Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Jetzt habe ich doch noch die Gelegenheit, ein paar Gedanken auszuführen. Ich werde die 11 Minuten nicht brauchen, aber zwei Gedanken möchte ich Ihnen vortragen. Als Erstes steht allem die Wertschätzung der beruflichen Bildung. Ich rede zuallererst über die Berufsbildungszentren, weil diese einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Bildung leisten. Ich stelle fest, dass die Arbeit dort sehr schwierig ist und nicht entsprechend wertgeschätzt wird, weil sich die Leute nicht genügend beklagen. Sie machen ihre Arbeit und beklagen sich nicht genügend. Nach dem alten saarländischen Sprichwort „Das Rad, das am meisten quietscht, wird als Erstes geölt“ kommen sie meistens am Schluss dran. Wieso ist die Aufgabe der Kolleginnen und Kollegen an den Berufsbildungszentren besonders schwierig? - Zuerst einmal haben sie sich dauernd auf neue Berufsbilder umzustellen und einzustellen. Abgesehen davon, dass selbst die alten Berufsbilder wie Schreiner, Metzger und so weiter ständig im Wandel sind und heute nicht auf dieselbe Art und Weise wie vor 20 Jahren gelehrt werden können, gibt es eine Menge neuer Berufsbilder, auf die man sich einstellen muss. Das ist die eine Schwierigkeit. Die zweite Schwierigkeit ist in der Schülerpopulation zu sehen. Wir haben es mit Schülern zu tun, die zum Teil bereits ein verhältnismäßig hohes Alter haben. Es gibt 40-jährige oder 30- jährige Schüler. Es gibt also verhältnismäßig ältere Schüler, die mit jüngeren Schülern zusammen sind. Außerdem gibt es verschiedene Ausbildungsgrade. Es kommen Leute, die Abitur haben, andere Leute kommen vielleicht von einer Förderschule oder haben keinen Abschluss. Damit muss man fertig werden. Zusätzlich gibt es verschiedene Interessen bei den Schülerinnen und Schülern, die diese Schulen besuchen. Das alles führt dazu, dass die Arbeit dort sehr schwierig ist und wir die Berufsschulen gar nicht genügend unterstützen können. Dazu kommt noch etwas, das die Ministerin gesagt hat: Sie hat davon gesprochen, dass das Feuer entfacht werden muss. Das ist ein gutes Bild. Wenn die Motivation, in der Schule da ist, ist die Hälfte der Arbeit schon gemacht. Auch in die Berufsschulen kommen Kinder mit einer nicht sehr großen Motivation, da sie im bisherigen Schulsystem nicht die Erfahrung gemacht haben, dass Schule Freude machen kann, vorwärts bringt und man gerne in die Schule kommt und nicht dazu gezwungen werden muss, die Schule zu besuchen. Bei meinem zweiten Gedanken komme ich zurück zu einer Geschichte, die ich hier schon einige Male vorgetragen habe: Unser allgemeinbildendes Schulsystem ist ein Zweiklassensystem. Man kann für die Gemeinschaftsschule noch dieses oder jenes verbessern - es ist und bleibt aus Sicht der Bevölkerung eine Schule zweiter Klasse. Das darf nicht sein. Jedes Kind hat es verdient, eine Schule zu besuchen, in die es gerne geht, die es sich selbst ausgesucht hat, wenn es geht, und so weiter. Es sollten nicht schon im Vorhinein Rechte beschnitten werden. Es gibt zum Beispiel bei den Gemeinschaftsschulen Schulbezirksgrenzen, die es beim Gymnasium nicht gibt. Im Augenblick haben wir für die Gemeinschaftsschulen den eher glücklichen Zustand, dass sie nicht schrumpfen. Das ist allerdings ein zweifelhaftes Glück, denn das liegt daran, dass Kinder dazukommen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und insofern die Situation in der Schule schwieriger, auf jeden Fall nicht einfacher machen. Mein Vorschlag ist schon älter und ich habe ihn nicht mit den Kollegen abgesprochen, aber wir sind ja nicht in der Regierung. Wenn wir so weit sind, werden wir darüber reden. Mein Vorschlag ist, dass wir nur eine allgemeinbildende Schule (Abg. Dörr (AfD)) mit zwei Formen haben. Diese können je nach Standort verschieden sein. Die eine Form hat einen wissenschaftlichen Schwerpunkt. Leute, die dort hingehen, haben die Absicht, nachher zu studieren. Vielleicht überlegen sie es sich aber anders, weswegen es an der Schule auch ein berufliches Angebot geben sollte. Die andere Schule hat die berufliche Bildung als Schwerpunkt. Die Kinder, die dort in die Schule gehen, sind nicht deshalb in dieser Schule, weil sie die Anforderungen für die andere Schule nicht gepackt haben. Nein, sie sind in dieser Schule, weil sie dort sein wollen und sich für eine Vorbildung für eine spätere berufliche Bildung entschieden haben. Das darf aber keine Sackgasse sein. Deshalb braucht es einen beruflichen Schwerpunkt mit zusätzlichem wissenschaftlichen Angebot. Dann haben wir zumindest ein paar mehr motivierte Kinder, die nachher in unsere Berufsbildungszentren kommen. Das sind Vorschläge. Man könnte abend- oder morgenfüllend darüber reden, aber so viel Zeit haben wir nicht. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
