Réka Klein
Frau Präsidentin! Liebe Kolleg*innen! Liebe Saarländer*innen! Herzlich willkommen Dirk Mathis von PuGiS. Es ist wichtig, dass auch die Akteur*innen der Debatte im Landtag folgen. Schön, dass Sie da sind. Herzlich willkommen! (Beifall von der SPD und der CDU.) (Abg. Klein (SPD)) Liebe Kolleg*innen, Kindergesundheit ist kein Nebenschauplatz, kein Spezialthema, das man ab und zu hervorholt. Sie ist die Grundlage, auf der Bildung, Teilhabe und eine selbstbestimmte Zukunft überhaupt erst möglich werden. Wenn ein Kind krank ist und krank aufwächst - körperlich, seelisch, sozial ‑ , dann ist das kein Einzelschicksal. Dann verliert nämlich unsere gesamte Gesellschaft. Deshalb sage ich gleich zu Beginn, ich freue mich sehr, dass die CDU dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Denn wenn es um Gesundheit geht und vor allem um Gesundheit von Kindern, dann sollte man Parteipolitik hintanstellen. In einem idealen Szenario hätten wir heute auch einen gemeinsamen Antrag eingebracht mit breiter Mehrheit, getragen von allen Fraktionen - vielleicht von allen. Aber ich bedauere sehr, dass das so nicht gelungen ist. Ich will mit einer persönlichen Begegnung beginnen. Eine Lehrerin aus St. Wendel erzählte mir kürzlich von einem Drittklässler, der morgens oft ohne Frühstück zur Schule kommt. Er ist klug, neugierig, aber er nickt im Unterricht immer wieder weg, nicht, weil er kein Interesse hat, sondern weil er anscheinend hungrig und müde ist. Das betrifft Kindergesundheit oder besser gesagt, das Fehlen von Kindergesundheit. Das zeigt, wir reden hier nicht von theoretischen Konzepten, sondern wir reden hier von dem täglichen Leben von Kindern. Warum wir den Antrag der CDU in diesem Fall nicht mittragen? Wir hätten gerne zugestimmt, aber drei zentrale Punkte haben uns daran gehindert. Erstens. Sie machen den sogenannten Pakt für Kindergesundheit zum Aufhänger. In Ihrem Antrag liest es sich so, als handele es sich hier um einen offenen Bund-Länder-Pakt, was so nicht stimmt, Herr Theobald. In Wahrheit war das eine Initiative der Bild-Zeitung. Ich sage es ohne jede Häme. Aber die Gesundheit unserer Kinder ist uns wirklich zu wichtig, um sie an eine einfache, organisatorisch undifferenzierte mediale PR-Kulisse zu knüpfen. (Beifall von der SPD.) Zweitens. Ihr Antrag legt nahe, dass das Saarland zu wenig Medizinstudierende ausbildet. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Laut der aktuellen CHE-Studie, veröffentlicht in der Saarbrücker Zeitung am 21.08.2025, bietet die Universität des Saarlandes mit 29 Medizinstudierenden pro 100.000 Einwohner das beste Verhältnis in ganz Deutschland. Rheinland-Pfalz hat nicht einmal die Hälfte. Das Problem liegt also nicht im Saarland, sondern in der ungleichen Lastenverteilung zwischen den Bundesländern. Drittens. Viele Ihrer Forderungen bleiben leider unklar, Herr Theobald. Es bleibt unklar, wer sie eigentlich umsetzen soll. Manche Punkte sind eindeutig Bundesaufgabe, andere sind Landesaufgaben, wieder andere liegen in der Selbstverwaltung der Ärzteschaft. Uns war es wichtig, dass die Zuständigkeiten sauber auseinanderzuhalten sind. Denn damit schaffen wir Verbindlichkeiten. Das wollen wir doch bei diesem wichtigen Thema. Deshalb bringen wir heute unseren eigenen Antrag „Kindergesundheit ganzheitlich betrachten und stärken“ ein. Ich hätte gerne mit Ihnen darüber diskutiert. Ich wäre gerne mit Ihnen in den Austausch gegangen, denn ich denke