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Stephanie Meiser

SPD 27.08.2025 Sitzungen 17/39

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Saarländerinnen und Saarländer! Auch wenn es heute Morgen alles andere als leichtfällt, zur Tagesordnung überzugehen, möchte ich es trotzdem versuchen, und ich bin sehr froh, dass wir heute mit einem Thema starten, das für uns Saarländerinnen und Saarländer von großer Bedeutung ist. Wir beschäftigen uns mit der zentralen Frage: Wie sichern wir die Chancen junger Menschen, wie schaffen wir gute Ausbildung, Arbeitsperspektiven und Bildungschancen völlig unabhängig von der sozialen und kulturellen Herkunft? Wie sichern wir neben der persönlichen Zukunftsgestaltung des Einzelnen die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft unseres Landes? Entscheidend ist: Egal, ob Studium oder Ausbildung, jeder Job ist wichtig. Der Schlüssel dazu ist neben der akademischen Bildung eine starke berufliche Bildung und unsere gute duale Ausbildung. Eine Ausbildung ist nicht weniger wert als ein Studium. Ich stehe hier im Parlament und im Gegensatz zu vielen anderen habe ich nicht studiert. Ich weiß also, wovon ich rede. Politik muss dafür sorgen, dass ein 16-Jähriger nicht in Gelegenheitsjobs hängenbleibt, sondern seine Chancen kennt. Unser Job ist es, gute Angebote zu machen, die zu den Jugendlichen passen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was berufliche Bildung bedeutet. Sie war für mich nie der Plan B, sondern genau wie für viele andere auch der bewusst gewählte Weg zur Selbstständigkeit, zu Chancen, zu einem guten Leben. Sie ist außerdem die Grundlage dafür, dass unser Saarland auch in Zukunft wirtschaftlich stark bleibt. (Beifall von der SPD.) Das Saarland steckt mehr als andere Bundesländer mitten in einer großen Transformation – Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel. All das verändert unsere Arbeitswelt schnell. Alte Berufsbilder verschwinden, neue entstehen, viele Ausbildungsgänge ändern sich. Wenn wir im Land unterwegs sind, hören wir alle das Gleiche: Wir brauchen Fachkräfte. Die CDU betreibt in ihrem Antrag extreme Schwarzmalerei. Das ist mit Sicherheit nicht das, was wir jetzt brauchen oder was uns irgendwie weiterbringt. Wir müssen machen - und ja, wir machen! Es gibt längst viele gute, konkrete Maßnahmen. Unser Antrag heute zeigt eine Strategie, die die gesamte Bildungskette in den Blick nimmt - von der Kita bis in den Beruf, vom Praktikum bis zur Weiterbildung. (Beifall von der SPD.) Ein entscheidender Schlüssel liegt mit Sicherheit in der Berufsorientierung. Ich kann mich noch gut an mein 15-jähriges Ich erinnern, das unbedingt etwas mit Menschen machen wollte und nach zahlreichen Stunden in verschiedenen Praktika dann doch festgestellt hat, dass ein kreativer Beruf in einem Industriebetrieb eigentlich genau das Richtige ist. Ich sehe es auch heute bei meinen Kindern, die gerade genau in dieser Phase stecken, wie wichtig es ist, sich möglichst viele Berufe in der Praxis anzuschauen, reinzuschnuppern und erste Eindrücke zu sammeln. Viele Jugendliche haben nicht gleich nach dem Ausfüllen eines digitalen Eignungsbogens auch eine konkrete Idee, in welche Richtung es gehen soll. Liebe Kolleginnen und Kollegen, darum ist Berufsorientierung verbindlich und früh in den Lehrplänen verankert. In der Grundschule lernen Schülerinnen und Schüler erste Berufe kennen. Ab Klasse 7 geht es konkret um Berufsfindung und mögliche Ausbildungswege. Ganz wichtig sind hierbei natürlich auch immer praktische Erfahrungen. Jeder Schüler und jede Schülerin absolviert in der Regel mindestens ein Praktikum. In Gemeinschaftsschulen ist sogar noch ein weiteres Praktikum in Klasse 9 oder 10 möglich, neben weiteren Angeboten wie zum Beispiel der