Timo Ahr
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Saarland ist bekanntlich das Land der kurzen Wege, hat eine zentrale Lage in Europa und eine starke wirtschaftliche Vielfalt. Diese Vielfalt und Stärke, die wir haben, verdienen vor allem in der jetzigen Zeit eine gezielte Förderung. Denn ein starker Wirtschaftsstandort, den wir zweifelsohne im Saarland benötigen, den wir aufrechterhalten und ausbauen müssen, braucht eine lebendige Gründerszene, die vor allem die Innovationen in diesem Land vorantreibt, moderne Arbeitsplätze schafft, aber gleichzeitig langfristig auch einen Teil zum Wohlstand dieses Landes beitragen kann. Nach den letzten Jahren voller globaler Krisen, Krieg in Europa, Corona, Energiepreisschock und vielem anderen waren die Zahlen der Unternehmensgründungen rückläufig. Langsam, Gott sei Dank, steigt es wieder an, auch hier im Saarland. Doch das ist kein Grund zu sagen, dann passt es doch alles, wir lassen es so, es funktioniert ja irgendwie. Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Wir müssen weiterhin daran arbeiten, dass wir mehr Unternehmensgründungen haben, die am Ende zu einem guten Mittelstand führen und unser Land weiterbringen. Die Herausforderungen für diese Gründerinnen und Gründer sind immer noch da. Es geht dabei vor allem um einen verlässlichen Zugang zu Kapital, unbürokratische Finanzierungsmodelle und - das ist ganz entscheidend vor allem für die Startphase - ein verlässliches, stabiles Netzwerk an Unterstützungsangeboten. Wir im Saarland machen das schon ziemlich gut. Das sagen auch sehr viele in dieser Szene. Es gibt ein großes Netzwerk, wo man sich gegenseitig unterstützt. Lernen von den Besten, das findet man hier im Saarland wieder. Es gibt bereits finanzielle Unterstützungsangebote, die auch schon gut angenommen werden. Fakt ist aber, es reicht nicht aus. Wir brauchen mehr davon, denn jede große Idee und der erste Schritt, den man wagen will, brauchen am Ende Mut. Aber er benötigt auch ordentliche Voraussetzungen, damit es gelingen kann. Dieser erste Schritt ist vor allem für Start-ups, für Gründerinnen und Gründer oft mit hohen Kosten verbunden. Junge Unternehmen müssen erst investieren, bevor sie am Ende Gewinne erzielen. Sie müssen zu Beginn in Büroausstattung, Infrastruktur, Personal, Marketing, Forschung, Entwicklung, Dienstleistung und vieles mehr investieren. Dann brauchen sie das Geld. Da scheitert es oftmals bei normalen Bankkrediten, denn es geht da auch um Sicherheit und die Frage, ob diese jungen Unternehmerinnen und Unternehmer das Geld bekommen. Genau an dieser Stelle setzen wir an, denn dann kommt Risikokapital ins Spiel. Genau das gibt Gründerinnen und Gründern die Freiheit, mutig zu sein, neue Wege zu gehen und Innovationen in diesem Land voranzutreiben. Denn wenn die Menschen mit Visionen und Ideen keine Sicherheit haben, keinen Halt, dann können sie ihre Kreativität lange nicht so entfalten und es hemmt sie, die Dinge zu tun, die wir für ein starkes Land benötigen, nämlich neue Ideen, neue Geschäftsmodelle und Produkte für ein starkes Land mitten im Strukturwandel. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist eine Win-win-Situation. Dafür setzen wir uns ein, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Genau dieses Hemmnis, das die Gründerinnen und Gründer haben, zeigt der Deutsche Startup Monitor von 2024 ganz deutlich. 43 Prozent der Befragten haben eine bundespolitische Forderung aufgestellt, die lautet, dass man vor allem in der Frühphasenfinanzierung mehr Unterstützung braucht, gerade am Anfang, wenn man sich selbstständig machen will, wenn man ein Start-up gründen will. Da dort die meiste Unterstützung gebraucht wird, wollen wir genau dort ansetzen. Das Hemmnis wollen wir ändern. Wir (Abg. Ahr (SPD)) wollen es anpacken und zum Guten führen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Aus diesem Grund werden wir handeln. Mit einer Investitionsoffensive von 40 Millionen Euro an Wagniskapital schafft das Saarland jetzt gute Voraussetzungen für Start-ups. Die Landesregierung will mit den Mitteln aus dem Transformationsfonds gezielt ein Start-up-Ökosystem im Saarland entwickeln, damit wir genau das, was ich eben beschrieben habe, hinbekommen: eine Vielfalt, eine Diversifizierung der Wirtschaft und vieles andere. Diese Kofinanzierungsinstrumente werden eben nicht nur aus staatlichen Geldern, sondern nach einem Prinzip auch mit privatwirtschaftlichen Geldern ergänzt. Es soll am Ende nicht nur staatliche Gelder hebeln, sondern privatwirtschaftliche Investoren dazu anregen mitzumachen, mit zu investieren, den Topf größer zu machen und die Menschen in diesem Land mehr zu unterstützen. Ich will an dieser Stelle