nicht, dass wir hier von unüberbrückbaren Differenzen zwischen uns reden. Wir haben in unserem Antrag bewusst die SPD-Handschrift eingebracht und gleichzeitig viele Ihrer Punkte aufgenommen, weil wir dieselben Ziele teilen, Herr Theobald. Bereits mit unserem Antrag im August-Plenum haben wir gezeigt, dass uns Prävention und damit auch Kindergesundheit ein zentrales Anliegen ist. Wir setzen auf einen ganzheitlichen Ansatz. Das ist mir auch als Ergotherapeutin sehr wichtig. Körperliche, seelische und soziale Gesundheit gehören zusammen. Ein gesundes Aufwachsen heißt nämlich auch, bezahlbare Mahlzeiten in der Schule, sichere Spielplätze, Medienkompetenz und Resilienz. Wir verankern Prävention verbindlich. Bewegung, Ernährung, mentale Stärken müssen in Kita und Schule selbstverständlich sein und keine Projektarbeit. Wir sichern die medizinische und psychotherapeutische Versorgung mit klaren Forderungen an den Bund und an das Land. Wir benennen, wer wofür zuständig ist. Wir nehmen die psychische Gesundheit endlich ins Zentrum. Ich nenne hier die GUCK-hin-Studie der Universität des Saarlandes. Sie zeigt, wie sehr Kinder unter Corona gelitten haben. Sie haben auch unter Klimasorgen, den Kriegsängsten, wirklich unter einer großen Belastung gelitten. Darauf brauchen die Schulen und Familien niedrigschwellige Antworten. Wir bauen auf das auf, was wir schon erreicht haben. Das muss ich auch nennen. Denn mit dem Kinderschutzgesetz haben wir ein Kompetenzzentrum geschaffen und den ersten Kinderschutzbeauftragten eingesetzt. Mit dem Junge-Menschen-Beteiligungsgesetz haben wir junge Menschen verbindlich in Entscheidungsprozesse einbezogen, auch bei Gesundheitsthemen. Wie ich sehe, ist Ihnen das auch wichtig. Mit „Das Saarland lebt gesund“ haben wir Prävention in die Fläche gebracht, in Kitas, Schulen, Vereine und Kommunen. Das ist kein Neuanfang, sondern konsequente Weiterentwicklung. Dafür sind wir offen. Wir machen sie aktiv. Liebe Kolleg*innen! Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass wir heute gemeinsam einen Antrag verabschieden. Denn Kindergesundheit darf nicht zum Spielfeld parteipolitischer Unterschiede werden. Aber dort, wo wir uns nicht auf eine gemeinsame inhaltlich korrekte Fassung einigen (Abg. Klein (SPD)) konnten, legen wir eben einen eigenen Antrag vor. Am Ende eint uns mehr - das betone ich -, als uns trennt. Wir alle wollen, dass Kinder im Saarland gesund aufwachsen. Der Unterschied ist, dass wir auf Fakten setzen, auf Verbindlichkeiten, auf eine klare Zuständigkeitsordnung. Damit erreichen wir, dass sich zuständig fühlt, wer auch zuständig ist, und die Sachen auch angepackt werden. Wir erreichen damit, dass es nicht noch mehr Politikverdrossenheit gibt, weil keiner mehr so richtig weiß, wer eigentlich zuständig ist. Ein Sprichwort sagt, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Ich füge hinzu, im Saarland haben wir dieses Dorf: Eltern, Lehrkräfte, Ärzte, Vereine, Kommunen. Unsere Aufgabe ist es, dieses Dorf starkzumachen und diesem Dorf auch weiterhin das richtige Werkzeug an die Hand zu geben. Darum lade ich Sie ein, stimmen Sie unserem Antrag zu und lehnen Sie Ihren eigenen Antrag ab, nicht, weil wir das Thema nicht teilen, sondern weil wir die Verantwortung tragen, dass Beschlüsse wirken und nicht nur Schlagzeilen erzeugt werden. Auch eine späte Erkenntnis kann eine Erkenntnis sein. - Von daher vielen Dank. (Beifall von der SPD - Zurufe von der CDU.)