erweiterten Praktikumswoche Saarland oder den Werkstatttagen im Berufsorientierungsprogramm BOP. Auch in der neuen Prüfungsordnung zum Erwerb des Hauptschulabschlusses ist die berufliche Orientierung ein zentrales Thema. In einer Präsentationsprüfung stellen Schülerinnen und Schüler ihr dreiwöchiges Praktikum aus Klasse 8 vor. Sollte jemand kein Praktikum absolviert haben, ist ein Thema der beruflichen Orientierung vorgesehen. Mit der neuen Berufswahl-App, die jetzt gestartet ist, geben wir Jugendlichen ein zeitgemäßes, digitales Werkzeug an die Hand, mit dem sie eben genau diese gesammelten Eindrücke für sich dokumentieren, so wie sie es brauchen. Eine weitere Maßnahme, mit der Praxiserfahrungen gestärkt werden, sind Karriere- und Ausbildungsbotschafter, die an die Schulen gehen und authentisch zeigen, welche Chancen in der dualen Ausbildung stecken. Außerdem fördern wir Netzwerke wie ALWIS, welches eine enge Ver- (Abg. Meiser (SPD)) bindung zwischen Schule und Wirtschaft fördert, oder das TUMO-Zentrum in Saarbrücken. Gerade das TUMO-Zentrum liegt mir sehr am Herzen. Auf der make-it.saarland habe ich es vor einigen Jahren zum ersten Mal kennengelernt und seitdem habe ich mich immer wieder selbst davon überzeugt, sowohl im Hauptsitz in Berlin als auch hier in Saarbrücken. Junge Menschen werden hier für MINT-Fächer und für kreative Berufe begeistert, und zwar gleichermaßen mit dem Blick auf eine akademische Laufbahn oder auch eine duale Ausbildung. Das Angebot überzeugt durch eine weltweit bewährte Lernmethode, eine moderne technische Ausstattung und - das ist uns besonders wichtig - einen kostenfreien Zugang für die Jugendlichen. Ich bin deshalb sehr stolz, dass wir ab September ein TUMO-Zentrum in Saarbrücken eröffnen und perspektivisch auch TUMO-Boxen in den Landkreisen einführen werden. (Beifall von der SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, im CDU-Antrag wird völlig zu Recht die Bedeutung der Sprachförderung hervorgehoben. Aber anders als dort dargestellt, handeln wir längst. Wir wollen Sprachförderung nicht nur in der Kita, sondern konsequent über die gesamte Bildungsbiografie hinweg sichern, von der Kita über Schule, Ausbildung, Studium bis hinein ins Berufsleben. Wir wollen, dass Entwicklungs- und Sprachdefizite nicht erst in der Schule erkannt werden, sondern schon vorher angegangen werden. Ein wichtiger Schritt ist also, dass die Bildungsministerin die Anmeldung an den Grundschulen künftig ein Jahr vorziehen möchte. Bereits mit viereinhalb Jahren werden die Kinder angemeldet, dabei findet ein entwicklungsorientierter Sprach- und Kompetenztest statt. Beteiligt sind Kitafachkräfte, Grundschullehrkräfte, die Jugendhilfe und auch das Gesundheitsamt. So fließt die Expertise vieler mit ein und wir bekommen ein ganzheitliches Bild über den Förderbedarf der Kinder. Sollte ein Kind zurzeit der Untersuchung noch keine Kita besuchen, lässt die Landesregierung die Familie nicht allein. Das Bildungsministerium begleitet sie eng, berät gemeinsam mit der Jugendhilfe und unterstützt aktiv dabei, einen Kitaplatz zu finden. Damit gewinnen wir mehr Zeit für echte, gute Förderung, passgenau an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Zusätzlich entsteht eine Allianz für Sprachförderung und Teilhabe. Dort arbeiten Elternvertretungen, Kitas, Grundschulen, Kommunen, Jugendhilfe, Kinder- und Jugendärzte, Wissenschaft und auch der Gesundheitsminister eng zusammen. Auch hier zeigt sich: Wir machen und liefern nicht nur Schlagzeilen in irgendwelchen Anträgen! (Beifall von der SPD.) Ein zweiter Schlüssel sind funktionierende Übergänge von der Schule zum Beruf. Jeder junge Mensch, der die Schule verlässt, muss eine echte Anschlussperspektive haben. Niemand darf verloren gehen. Deshalb möchte ich auf den Übergangsbereich von der Schule zum Beruf eingehen und dabei auch offen ansprechen, was mir Lehrkräfte aus der Praxis zurückmelden. Noch läuft nicht alles so, wie wir uns das im Optimalfall vorstellen. 