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Damhat Sisamci

SPD 27.08.2025 Sitzungen 17/39

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich habe die Debatte jetzt über 25 Minuten verfolgt. Ich war auch sehr aufmerksam. Ich möchte zu Protokoll geben, weil meine Mutter den Livestream kuckt, ich habe beim Gähnen die Hand vor den Mund gehalten. Falls ich Ärger bekomme, leite ich ihn an dich weiter. (Sprechen bei der SPD.) Ich habe aufmerksam zugehört und habe 25 Minuten lang gehört, wie von der CDU im Wesentlichen nur über das Thema Schule gesprochen wurde. Es ist auch absolut wichtig, dass man bei dem Thema Prävention über Schule redet. Ich verstehe aber nicht, warum man den Blick nur auf das Thema einengt. Man könnte fast das Gefühl haben, dass die Schule die Ursache für Gewalt ist. Aber Gewalt gab es schon immer. Das ist kein neues Phänomen in der Schule und ehrlicherweise entsteht Gewalt auch nicht im Klassenraum. Sie entsteht in Familien, auf der Straße, im Netz und landet dann in der Schule. Deshalb greifen die Punkte, die du angesprochen hast, leider zu kurz. Ihr kommt mit Statistiken und alten Konzepten. Ihr glaubt, man könnte Gewalt mit Formularen wegverwalten. Aber so löst man kein einziges Problem. Wer über Gewalt redet, der muss über Armut reden. Wer über Gewalt redet, der muss über Jugendsozialarbeit reden, über Männlichkeitsbilder. Ich sage das ganz bewusst als junger Mann. Wenn man Jungs beibringt, Gefühle zu unterdrücken, um Härte zu zeigen, statt Hilfe zu suchen, dann wächst Gewalt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Prävention ist mehr als Schule und Armut ist mehr als eine Zahl. Fast jedes dritte Kind im Saarland lebt in Armut, 44.000 Kinder, 44.000 Schicksale in einem so reichen Land. Das heißt, in jeder Klasse sitzt mindestens ein Kind, das abends keine warme Mahlzeit bekommt. Am ersten Schultag sprechen viele über Urlaubsreisen, während einige ganz still sind, weil zu Hause kein Urlaub drin ist. Armut macht Kinder still. Doch ihre Folgen schreien uns an. Ich habe es selbst erlebt. Als Jugendvertreter in der Ausbildung habe ich gesehen, wie junge Menschen abrutschen - nicht weil sie faul sind, sondern weil sie zu Hause Probleme haben, weil sie keinen Halt haben, weil niemand hinschaut. Erst kommen sie zu spät, dann gibt es schlechte Noten, Abmahnungen und am Ende die Kündigung. Das ist der Anfang vom Absturz. Ich habe aber auch das Gegenteil gesehen: Wenn man mit Sozialarbeit, mit Gesprächen und mit Unterstützung hilft, kommen Jugendliche wieder auf die Beine. Dann starten sie durch und manch einer schafft es bis auf Führungspositionen. Das ist Prävention. Wir wollen keine Pflaster kleben, sondern ein Geländer bauen, bevor jemand abstürzt. Genau darum geht es, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Unsere Landesregierung hat damit angefangen. Wir haben das Programm „Jugend in Arbeit“. Wir stärken Kinder- und Jugendverbände, sodass Kinder Halt finden. Die Landesregierung hat in dieser Legislaturperiode Perspektivquartiere geschaffen, das Childhood-Haus eröffnet und Sprachkitas weiterfinanziert, als der Bund ausgestiegen ist. Das zeigt: Es macht einen Unterschied, wer in diesem Land regiert. (Beifall von der SPD.) Ich möchte noch einen weiteren Blickwinkel zu dieser Debatte hinzufügen. Armut ist nicht nur ein soziales Problem. Armut ist auch ein Sicherheitsproblem. Jugendliche, die keinen Platz bei uns bekommen, suchen sich einen anderen. Rechtsextreme Hetzer versprechen Stolz. Islamistische Prediger auf TikTok versprechen, dass sie die Auserwählten sind. Beide sagen: „Du gehörst zu uns, wenn du uns folgst.“ Wenn wir vorher nicht sagen: „Du gehörst zu uns. Du bist schon lange Teil unserer Gesellschaft“, verlieren wir sie. Prävention heißt: Wir holen Jugendliche aus der Armut, bevor Extremisten sie holen. Wir geben Chancen, bevor Parolen locken. Wir stärken Demokratie, bevor Hass stärker wird. Das muss unser Ziel sein. (Beifall von der SPD.) Gute Arbeit ist auch Prävention. Wer einem Jugendlichen Arbeit gibt, gibt ihm mehr als ein Einkommen. Er gibt ihm eine Aufgabe, Würde, Stolz und Zukunft. Wenn Jugendliche morgens aufstehen und wissen, wofür sie das tun, wenn sie spüren, dass da jemand ist, der an sie glaubt, halten sie durch. Dann hören sie nicht auf diejenigen, die sagen: „Du bist wertlos.“ Dann laufen sie nicht Hetzern hinterher. Wer Jugendlichen eine Perspektive gibt, schützt vor Resignation. Wer Resignation verhindert, schützt unsere Gesellschaft vor Radikalisierung. Die Experten der Anhörung waren sich doch alle einig: Jeder Euro für Prävention spart viele Euro für Polizei, Gerichte und Sozialleistungen. (Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) (Abg. Sisamci (SPD)) Aber noch wichtiger ist, er erspart menschliches Leid. Das ist das Wichtigste, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD. – Erneuter Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Wir sagen klar, was passieren muss. Wir brauchen Sozialarbeiter und Fachkräfte, weil Lehrer nicht alles alleine schaffen. Wir brauchen Zusammenarbeit von Polizei, Sozialarbeit, Schulen und Betrieben, weil Probleme nicht an der Klassenzimmertür enden. Wir müssen Kinderarmut bekämpfen, weil Armut der Boden für Perspektivlosigkeit und damit für Sucht, Gewalt und Extremismus ist. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Jugendliche nicht auf Hetze hören müssen. Wer heute in Kinder investiert, baut für morgen eine stabile Gesellschaft, ein stabiles Saarland, ein Saarland, in dem jedes Kind sagen kann: „Hier ist mein Platz, hier ist meine Zukunft.“ (Anhaltender Beifall von der SPD.)

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