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Friedrich Josef Dörr

AfD 17.09.2025 Sitzungen 17/40

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Wir kommen jetzt zu einem sehr praktischen Tagesordnungspunkt, nämlich zu einem Tagesordnungspunkt, der uns persönlich wahrscheinlich nicht berührt. Ich glaube, dass alle Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Zuhörer und Zuschauer lesen und schreiben können. Aber schon bei den Zuhörenden oder zuschauenden Saarländerinnen und Saarländern bin ich mir nicht sicher, ob das auch so ist. Denn wenn ich von verschiedenen Seiten Zahlen von 20 Prozent Analphabeten höre, die man zum Teil mit Vorsicht genießen muss, ist das bestürzend. Das ist ganz schlimm. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Zug durch China nach Peking. Sie wissen unterwegs nicht, an welcher Station Sie sind, denn Sie können nicht lesen. Sie können keine Warnschilder lesen. Das sind nur Beispiele, aber im täglichen Ablauf ist das Lesen eine feste Größe. Selbst wenn die Leute ein Handy haben, wird damit geschrieben. Im Fernsehen gibt es neuerdings Untertitel, wenn gesprochen wird. Wenn jemand gehörlos ist, hat er die Untertitel. Aber wenn er sie nicht lesen kann, was ist dann? Ich kenne einige Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Ich kenne auch das Schicksal dieser Menschen. Ich weiß, mit welchen Methoden sie sich durch den Alltag retten: Wenn sie etwas unterschreiben sollen, haben sie die Brille vergessen und viele andere Dinge. Das ist eine wirklich schwierige Situation. Wieso kommen solche Situationen zustande? - Das frage ich mich und das frage ich uns. Den Erfolg der Schule muss man am Ergebnis messen. Er ist nirgends leichter zu messen als bei dem Umstand, ob jemand lesen kann oder nicht lesen kann. Natürlich ist das kei- (Abg. Dörr (AfD)) ne Schwarz-Weiß-Lage. Es gibt nicht nur Leute, die hervorragend lesen können, und solche, die überhaupt nicht lesen können. Es gibt auch funktionale Nichtleser, die es in der Schule lernen, aber dann länger keine Gelegenheit haben zu lesen und es so verlernen. Insgesamt hat die Schule unserer Ansicht nach neben der Bildung und Erziehung auch die Aufgabe, den Kindern Fertigkeiten zu geben, die sie für ihr Leben brauchen. Eine der wichtigsten Fertigkeiten ist die, lesen zu können. Deshalb haben wir diesen Antrag gestellt. Natürlich ist in jedem Lehrplan das Lesenlernen drin, aber anscheinend wird es im Ernstfall entweder nicht ernst genug genommen oder die Umstände sind so, dass die Aufgabe nicht hundertprozentig erfüllt werden kann. Wir haben im Augenblick zwei Fronten, die mir gerade einfallen. Wahrscheinlich gibt es noch mehr Dinge, die man anführen könnte. Wir haben die saarländischen Kinder, die zur Schule gehen und bei denen man es nicht schafft, dass sie in der ersten Klasse lesen lernen, wo das eigentlich angesagt ist, und es auch in der zweiten Klasse nicht schaffen. Wir haben zweitens Kinder, und da kommt die große Politik wieder dazu, die aus anderen Kulturkreisen kommen. Abgesehen davon, dass sie unsere Sprache am Anfang nicht verstehen und können, bringen sie nicht die Fertigkeit mit, in ihrer eigenen Sprache lesen zu können. Wir bedauern und beklagen schon immer, dass es in Teilen der Welt zum Teil sehr hohe Zahlen von Analphabeten gibt. Unsere Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen sind also mit dem Problem konfrontiert, dass sie verschiedene Problematiken vor sich sehen, weshalb die Kinder nicht lesen können. Ich gehe einmal von mir aus. Früher war es so: Ich habe mit vier Jahren gelesen. Bei mir zu Hause war die Umgebung so: Der Opa war im Ruhestand, die Oma war nie berufstätig. Sie war Hausfrau. Meine Mutter war auch Hausfrau. Es gab viel Anreiz und ich konnte Fragen stellen. Da war das kein Problem. Heute, wo die Gesellschaft anstrebt, dass Mann und Frau arbeiten und das Kind praktisch auf die Schule angewiesen ist, um solche Fertigkeiten zu lernen, hat die Schule eine besondere Verantwortung. Deshalb denken wir, wenn etwas in einem Gesetz festgeschrieben werden sollte, wäre es diese wichtige Kulturfähigkeit, nämlich das Lesen und das Schreiben. Das ist unser Antrag und wir bitten um Zustimmung. (Beifall von der AfD.)

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