Frank Wagner
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Manchmal reicht schon der Titel eines Antrags aus, um zu erkennen, worum es nicht geht. Korrektes Deutsch, Wokismus - das klingt nicht nach einem ernsthaften Beitrag zur Bildungspolitik, das sollte aber bei einer Bildungsdebatte immer der Fall sein. Das klingt nicht nach Sprachpflege und schon gar nicht nach dem Anliegen, unseren Kindern in Schulen und Kitas wirklich gute Bildung zu ermöglichen. Was wir hier sehen, ist ein politisches Manöver der AfD, nicht mehr und nicht weniger. Das ist ein Antrag, der provoziert, statt zu überzeugen. Wir als CDU-Fraktion nehmen das Thema Sprache sehr ernst. Wir nehmen die Sorgen von Bürgerinnen und Bürgern sehr ernst, wenn es um Verständlichkeit, Lesbarkeit und den Sprachwandel geht. Deshalb haben wir uns erst kürzlich, im November vergangenen Jahres, auf unserem CDU-Landesparteitag hierzu klar positioniert und einen Antrag mehrheitlich verabschiedet: keine Genderzeichen in der Landesverwaltung, keine Sternchen, keine Doppelpunkte, keine Unterstriche, stattdessen klare, verständliche Sprache für alle. Das ist unser Maßstab. Wir haben uns in unserem Antrag auch an der Gesetzgebung in Hessen orientiert. Das ist auch sachlich gedeckt, denn der Rat für deutsche Rechtschreibung hat es deutlich gemacht: Genderzeichen gehören nicht zum amtlichen Regelwerk, sie sind orthografisch nicht normgerecht. Gleichzeitig erkennt der Rat die Tendenzen zu geschlechtergerechten Sprache an, ohne sie ideologisch zu bewerten. Er warnt zu Recht davor, Sprache politisch zu überfrachten. Diese ausgewogene Haltung teilen wir. Sprache lebt vom Wandel und von Nuancen, vor allem aber lebt Sprache von Freiheit und von Bildung. Genau das ist ein zentraler Punkt: Unsere Schulen sind keine ideologischen Labore, in keine Richtung. Sie sind Orte der Bildung, Orte der Entwicklung, Orte, an denen Kinder zu kritischen, reflektierten Persönlichkeiten heranwachsen sollen. Dazu gehört auch der Umgang mit Sprache. Wir als CDU stehen für eine klare, verständliche Sprache ohne Sonderzeichen - aber auch ohne Populismus. Wir stehen für die Regeln der deutschen Sprache, wie sie im amtlichen Regelwerk festgelegt sind, nicht für die Konstruktion von Feindbildern. Wir stehen für ein Bildungssystem, das auf Kompetenz setzt. Der Antrag der AfD hat keinen bildungspolitischen Mehrwert. Er trägt nichts zur Lösung realer Herausforderungen in Schulen und Kitas bei, weder hinsichtlich des Spracherwerbs noch bei der Integration oder bei der Förderung benachteiligter Kinder. Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. Wer wirklich an Sprache interessiert ist, redet mit den Menschen auf Augenhöhe, fördert die Sprachkompetenz, statt Verbote auszusprechen, und stärkt das, was Sprache ausmacht: Verständigung, Respekt und Klarheit. Wer wirklich für Bildung kämpft, stärkt die Lehrkräfte, wie wir es fordern, mit besseren Arbeitsbedingungen, gezielter Entlastung und einer echten Wertschätzung ihres Berufs. - Wir lehnen den vorgelegten Antrag ab. (Beifall von der CDU.)
