Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Unsere deutsche Sprache ist eine verhältnismäßig junge Sprache in dem Kreis der Sprachen. Da sind 100 Jahre so gut wie nichts. Unsere deutsche Sprache als hochdeutsche Sprache besteht seit ungefähr 500 Jahren. Allerdings stellen wir selbst im Saarland fest, dass Hochdeutsch nicht die Landessprache ist. Hochdeutsch ist die Sprache, die wir in der Schule lernen. Hochdeutsch ist erst für unsere ganz Jungen eine Muttersprache. Das heißt, die Hochsprache ist erst im Kommen. Sie ist noch nicht vollendet. Der Duden wird oft verschrien als derjenige, der uns vorschreibt, wie wir schreiben sollen. Duden war ein großer Mann. Er hat zuerst in seinem Gymnasium versucht, eine einheitliche Rechtschreibung zu schaffen. Das ist ihm auch gelungen. Die Stadt hat ihm das dann abgeguckt und später ist es auf ganz Preußen ausgeweitet worden. Ihm ging es zuerst einmal darum, ob man die deutsche Sprache so schreibt, wie sie aus der Vergangenheit gekommen ist, also nach Sinneinheiten, oder nach der Phonetik, also so, wie man sie spricht. Man hat sich auf die Phonetik geeinigt, also auf die Aussprache. Ich muss das jetzt ganz kurz machen. Jedenfalls hat im Jahre 1901 eine große Versammlung stattgefunden. Bei dieser Versammlung wurde darüber geredet, die deutsche Rechtschreibung zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. Wir sehen heute noch, dass Friedrichsthal mit th geschrieben wird, obwohl Tal inzwischen ohne h geschrieben wird. Das trifft auf viele weitere Wörter zu. Vielleicht haben Sie alte Schalen, auf denen Brot noch mit d geschrieben wurde. Die Vereinheitlichung hat man geschafft, aber nicht die Vereinfachung. Man hat gesagt, das Wichtigste ist erst einmal die Vereinheitlichung, später werden wir sehen, wie wir es vereinfachen. (Abg. Dörr (AfD)) Da gibt es Operationen seit über 100 Jahren, die zu keinem vernünftigen Ergebnis geführt haben. Das ist aber eine andere Sache, das ist nicht das jetzige Thema. Die deutsche Sprache als solche hat immer, also von Anfang an, Angriffe von auswärts überstehen müssen. Das muss nicht von anderen Ländern ausgegangen sein, es waren zum Beispiel die griechische sowie die lateinische Sprache. (Präsidentin Winzent übernimmt die Sit- zungsleitung.) In der letzten Diskussion ist von Effizienz, Konsens, Kooperation und so weiter die Rede gewesen. Viele lateinische Wörter haben in unserer Sprache inzwischen Einlass gefunden, obwohl wir dafür deutsche Wörter haben. Statt Realität kann man genauso gut Wirklichkeit sagen, Kooperation ist Zusammenarbeit, Inklusion ist Einschluss und so weiter. Das Schlimme ist, dass viele von uns meinen, sie könnten ihre Bildung zeigen, indem sie solche Wörter benutzen, und zwar ohne Rücksicht auf diejenigen, die sie verstehen sollen. Wenn ich nicht im Gymnasium war und kein Latein gelernt habe, dann verstehe ich manche Wörter zuerst einmal nicht. Der nächste Ansturm ist das Englische. Wenn der Kanzlerkandidat, der es auch werden wird, sagt „whatever it takes“, kann das der eine oder andere verstehen, aber die große Masse versteht es nicht. Viele andere englische Wörter, die in unserer Sprache Einlass gefunden haben, erschweren die Verständigung, was ursprünglich der Sinn der Sprache gewesen ist. Es geht darum, dass man sich mit einem anderen verständigt. Jetzt kommt die von Feministinnen getriebene Genderisierung oder Geschlechtsgerechtigkeitsmachung der Sprache - oder wie man das nennen will - dazu. Wenn ich lese, was alles geschrieben wird: Schon vor 40 Jahren war mir diese Sache bewusst. Ich habe den Streit um „chairman“ in Amerika miterlebt. Wenn „chairman“ eine Frau ist, sagen wir „chairwoman“. Da hieß es: Wie klingt denn das? Inzwischen sagt man „chairwoman“. Wenn man von der Institution spricht, sagt man „chairperson“. Bei uns haben wir Lehrer und Lehrerinnen, dann sagt man Lehrkraft. Wobei das eigentlich ein schlechtes Wort ist. Lehrperson wäre besser. Wenn man Lehrkraft sagt, macht man aus der Person eine Sache. Wir benutzen das gedankenlos. Heute Morgen ist einige Male gesagt worden: Experten und Expertinnen. Wenn wir das deutsche Wort nehmen, Fachmann und Fachfrau, dann können wir ganz einfach Fachleute sagen, dann brauchen wir keine zwei Wörter - Fachleute, aber nicht Experten und Expertinnen. Ich will damit nur sagen: Es ist ein schwieriges Feld, ein vermintes Feld. Wenn man aber versucht, Leuten die eigene Ansicht aufzuzwingen, indem man zum Beispiel Lehrer*innen sagt und Lehrer und Lehrerinnen meint, dann ist das der falsche Weg. Ich sehe, meine Redezeit ist fast zu Ende. Deshalb nur noch ein Beispiel: In Frankreich - das höre ich immer auf den Sendern - sagen sie „Bonjour à tous“ oder „Bonjour à toutes“. Dieser Kampf findet also in den Sendern statt. Bei „à tous“ oder „à toutes“ weiß man immer, in wessen Geist die Sender sind. Bei Europe 1 gibt es das nicht. Da wird das männliche Wort genommen, weil das männliche Wort nach der Grammatik für männlich und weiblich gilt. Das ist im Deutschen auch so, wenn man zum Beispiel „Hebamme“ sagt und nicht noch „Hebmann“ oder „Heberich“ oder so was. Bei Hebamme weiß jeder, dass Frauen in der Hege gemeint sind, aber auch ein Mann diesen Beruf ausüben kann. Wir sind also gegen diesen ganzen Firlefanz, den man den Leuten mit Sternchen, Lücken, Schrägstrich und so weiter aufzwingen will. Unsere Kinder haben in der Schule schon genug zu tun, um die Rechtschreibung, die jetzt herrscht, zu lernen. Sie müssen nicht noch einen solchen Unsinn dazu lernen. Wir sind also für die Abschaffung und dafür, dass die offizielle Schreibart die ist, die auch offiziell anerkannt ist. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
