistungen von Menschen, die das aus einem inneren Antrieb machen und vor denen ich mich nur verneigen kann. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Ich schließe mit den Worten: Wir dürfen niemals zulassen, dass Menschen leiden, weil sie nicht gehört, nicht begleitet, nicht gesehen werden. Das Saarland kann und muss es für alle Betroffenen besser machen. Darauf sollten wir uns einigen und danach sollten wir handeln. - Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD und bei der CDU.)

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