Alwin Theobald
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Stellen wir uns eine ganz alltägliche Szene vor, nachmittags auf dem Pausenhof einer saarländischen Schule, vielleicht in Eppelborn, Illingen oder Lebach, vielleicht in Neunkirchen, Völklingen oder Saarbrücken. Einige Kinder rennen, lachen und spielen, andere sitzen in einer Ecke, das Smartphone fest in der Hand. Manche scrollen jede freie Minute durch Social Media, andere ziehen heimlich an der E-Zigarette, am sogenannten Vape. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, steht sinnbildlich für eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung und seelischen Belastungen. Zugleich nehmen neue Suchtformen wie Vapen und ex- (Abg. Theobald (CDU)) zessive Social-Media-Nutzung rasant zu. Wer sich mit Lehrerinnen und Lehrern, auch mit Kindern an den weiterführenden Schulen - selbst in den unteren Klassen -, unterhält, stellt fest: Die Vapes sind heute dort tatsächlich mittlerweile angekommen und an der Tagesordnung. Die Zahlen des DAK Kinder- und Jugendreports sprechen eine klare Sprache. Seit 2019 sind Depressionen um 24 Prozent, Angststörungen um 44 Prozent und Essstörungen um 51 Prozent gestiegen. Und auch wenn die Kurve 2022 leicht zurückging, liegen die Werte weiter deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. Das ist alarmierend und es zeigt, wir müssen handeln. Darum legen wir heute unseren Antrag „Kindergesundheit stärken - Prävention, Versorgung und Beteiligung im Saarland zukunftssicher gestalten“ vor. Er greift den bundesweiten Pakt für Kindergesundheit auf und setzt zusätzlich und ganz bewusst eigene saarländische Schwerpunkte. Unser Ziel als CDU ist klar: Jedes Kind im Saarland soll gesund aufwachsen können, unabhängig von Herkunft, Wohnort oder familiären Voraussetzungen. Kindergesundheit beginnt nicht erst im Behandlungszimmer beim Kinderarzt, sondern in der Kita, in der Schule, in der Familie und im Verein. Wir wollen Prävention noch mehr, noch stärker und noch selbstverständlicher wieder dort verankern, wo Kinder und Jugendliche jeden Tag sind. Es geht uns um Bewegung und Ernährung, denn Bewegungsmangel ist eines der größten Gesundheitsrisiken. Wir brauchen mehr sichere Radwege, moderne Spielplätze, Sport- und Aufenthaltsflächen. Gesunde, aber auch ausgewogene Ernährung darf kein Luxus sein, sondern muss selbstverständlich in Kitas und Schulen verankert werden. Es geht uns um frühe Hilfen und Familienzentren, denn Eltern brauchen Unterstützung, gerade in belastenden Lebenslagen. Wir wollen Hebammenversorgung, Elternkurse und Netzwerke ausbauen. Und es geht uns auch, liebe Kolleginnen und Kollegen, um psychische Widerstandskraft. Kinder sollen früh lernen, mit Stress und Krisen umzugehen. Wir brauchen altersgerechte Programme für Resilienz, zum Beispiel in Projekttagen und festen Unterrichtslinien. Ein besonders dynamisches Problem, ich habe es vorhin bereits angesprochen, ist tatsächlich das Vapen. E-Zigaretten sehen harmlos aus, schmecken nach Cola oder Erdbeere. Sie enthalten aber hochdosiertes Nikotin und chemische Substanzen, die süchtig machen und die Lunge nachhaltig und irreparabel schädigen können. Immer mehr Jugendliche probieren Vapes, oft schon mit 12 oder 13 Jahren. Wir brauchen deshalb klare und jugendgerechte Präventionskampagnen, konsequente Kontrollen der Verkaufsverbote und frühzeitige Aufklärung in Schulen und Vereinen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ebenso besorgniserregend ist der Blick auf die digitale Welt unserer Kinder. Nach der DAK-Studie „Mediensucht 2024“ verbringen 10- bis 17 Jährige werktags durchschnittlich 157 Minu-‑ ten auf Social Media und am Wochenende fast 4 Stunden. Über 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland zeigen riskante Nutzungsmuster, rund 6 Prozent gelten sogar als pathologisch abhängig. Die Folgen sind gravierend: mehr Schlafstörungen, weniger Bewegung, höheres Risiko von Depressionen und Angststörungen. Unser Antrag fordert deshalb Medienkompetenz als Pflichtbaustein ab der Grundschule, niedrigschwellige Beratungsangebote für Eltern und Kinder und klare Leitlinien für den Umgang mit Smartphones und Social Media an