Dr. Magnus Jung
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Krebserkrankungen bedrohen unser aller Gesundheit. Anhand der Ergebnisse des saarländischen Krebsregisters wissen wir, dass etwa jeder zweite Saarländer und jede dritte Saarländerin damit rechnen muss, im Laufe des Lebens an einem bösartigen Tumor zu erkranken. Wenn wir ins Plenum hineinschauen, dann wissen wir, wie viele von uns davon wahrscheinlich betroffen sein werden. Im Jahr 2023 wurden in der saarländischen Bevölkerung bei rund 4.000 Männern und 3.000 Frauen bösartige Krebserkrankungen neu festgestellt. Mehr als 3.000 Menschen sind an den Folgen einer Tumorerkrankung verstorben. Besonders häufige Krebserkrankungen bei Frauen und Männern sind bösartige Tumoren der weiblichen Brust, der Prostata sowie der Lunge und des Darms. Damit stellen Tumorerkrankungen die Gesundheitssysteme trotz umfassender Fortschritte in Früherkennung und Prävention, Behandlung und Nachsorge vor immense Herausforderungen. Über die Krankheitskosten hinaus verursachen Tumorerkrankungen durch krankheitsbedingt verlorene Lebenszeit und Lebensqualität eine überproportional hohe Krankheitslast. Aus diesem Grund werden Krebsregister als zentrale und unverzichtbare Werkzeuge in jedem staatlichen Krebsbekämpfungsprogramm benötigt, denn sie erheben standardisiert Daten für ein fortlaufendes Monitoring von Tumorerkrankungen, deren Versorgung und Folgen, und sie machen Erfolge in der Krebsbekämpfung messbar, zum Beispiel mittels Vorsorge und Früherkennungsprogrammen. Im Saarland wurde die Notwendigkeit der Datenerhebung für die Krebsbekämpfung besonders frühzeitig erkannt. Der Kollege hat schon darauf hingewiesen: Seit dem Jahr 1968 werden hierzulande Krebsdaten umfassend erhoben und erfolgreich für die Krebsbekämpfung genutzt. Diese Aufgabe nimmt das Saarländische Krebsregister wahr, welches im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit angesiedelt ist. Die umfangreiche Nutzung der Daten beinhaltet insbesondere das fortlaufende Monitoring der auftretenden Tumorerkrankungen und Sterbefälle als Folge von Krebserkrankungen, die Nutzung der Daten für die Qualitätssicherung der onkologischen Versorgung etwa in landesweiten Qualitätskonferenzen gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten, die Bereitstellung von Daten für die Bewertung von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sowie die umfassende Verwendung von Daten des Krebsregisters für die Erforschung von Krebserkrankungen durch eine Vielzahl von Forscherinnen und Forschern. Aufgabe und Durchführung der Krebsregistrierung sind im Saarländischen Krebsregistergesetz detailliert geregelt. Eine wesentliche Regelung stellt die Verpflichtung aller im Saarland tätigen Ärztinnen und Ärzte dar, Informationen zu behandelten Tumorerkrankungen an das Krebsregister zu übermitteln. Ich schließe mich den Dankesworten der Vorredner für die Arbeit an, die in der Umsetzung geleistet wird. Mit dem von der Landesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Mitwirkung des Krebsregisters bei der Qualitätssicherung und Krebsfrüherkennung wird die Aufgabenwahrnehmung des Saarländischen Krebsregisters präzisiert, die im Rahmen seiner Mitwirkung bei neuen gesetzlichen Maßnahmen der einrichtungsund sektorenübergreifenden Qualitätssicherung des Gemeinsamen Bundesausschusses und bei der Durchführung der organisierten Krebsfrüherkennung des G-BA erforderlich ist. Diese wird durch Richtlinien des G-BA verbindlich vorgegeben. Die im eingebrachten Gesetzentwurf vorgenommenen Anpassungen wurden erforderlich, nachdem die Anforderungen an die Landeskrebsregister und deren Mitwirkung bei den genannten Programmen zwischenzeitlich in Spezifikationen definiert wurden. Vor wenigen Wochen stand die Mitwirkung der Krebsregister bei der Bewertung von Krebsfrüherkennungsprogrammen im Fokus. Als Ergebnis einer mehrjährigen Evaluation unter Verwendung von Krebsregisterdaten konnte das Bundesamt für Strahlenschutz im Juli nachweisen, dass etwa jeder vierte Brustkrebstodesfall in der weiblichen Bevölkerung zwischen 50 und 70 Jahren in Deutschland durch die regelmäßige Teilnahme am Mammographie-Screening-Programm zur Frühentdeckung von Brustkrebs verhindert werden kann. Das ist eine gute Nachricht, die motivieren sollte. (Beifall von der SPD und der CDU.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin den Fraktionen sehr dankbar, dass sie heute eine Aussprache zu diesem Punkt durchgeführt haben. Es ist zwar ein kleiner Schritt, aber ein notwendiger Schritt, den wir heute mit dieser Gesetzesänderung gehen. In den letzten Jahren sind wir gemeinsam mit vielen guten Schritten vorangekommen bei der Krebserkennung, bei der Therapie von Krebs, bei der Entwicklung von Behandlungen und von Medikamenten, bei der Begleitung von Erkrankten. Es ist uns gelungen, die Zahl der Todesfälle durch Krebserkrankungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich abzusenken. Das sind große Fortschritte, die ganz konkret und existenziell das Leben vieler Saarländerinnen und Saarländer betreffen und verbessern. In einer Zeit, in der viele das Gefühl haben, es werde alles immer schlechter und man wisse gar nicht, was man von diesem Land noch zu erwarten habe, können wir gemeinsam mit Stolz darauf verweisen, was wir an dieser Stelle geleistet haben. Gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten, mit den Pflegerinnen und Pflegern und mit der Wissenschaft ist es uns gelungen, hinsichtlich einer der größten Krankheiten, an der diese Welt zu leiden hat, für die Menschen in unserem Land diese im internationalen Vergleich hervorragende und auch im zeitlichen Rückblick beste Versorgung, die es jemals gab, zur Verfügung zu stellen. Das ist eine große Leistung, darauf können wir gemeinsam stolz sein. (Beifall von der SPD und der CDU.) Diese Entwicklung wird auch künftig nicht stehenbleiben. Das verdanken wir weiteren Fortschritten in der Forschung und in der Therapie. Das werden wir auch im Zuge der Umsetzung der Krankenhausreform von Karl Lauterbach im Saarland sehen, durch die die Konzentration der Versorgung von Krebserkrankungen weiter fortschreiten und die Gelegenheitsversorgung von Krebserkrankungen abgestellt werden wird, wodurch die Versorgung eine deutlich bessere sein wird. Weitere Maßnahmen sind in der Vorbereitung; ich wünsche mir und hoffe und glaube auch, dass wir diese auch in Zukunft mit großer Gemeinsamkeit in diesem Haus auf den Weg bringen können. - Vielen Dank. (Beifall von der SPD und bei der CDU.)
