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Hermann-Josef Scharf

CDU 25.06.2025 Sitzungen 17/38

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Beim diesjährigen CSD habe ich eine Familie aus St. Wendel getroffen, von der ich eher vermutet hätte, sie in der Basilika des Heiligen Wendelin zu treffen. Die stolze Großmutter hat mir gesagt: „Hermann, wir sind heute hierhergekommen, um unsere Enkeltochter, die eine Frau liebt, zu unterstützen.“ (Beifall von der CDU und der SPD.) Ich habe ihr geantwortet: „Liebe Anni, auch in St. Wendel, in der Stadt des Heiligen Wendelin, darf zwischenzeitlich jeder lieben, wen er will.“ (Zustimmende Zurufe. - Erneut Beifall von der CDU und der SPD.) Ich will es am Anfang meiner Rede klar und deutlich sagen: Diese CDU-Landtagsfraktion steht für eine Gesellschaft, in der Vielfalt und Toleranz prägende Pfeiler sind. Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Menschenverachtung jeder Couleur haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. (Beifall von der CDU und der SPD.) Der Kampf dagegen ist ein Kampf für die Menschenwürde, für Demokratie, für Einigkeit, für Recht und Freiheit. Dem fühlen wir uns mit Stolz und Aufrichtigkeit verpflichtet. Aber die polizeilichen Fallzahlen zeigen einen besorgniserregenden Anstieg queerfeindlicher Straftaten über die vergangenen Jahre. Im Jahr 2023 wurden insgesamt über 17.000 Fälle von Hasskriminalität im kriminalpolizeilichen Meldedienst erfasst. Die Zahl der Straftaten im Bereich sexueller Orientierung und geschlechtsbezogener Diversität haben sich seit 2010 nahezu verzehnfacht. Ich bedanke mich ausdrücklich bei unserer saarländischen Polizei für die engagierte und hervorragende Arbeit. Mit Heiko Zimmer haben wir eine hauptamtliche Person für LGBTQ, aber ich will auch die beiden nebenamtlichen Ansprechpersonen Martina Grimm und Stefan Schiber und viele andere in den Dank einschließen. Unsere Polizei war mit einem eigenen Stand am CSD beteiligt und ich möchte allen danken, die bei der Parade am Sonntag für Sicherheit und Ordnung gesorgt haben. Das war einfach großartig. (Beifall von der CDU und der SPD.) 60.000 Menschen haben friedlich miteinander gefeiert. Die Gegendemonstration waren jäm- (Abg. Scharf (CDU)) merliche neun Figuren, die, glaube ich, gemerkt haben, wie fehl sie am Platze in unserer offenen Landeshauptstadt waren. (Beifall von der CDU und der SPD.) Ich sage es klar und deutlich: Sie sollten sich bis heute mit ihren Helfershelfern dafür schämen. (Beifall von der CDU und der SPD.) 2020 wurde im Saarland von der Großen Koalition ein Landesaktionsplan zur Förderung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt auf den Weg gebracht. Ich danke, lieber Magnus, für den neuen Plan, der seit gestern vorliegt. Ich habe ihn nur kurz überfliegen können, aber die über 100 Maßnahmen zeigen: Wir sind auf einem richtigen Weg und wir unterstützen diesen Plan. (Beifall von der CDU und der SPD.) Aber es gibt noch sehr viel zu tun. Wir müssen mit Engagement und mit Tatkraft diesen Plan mit Leben erfüllen. Ich danke allen, die sich so vielfältig einbringen. Ich sehe Hasso Müller-Kittnau, meinen alten Freund. Lieber Hasso, du kämpfst schon seit vielen Jahrzehnten. Es ist mir heute ein Bedürfnis, dir für dein großes Engagement Danke zu sagen. (Beifall von der CDU und der SPD.) Aber ich will auch unsere LSU mit Julia Grewe nennen. Ich glaube, sagen zu dürfen, dass die CDU von A bis Z aufgestellt ist, es gibt diese und jene. Ich bin unserer LSU sehr dankbar, dass sie uns in vielen Punkten ein wenig die Augen geöffnet hat. Es ist noch etwas Luft nach oben, aber daran arbeiten wir. (Beifall von der CDU und bei der SPD.) Ich will mich jetzt noch mit der Thematik von Transgender beschäftigen. Vor Kurzem war im Saarländischen Rundfunk eine Sendung über einen jungen Mann namens Leon zu sehen, der früher ein Mädchen war. Ich danke den Menschen, die diesen großartigen Film gemacht haben. In einer dreiviertel Stunde hat der Film deutlich gemacht - ich will es aufgrund meiner Redezeit verkürzt wiedergeben -: Hier geht es um Identität und nicht um Sexualität. Lasst uns mit mehr Respekt und nicht mit plumper Anmache und Beleidigung diese Dinge angehen. Ich habe mit vielen Freundinnen und Freunden Frau Dr. Stephanie Lehmann-Kannt und ihre Mannschaft am UKS besucht. Das ist schon beeindruckend, denn in Homburg haben wir mehr als 200 Menschen, die sich im Moment im falschen Körper fühlen. Man führe sich das einmal vor Augen! Zum Fall Leon möchte ich sagen: Er hat seine Familie aufgegeben, um sein Leben leben zu können. Er wird keine Sexualität ausleben können, weil bei den Operationen nicht alles richtig gelaufen ist, aber trotzdem ist er zwischenzeitlich ein glücklicher Mensch. Ich glaube, das muss unser aller Ziel sein. Versetzen wir uns mehr in die Menschen. Lasst uns für die Menschenwürde und die Menschenrechte im Besonderen eintreten! (Beifall von der CDU und der SPD.) Ich will zum Anfang zurückkommen. Lasst uns für Vielfalt und Toleranz eintreten. Zum Schluss will ich vor allem unseren jungen Menschen einen Gedanken mit auf den Weg geben: Es gibt keinen besseren Kompass als euer Herz. Lasst euch von niemandem einreden, wen ihr zu lieben und wen ihr zu hassen habt. Liebt! - Danke, dass Sie mir zugehört haben. - Wir stimmen dem Antrag zu. (Anhaltender Beifall von der CDU und Beifall von der SPD.)

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