Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Frau Schmitt-Lang hat sehr viel Richtiges gesagt. Es ist auch missverständlich, was wir geschrieben haben, oder man kann es missverstehen, dass eine Prüfung nach der vierten Klasse stattfindet und nachher das Ganze anonymisiert weitergegeben wird. In Wirklichkeit, das haben Sie auch selbst gesagt, Frau Schmitt-Lang, hängt es gar nicht an der Diagnose. Ich wage zu behaupten, ich kann in einer halben Stunde feststellen, ob ein Kind lesen kann, wie gut es lesen kann, ob Sinnentnahme vorhanden ist und so weiter und so fort. Das ist also nicht die Frage, das wird man in der weiterführenden Schule schon feststellen. Es geht um den Datenschutz beziehungsweise darum, dass man ein bisschen darauf achten muss und so weiter. Es ist ein Druckmittel für die Schule, die das Kind von der ersten bis zur vierten Klasse besucht. Dort weiß man dann, dass das Kind geprüft und die Leistung der Lehrer festgestellt wird. Das ist damit gemeint. Dazu sage ich etwas. Das, was Sie hier aufgeführt haben, was man braucht, was wichtig ist und so weiter, das ist auch alles wichtig und das braucht man auch alles, aber selbst dann, wenn man es nicht hat, muss es möglich sein, dass jedem Kind das Lesen beigebracht wird, und zwar in kürzester Zeit. Ich sage Ihnen etwas, was Ihnen wieder nicht gefallen wird. Es geht um meine eigene Erfahrung als Schulleiter einer Förderschule Lernen. Bei mir hat kein Kind die Schule verlassen, ohne lesen und schreiben zu können - kein einziges Kind. Es waren auch Kinder mit Down-Syndrom dabei. Das ist nicht abwertend gemeint. Auch sie haben bei mir das Lesen gelernt. Die Lesefähigkeit ist im Grunde genommen nur die optische Variante des Hörverstehens. Ein Kind, das die Sprache versteht, wenn man mit ihm redet, kann im Alter von zwei oder drei Jahren schon lesen lernen, da es die geistige Fähigkeit dazu hat. Es geht über die Optik. Es ist keine Theorie, ich habe das über Jahrzehnte praktiziert. Dazu gehört natürlich noch sehr viel mehr, als dem Kind nur das Lesen beizubringen. Man muss das Kind beispielsweise auch in der Bücherei anmelden oder mit dem Kind oder der Klasse in die Bücherei gehen und zeigen, wie Entsprechendes geht. Es muss eine Schulbibliothek beziehungsweise eine Klassenbibliothek her. Die Kinder müssen Lesehausaufgaben bekommen und auch der Lehrer muss sich die Mühe machen, all diese Bücher zu lesen, und das Kind dann fragen, was es beispielsweise am Vortag gelesen hat. Wenn das Kind anfangen will, zu mogeln, muss man die richtigen Fragen stellen können. Aus diesem Grund muss man es als Lehrer selbst gelesen haben. Das heißt, man muss sich bemühen. Wenn wir das hier als Gesetz beantragen, heißt das, dass es offiziell wird. Dann kann man mehr Nachdruck geben. Die Aufgabe der Schulaufsicht ist, das zu überprüfen. Es genügt nicht, wenn man Appelle an die Schulen richtet. Es muss wirklich geprüft werden. Die Schulaufsichtsbeamten müssen in die Schulen gehen und sich (Abg. Dörr (AfD)) von einer Klasse vorlesen lassen, um festzustellen, wie das Ergebnis ist. Wenn es in dem Gesetz den einen oder anderen Mangel in der Formulierung gibt, dürfte das bei der Dringlichkeit und Wichtigkeit des Themas kein Problem sein, denn dafür haben wir eine Zweite Lesung. Es ist immer schön, wenn man hört, was alles gemacht wird, aber all die Maßnahmen, die von Frau Harenz aufgeführt worden sind, müssen am Ergebnis gemessen werden. Es nutzt nichts, wenn ich als Fußballmannschaft toll gespielt und zuvor viel trainiert habe, aber am Schluss 4 : 1 verloren habe. Dann habe ich verloren. Wenn ich alles falsch gemacht, aber 3 : 0 gewonnen habe, gibt mir das, was ich gemacht habe, recht. Das gilt auch für unsere Kinder in der Schule. Wenn sie nachher lesen können, hat die Schule es richtig gemacht. Wenn sie nicht lesen können, hat die Schule etwas falsch gemacht. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
