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Réka Klein

SPD 19.03.2025 Sitzungen 17/35

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Saarländer*innen! Liebe Kolleg*innen! Heute ist der 19. März - Frauenmonat, der Monat des feministischen Kampftages. Wenn ich mir den Redebeitrag von Herrn Schaufert anschaue, dann ist umso klarer, dass der feministische Kampftag seine Daseinsberechtigung hat, dass wir hier sind, dass wir laut sind, dass wir aufstehen und noch lauter sagen: Frauen haben Rechte! Punkt. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Diese fordern wir ein. In diesem Monat kämpfen wir für Gleichberechtigung, für Respekt, für Gerechtigkeit, gerade auch in der Medizin. Sehr geehrte Kolleg*innen, der feministische Kampf hat schon viel erreicht - das freut vielleicht nicht alle. Wir haben das Frauenwahlrecht erkämpft. Wir haben § 219a abgeschafft, damit Ärztinnen und Ärzte endlich frei und sachlich über Schwangerschaftsabbrüche informieren dürfen. Wir haben Gewalt gegen Frauen stärker geächtet und hier an dieser Stelle Schutzräume und sogar Schutzmaßnahmen geschaffen - ihr erinnert euch. Aber mal ehrlich: Wenn man sich das eben anhört, kann man sich nicht einfach zurücklehnen und sagen: Das reicht. - Nein, es reicht noch lange nicht! (Beifall von der SPD.) Wir kämpfen weiter für die Abschaffung von § 218, der Schwangerschaftsabbrüche immer noch kriminalisiert. Wir kämpfen für Parität, damit Frauen und Männer in den Parlamenten endlich gleich stark vertreten sind, nicht nur in unserer Fraktion. Wir kämpfen gegen jene, die versuchen, unsere Rechte zurückzudrehen. Das machen wir hier in einer Gemeinschaft. Darauf bin ich stolz! (Beifall von der SPD.) Sie haben es angesprochen: Schauen wir doch mal in die USA. Dort werden gerade hart erkämpfte, feministische Rechte mit Füßen getreten. Wer glaubt, dass das hier nicht passieren könnte, soll sich den Redebeitrag von eben noch mal anhören. Der hat nämlich die Augen vor der Realität verschlossen. Genau deshalb sage ich: Wir müssen wachsam sein, wir müssen laut sein und wir müssen entschlossen sein! (Beifall von der SPD.) Ich bin sehr dankbar für den Redebeitrag von meinem Kollegen Hermann Scharf, der damit ein starkes Zeichen gesetzt hat. Feminismus ist längst keine Frage des Geschlechts mehr. Das ist ein großer Fortschritt. In meiner Fraktion - so kann ich voller Stolz sagen - sind wir alle Feminist*innen, weil wir wissen, dass Feminismus uns alle weiterbringt. Es geht um Respekt und Gerechtigkeit für alle. Wissen Sie was? - Wir haben dabei alle Tassen im Schrank, die auch noch mit klarem Verstand und Gerechtigkeitssinn gefüllt sind. (Beifall von der SPD.) Trotz all dieser Errungenschaften gibt es immer noch unerträgliche Ungerechtigkeiten. Frauen sterben, weil ihre Symptome nicht ernst genommen werden und die Medizin immer noch auf den männlichen Körper ausgerichtet ist. Das ist kein Zufall, liebe Kolleg*innen, das ist ein strukturelles Versagen. Hierauf wurde schon in den vorherigen Redebeiträgen eingegangen. Wir haben diesen Antrag als SPD-Landtagsfraktion eingebracht. Ich möchte mich auch bei der CDU bedanken, dass sie unserem Antrag beigetreten ist, denn das ist ein Zeichen, dass wir hier geschlossen sind. Es gibt diesen Missstand. Wir fordern, dass die geschlechtersensible Medizin endlich in den (Abg. Klein (SPD)) Fokus der Gesundheitspolitik rückt. Unser Antrag fordert unter anderem eine umfassende Aufklärungskampagne zur Endometriose und einen besseren Zugang zu spezialisierten Behandlungszentren. Denn Frauen verdienen es, ernst genommen zu werden, und das nicht irgendwann, sondern jetzt. (Beifall von der SPD.) Meine Kollegin Christina Baltes hat sehr eindrücklich