Schulen. Es geht uns überhaupt nicht darum, Digitalisierung zu verteufeln. Sie ist Teil des Lebens unserer Kinder. Aber wir müssen diese dazu befähigen, gesund und selbstbestimmt damit umzugehen. Prävention ist zentral, doch wir brauchen auch eine starke Versorgung für den Krankheitsfall, denn immer öfter berichten Eltern von monatelangen Wartezeiten, sei es für einen Termin beim Kinderarzt oder in der Kinder- und Jugendpsychotherapie. Wir wollen deshalb Kinder- und Jugendmedizin als Hausarztversorgung der jungen Menschen verbindlich in der Bedarfsplanung verankern, mehr Studienplätze für Humanmedizin an der Universität des Saarlandes schaffen und die Weiterbildung in der Pädiatrie finanziell fördern. Die Ausbildungskapazitäten für Kinder- und Jugendpsychotherapie sind auszuweiten, um Wartezeiten deutlich zu verkürzen. Nur so können wir den drohenden Fachkräftemangel stoppen und die Versorgungssicherheit insgesamt langfristig gewährleisten. Kindergesundheit kann nur funktionieren, wenn alle Akteure zusammenarbeiten: Gesundheitswesen, Kinder- und Jugendhilfe, Schulen, Kommunen und Vereine. Wir wollen, dass diese Bereiche sich systematisch vernetzen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass Kinder und Jugendliche stärker beteiligt werden. Sie sollen in Kinder- und Jugendbeiräten oder schulischen Gesundheitskonferenzen mitreden können, wenn es um ihre Gesundheit geht. Das stärkt nicht nur Eigenverantwortung, sondern macht Politik für junge Menschen auch glaubwürdiger. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt heute noch einen zweiten Antrag zu diesem Thema, einen Antrag der SPD, der entstanden ist, weil wir als CDU nicht bereit waren und auch nicht bereit sind, unseren Antrag durch massive Änderungen und Streichungen verwässern zu lassen, weil wir nicht bereit sind, hinter dem zurückzubleiben, was der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die DAK, die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendme- (Abg. Theobald (CDU)) dizin, die Bundeszahnärztekammer, die Stiftung Kindergesundheit, die Deutsche Kinderhilfe, das Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V., die Bundesärztekammer, die Deutsche Diabetes Föderation e. V., der BKK Landesverband Bayern, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V., die Bayerische Landesärztekammer und auch der Bayerische Landtag allesamt und unisono im Pakt für Kindergesundheit fordern. Wir sind als CDU nicht bereit, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren, die Gesundheit, die Chancen und Möglichkeiten und letztlich die Zukunft unserer Kinder. Unser Antrag ist kein Papier für die Schublade, sondern ein Versprechen an die Kinder und an die Familien im Saarland. Ich bin mir sicher, dass wir als CDU die Gelegenheit erhalten werden, diese Versprechen auch einzulösen. Wir werden dann in Prävention investieren, weil die wirksamste und kostengünstigste Gesundheitsvorsorge einfach die Prävention ist. (Beifall von der CDU.) Wir werden die medizinische und psychotherapeutische Versorgung stärken, damit Hilfe nicht an langen Wartezeiten scheitert. Wir werden Kinder vor neuen Gefahren wie exzessiver Social-Media-Nutzung und den psychischen Folgen der digitalen Dauerpräsenz schützen, wenn Sie, liebe SPD, es nicht tun. Kindergesundheit ist keine Randnotiz, sondern eine Investition in die Zukunft unseres Landes. Wer heute in gesunde Kinder investiert, verhindert Krankheiten von morgen, stärkt Familien und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem. Ich lade Sie ein, gemeinsam mit uns diesen Weg zu gehen. Ich lade Sie ein, dem Antrag zuzustimmen. (Abg. Maaß (SPD) signalisiert, dass er eine Zwischenfrage stellen will.) Ich komme gleich zum Ende und möchte das im Zusammenhang vortragen. Ich lade Sie ein, mit uns diesen Weg zu gehen. Ich lade Sie ein, einem Antrag zuzustimmen, mit dem wir gemeinsam Maßstäbe auch im Saarland setzen können. Vergleichen Sie die beiden Anträge und stimmen Sie uns zu, wenn wir sagen, jedes Kind soll die besten Chancen haben, denn jedes Kind im Saarland hat das Recht auf ein gesundes, auf ein starkes und auf ein selbstbestimmtes Leben. - Vielen Dank. (Beifall von der CDU.)