auch einmal, lieber Jürgen Barke, ein herzliches Dankeschön den Kolleginnen und Kollegen aus dem Wirtschaftsministerium aussprechen, aber auch der SIKB. Das ist hochkomplex, was Sie dort auf Papier gebracht haben. Es ist uns im Wirtschaftsausschuss schon berichtet worden. Ich finde, davor kann man den Hut ziehen. Das sind ganz tolle Sachen, die die Kolleginnen und Kollegen entwickelt haben. (Beifall von der SPD. - Minister Barke: Dan- ke!) Dieses Fondsmanagement, das man im Saarland etablieren will, soll neben der SIKB und den anderen Fonds dazu beitragen, dass wir das hinbekommen und eine Nähe zu einem strategischen Marktumfeld erschließen. Das soll das Investitionsvolumen um ein Vielfaches auch durch einen Pari-passu-Ansatz erhöhen und - ich will es noch mal betonen, es ist ganz wichtig - sie sollen es mit der Privatwirtschaft, die im Markt Erfahrung hat, gemeinsam hinbekommen. Unser Ziel ist an dieser Stelle klar: Das Saarland soll ein Gründungsland sein mit starken Programmen an unseren Hochschulen, gezielten Stipendien für junge Unternehmen und einem Netzwerk, das von Wirtschaftskammer bis zu Business Angels reicht. Damit schaffen wir optimale Bedingungen für erfolgreiche Neugründungen. Das ist unser gestecktes Ziel, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Ich will nur einige Beispiele nennen, weil man immer das Gefühl hat, dass da gar nichts passieren würde und wir jetzt erst damit anfangen würden. Nein, es läuft schon vieles über Jahre hinweg. Wir haben an der Uni Triathlon, wir haben die FITT gGmb an der htw, Saarland Accelerator, Saar-Inkubator, Starter Stipendium, SOG und vieles mehr. Ich habe mir selbst einen Eindruck verschafft. Minister Jürgen Barke war auch da und viele aus dem Hohen Haus bei der SOG-Messe „Erfolg 2025“, wo viele Gründerinnen und Gründer im Saarland sich vernetzt haben und zusammengekommen sind. Man hat in vielen Vorträgen gesehen, dass diese Menschen das Land weiterbringen wollen, dass sie Mut, Ideen und Visionen haben. Wir helfen ihnen jetzt dabei, das am Ende auch auf die Straße zu bekommen. Das ist das gesteckte Ziel. Wer an dem Tag da war, hat gesehen, dass sich dieses Engagement und der Einsatz für diese Menschen lohnt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Es waren diese Gespräche, die noch einmal gezeigt haben, dass die Hemmnisse, die ich eben beschrieben habe, die Probleme der Menschen sind, wenn sie starten und loslegen wollen. Sie sind ja nicht nur als Start-ups Innovationstreiber in diesem Land, sondern sie werden auch wertvolle Partner für den Mittelstand, aber auch für große Unternehmen in diesem Land. Durch die Kooperation von jungen Unternehmen mit agilen, neuen Modellen mit etablierten, traditionsreichen Unternehmen in diesem Land kann man gute Ergebnisse erzielen, Wissenstransfer organisieren, voneinander lernen, die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Land steigern, für mehr Wertschöpfung sorgen. So sichern wir mit diesem Programm nicht nur den Erfolg von Startups, sondern wir stärken den Mittelstand von morgen und die gesamte Saarwirtschaft. Das ist, glaube ich, ein Grund, weshalb wir hier mitmachen sollten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD.) Mit Blick auf das, was jetzt in Berlin passiert, will ich aber auch ganz klar sagen, dass wir den Start-ups im Land helfen können. Wir müssen es aber auch dann tun, wenn es um einfachere Förderverfahren in Berlin geht. Das ist etwas, was uns immer wieder begegnet, dass wir dort Bürokratie - da geht es vor allem um Antragstellung und vieles andere - abbauen müssen. Wir müssen den Kolleginnen und Kollegen mehr Unterstützung bieten, schnellere Verfahren, mehr Digitalisierung und alles, was dazugehört. Wir müssen vor allem bei öffentlichen Aufträgen auch das Leben für Start-ups ein bisschen einfacher machen, als es aktuell läuft. Insgesamt wollen wir deshalb im globalen internationalen Wettbewerb genau auf diese Start-ups setzen, denn es wird alles komplexer, schwieriger, und wir stehen vor enormen Wettbewerbskonkurrenzkämpfen auf der Welt. Deshalb müssen wir die klügsten Köpfe hier im Land halten, in Deutschland, aber im besten Fall auch hier im Saarland. Dafür stellen wir diesen Antrag und dafür stehen wir als SPD-Fraktion. (Beifall von der SPD.) (Abg. Ahr (SPD)) Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass die Gründerund Start-up-Szene in diesem Land prosperiert. Bei allen Herausforderungen, die wir in anderen Branchen weiterhin haben, müssen wir auch auf diese Szene setzen. Mit 40 Millionen Euro an Förderprogrammen ist ein wichtiger erster Schritt jetzt getan. Daran sollten wir weiter arbeiten. - Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)