beschrieben, welche dramatischen Folgen diese Ungleichbehandlung für Frauen hat und wie groß das Leid der Betroffenen ist. Ja, sie hat recht, und auch Kollegin Wagner-Scheid hat es benannt: Wir brauchen endlich eine umfassende Endometriose-Strategie, denn dieser Schmerz darf nicht länger unsichtbar bleiben. Doch es geht keineswegs nur um Endometriose, wenn wir über geschlechtersensible Medizin reden. Wussten Sie, dass ein Herzinfarkt bei Frauen oft nicht erkannt wird? Das liegt nicht etwa daran, dass die Symptome so selten wären, sondern daran, dass sie in der Medizin lange nicht als „typisch“ galten. In den Lehrbüchern steht: Ein Herzinfarkt zeigt sich mit starken Schmerzen in der Brust, Ziehen in den Arm hinein. - Diese Symptombeschreibung kennt man, und sie trifft auch sehr oft zu - aber eben bei Männern. Bei Frauen hingegen äußert sich der Herzinfarkt häufig anders: Übelkeit, extreme Müdigkeit, Atemnot, ein Druckgefühl im Oberbauch. Aber genau diese weiblichen Symptome wurden in der medizinischen Ausbildung lange kaum gelehrt. Ärztinnen und Ärzte kennen diese deshalb sehr oft nicht. Genau das ist der Grund, weshalb Frauen viel häufiger als Männer an einem Herzinfarkt sterben. Das ist nicht etwa so, weil ihr Körper schwächer wäre, sondern weil unser Gesundheitssystem schlichtweg auf den männlichen Körper ausgerichtet ist. Das Problem reicht aber noch weiter: Selbst bei Medikamenten sehen wir diese Einseitigkeit. Viele Arzneimittel werden vor allem an Männern getestet, dies mit fatalen Folgen. Frauen verstoffwechseln diese Medikamente oft anders, die Folge sind höhere Nebenwirkungen und falsche Dosierungen. Das muss sich ändern. Ich bin froh, dass sich hierfür eine große Zustimmung im Parlament findet. Aber nehmen wir das Beispiel der Endometriose wieder auf, das meine Kollegin Christina Baltes schon treffend angesprochen hat. Eine meiner Freundinnen ist selbst betroffen. Sie kämpft sich jeden Tag durch den Alltag. Jahrelang litt sie unter Unterleibsschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung. Die Ärzte sagten: Das sei normal. Das bilde sie sich ein. Das seien Periodenschmerzen. - Nach acht Jahren voller Schmerz und Verzweiflung bekam sie endlich die Diagnose Endometriose. Acht Jahre voller Unverständnis, Ignoranz und voller Schmerz. Meine Freundin wie auch die Tochter von Christina stehen als Beispiele für Millionen Frauen in Deutschland. Während man in Frankreich längst eine nationale Endometriose-Strategie hat, besteht bei uns tatsächlich noch Nachholbedarf. Wir im Saarland haben aber begonnen, Verantwortung zu übernehmen. Ich möchte hier die Gleichstellungsstrategie nennen, die erste im Saarland. Auch das Zentrum für geschlechtsspezifische Biologie und Medizin stellt einen sehr wichtigen Schritt dar. Aber das allein reicht nicht aus: Der Bund muss handeln, es ist Zeit für eine langfristig angelegte bundesweite Endometriose-Strategie. Es ist Zeit für eine Medizin, die den weiblichen Körper ernst nimmt. Es ist Zeit für ein Gesundheitssystem, das alle Geschlechter gleich gut versorgt. Ich sage, und das tue ich sehr entschlossen: Es reicht! Es reicht, was die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden von Frauen angeht! Es reicht, was die Vorstellung angeht, dass Frauen medizinisch einfach „mal mitgemeint“ seien! Frauen haben ein Recht darauf. Wer die Hälfte der Bevölkerung darstellt, hat auch das Recht auf die Hälfte der Aufmerksamkeit in Forschung, Medizin und Gesundheitsversorgung. - Ich möchte mich nun mit feministischen Grüßen verabschieden. Ich hoffe auf eure Zustimmung zu diesem tollen Antrag. Vielen Dank! (Beifall von der SPD und bei der CDU.)

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