2020 wurde der Übergangsbereich grundlegend reformiert. Neue Bildungsgänge wurden geschaffen, die den Einstieg in die Ausbildung ermöglichen. Projekte wie „Einstieg durch Praktikum in Ausbildung“, kurz EduPA, wurden auf den Weg gebracht, die sozialpädagogische Begleitung wurde gestärkt und die Nachbetreuung organisiert. Trotz dieser Maßnahmen sehen wir: Gerade bei jungen Menschen mit schwierigen Voraussetzungen braucht es viel individuelle Begleitung. Das hängt viel vom Einzelfall ab, von den persönlichen Voraussetzungen, von der konkreten Schule, vom Zugang zu externen Angeboten. Wir haben das System reformiert, ja. Aber wer dort arbeitet, weiß, dass die Realität mehr abverlangt als ein Strukturpapier. Genau deshalb müssen und werden wir neben allem, was wir schon auf den Weg gebracht haben, gemeinsam weiter daran arbeiten, stetig und mit Ehrlichkeit und Augenmaß. Das spiegelt sich auch in den Forderungen in unserem Antrag wider. (Beifall von der SPD.) In diesem Zusammenhang dürfen auch ergänzend die Jugendberufsagentur, die Ausbildungscoaches, die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und zahlreiche weitere Maßnahmen genannt werden. Die CDU nennt es planlos, wenn es viele unterschiedliche Maßnahmen gibt. Ich nenne es verantwortungsvoll, denn hier gibt es keine Einheitslösung. Jeder junge Mensch bringt unterschiedliche Stärken, Interessen und Voraussetzungen mit. Deshalb brauchen wir eine Vielfalt an Angeboten und eine gute Begleitung, damit jeder und jede den passenden Weg findet. (Beifall von der SPD.) Ein drittes, nicht unwichtiges Element ist die Durchlässigkeit. Wer sich für den beruflichen Weg entscheidet, darf nicht in einer Sackgasse landen. Darum haben wir im Saarland zwei wichtige neue Wege geöffnet. Zum einen können beruflich Qualifizierte künftig ohne Abitur direkt ein Studium aufnehmen, zum anderen gibt es jetzt die Möglichkeit, in die gymnasiale Oberstufe einzutreten und dort die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Damit machen wir deutlich: Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig und jeder Weg bleibt offen. Wir stärken außerdem den Aufstiegsbonus, um Weiterbildung attraktiver zu machen, denn Meister, Fachwirte und Techniker tragen genauso zur (Abg. Meiser (SPD)) Innovationskraft bei wie Akademikerinnen und Akademiker. (Beifall von der SPD.) Mit den ganzen vorgenannten Maßnahmen senden wir eine ganz klare Botschaft: Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell und sie ist gleichwertig neben der akademischen Bildung. Trotzdem erleben wir noch immer die gesellschaftliche Erwartung, dass nach dem Abitur ein Studium der einzig richtige Weg ist und dass alles andere als zweite Wahl gilt. Es muss einfach salonfähig werden - das ist auch unsere Aufgabe -, auch mit dem Abitur in der Tasche eine berufliche Ausbildung zu beginnen. Viele duale Ausbildungen bieten anspruchsvolle Inhalte, exzellente Karrierechancen und oft den direkteren Weg in den Beruf als ein Studium. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die CDU spricht von Planlosigkeit. Wir bieten Verantwortung und Perspektiven. Berufliche Bildung bedeutet: Chancen eröffnen, Übergänge sichern, Durchlässigkeit schaffen. Unser Antrag zeigt: Wir haben eine klare Strategie. Wir machen Politik für die jungen Menschen in diesem Land, denn unsere Jugendlichen sind die Zukunft unseres Landes. Wir unterstützen sie dabei, sie neu zu gestalten. Deshalb bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag.- Glück auf! (Beifall von der SPD.)

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