Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Es ist noch nicht sehr lange her, ein paar Wochen, da hat der Bundestag ein Finanzvolumen von 500 Milliarden Euro genehmigt, frei gemacht für die Verteidigung unseres Landes. Es ist nicht auf großen Widerstand gestoßen, dass man so viel Geld braucht. Der Streit hat sich nur daran entzündet, ob man dafür Geld aufnehmen müsse oder ob man das aus dem normalen Haushalt bezahlen könne. Bei der Diskussion ist klar geworden, dass unser Land, dass genauer gesagt die Regierungen unseres Landes in der Vergangenheit die Verteidigung unseres Landes sträflich vernachlässigt haben. Zunächst einmal hat man die Bundeswehr verkleinert, dann hat man Systeme nicht neu angeschafft. Man hat die Wehrpflicht ausgesetzt. Ich könnte mit der Liste jetzt lange weitermachen; auf ganzer Linie hat Sorglosigkeit geherrscht. Jetzt auf einmal, da in der Ukraine ein Krieg herrscht, jetzt auf einmal stellen wir fest: Wir sind im Grunde wehrlos. Wir sind nicht tauglich, uns zu verteidigen. Nun kommen verschiedene Vorschläge, wie man das ändern könnte. Jetzt sage ich einmal einen Vorsatz: Man muss, ein Land muss fähig sein, sich zu verteidigen. Das ist ein Punkt. Aber vielleicht kennen Sie zufällig auch „Oh Jerusalén“ von Collins und Lapierre - ich habe das seinerzeit in Spanisch gelesen, deshalb habe ich jetzt „Oh Jerusalén“ gesagt; die anderen Titel kenne ich nicht -, darin wird geschildert, wie ein Ehepaar aus der Sowjetunion nach Israel auswandert. Der Mann sagt: Es ist schön, wenn man für sein Land sein Leben hingeben kann. - Und die Frau hat ihn sofort berichtigt und hat gesagt: Moment, sein Leben hingeben, das ist eine zu große Sache. Aber es ist schön, wenn man ein Land hat, für das es sich lohnt, sein Leben zu riskieren. - Das ist der Punkt. Das heißt, wir müssen fähig sein, uns zu verteidigen, und wir müssen auch gewillt sein, uns zu verteidigen. Und das kommt nicht von heute auf morgen. Das muss in der Bevölkerung, im Volke drin sein. Das muss wachsen und das muss auch in der Schule gelehrt werden. Wir haben früher in Geschichte einiges gelernt und in Erdkunde auch. Ich weiß nicht, wie das heute gehandhabt wird. Was ich so höre, wird das einigermaßen vernachlässigt. Wir haben auch Zeitgeschichte gemacht. Ich habe in meinem Buch seinerzeit schon Zukunftsgeschichte als Fach vorgeschlagen. Man muss auf jeden Fall die Kinder zur Vaterlandsliebe erziehen. Das ist Punkt 1 Und dann natürlich: Unser Vaterland ist ein demokratischer Rechtsstaat, also muss das Kind zum demokratischen Rechtsstaat erzogen werden und zur Liebe zum Vaterland. Das geht aber nur, wenn die Demokratie auch in der Schule geübt und praktiziert wird und wenn die Kinder in ihrer Umgebung Demokratie erleben. Das heißt, sie müssen einen demokratischen Staat erleben, für den es sich lohnt, im Ernstfall sein Leben zu riskieren. Das ist, wie gesagt, auch ein Teil unserer Verteidigungsbereitschaft. Wir von der AfD sind nicht dafür, Feindbilder aufzubauen. (Lachen bei der SPD.) Sie lachen, Sie nehmen das nicht ernst. Herr Maaß hat angefangen zu lachen, dann lachen immer gleich ein paar mit. (Fortgesetztes Lachen und Sprechen bei der SPD.) Aber das ist kein lustiges Thema, denn eigentlich müssten Sie ja an die Toten denken, die in der Ukraine dauernd noch dazukommen. Dann könnte es ja eigentlich kein so lustiges Thema sein. Das ist ein sehr ernstes Thema. In der Ukraine sieht man ja, wer über den Frieden verhandelt. Da kämpft Russland gegen Amerika, das ist nun mal so! Man nimmt das zum Anlass und fühlt sich betroffen, aber die anderen sehen das schon nicht mehr so. Wir sitzen nicht am Verhandlungstisch. Herr Schaufert und ich haben hier schon mindestens 500-mal gesagt, dass am Schluss, wenn die Kriegshandlungen vorbei sind und so viele tot sind, verhandelt wird, und dass man das auch gleich machen könnte. Also es gibt keinen Grund, über diese Dinge zu lachen, das sind Probleme. Es gibt keinen Grund zu lachen. Und dieses Feindbild wechselt. Wir haben vor 100 Jahren das Feindbild Frankreich gehabt. Wir haben es Gott sei Dank geschafft, dass jeder heute lacht, wenn man die Franzosen als Feinde sieht. Dieses Lachen wünsche ich mir auch, wenn man in 20 Jahren sagt: „Die Russen sind unsere Feinde“. Ich wünsche mir, dass man dann sagt: „So ein Unsinn!“ Für mich persönlich ist das jetzt schon Unsinn, aber das ist meine persönliche Meinung, die können Sie teilen oder nicht. Jedenfalls muss es in der Schule, wenn man Wehrerziehung als Fach macht, kein Feindbild geben. Die Schweizer haben auch kein Feindbild. Die Schweizer bilden ihre Leute aus und erziehen ihre Leute, um die Schweiz zu verteidigen, wer auch immer da kommt. Und das ist die Aufgabe einer Stunde im Lehrfach Wehrerziehung oder wie man das nennen will. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
