Christine Ursula Streichert-Clivot
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Bickelmann von der Landesmedienanstalt des Saarlandes! Sie sind schon eine Weile hier und verfolgen jetzt die Diskussion rund um diese beiden Anträge. - Unsere Kinder und Jugendlichen wachsen in einer Welt auf, die sich rasant digital weiterentwickelt. Soziale Medien, aber auch künstliche Intelligenz sind, ob uns das nun gefällt oder nicht, in den Kinderzimmern dieser Republik angekommen und auch Teil des Alltags der Kinder. Digitalisierung ist kein Trend, sondern sie ist Realität. Deshalb ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche auf diese Herausforderungen der digitalen Welt vorbereitet sind, denn die digitale Welt ist nicht nur Kür, sondern sie ist tatsächlich auch Pflicht und eine pädagogische Notwendigkeit. Unsere Schulen sind die Orte, an denen die Zukunft unserer Gesellschaft gestaltet wird. Sie sind die Werkstätten für kluge Köpfe, für kreative Denkerinnen und Denker, für die Fachkräfte von morgen. Doch ohne digitale Kompetenzen wird Teilhabe an dieser Zukunft schwierig, und es darf auch keine Frage der sozialen Herkunft sein. Meine sehr verehrten Damen und Herren, beste digitale Bildung muss allen Schülerinnen und Schülern offenstehen. Diese Landesregierung hat das bereits früh erkannt und auch massiv investiert. Bis 2024 hat die Landesregierung rund 137 Millionen Euro in die digitale Ausstattung unserer Schulen investiert, davon alleine 55,4 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt. Mit diesen Investitionen haben wir das Saarland bundesweit zu einem Vorreiter in der digitalen Bildung gemacht, und darauf bin ich auch stolz! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, der DigitalPakt 2.0 ist ein kommunales Infrastrukturprogramm, für das ich mich ziemlich lautstark eingesetzt habe; das gilt auch für den Digital-Pakt 1.0. Ich hoffe, dass all diejenigen, die in der Zukunft in der Bundesregierung Verantwortung tragen, sich an das erinnern werden, was sie in diesem Plenum diskutiert haben, und dass sie ebenfalls die Kommunen in ihrer Aufgabenwahrnehmung unterstützen werden. (Beifall von der SPD.) Die Landesweite Systematische Medienausleihe wäre ohne die Zusammenarbeit mit den Kommunen nicht möglich gewesen. Insgesamt 100.000 Endgeräte sind saarlandweit an allen 327 Schulen im Einsatz. Damit ist das digitale Lernen nicht mehr die Ausnahme, sondern es ist die Regel, egal ob in Gemeinschaftsschulen, Gymnasien, beruflichen Schulen oder eben auch Grundschulen. Sehr geehrte Damen und Herren, gerade vor dem Hintergrund, dass digitale Medien und auch KI-gestützte Anwendungen in den Kinderzimmern angekommen sind, sollten wir alle Energie darauf verwenden, den Umgang damit und die Nutzung zu prägen, und zwar altersgerecht. Digitale Bildung braucht einen geschützten Raum. Unsere Schülerinnen und Schüler und unsere Lehrkräfte müssen sich sicher im digitalen Raum bewegen können. Sie hinterlassen dort Daten, die nicht ohne Interesse sind, auch für kommerzielle Anbieter. Deswegen haben wir im letzten Jahr mit dem Schulwesen-Datenschutzgesetz ein starkes Fundament geschaffen. Hierüber ermöglichen wir allen Kindern und Jugendlichen im Übrigen auch die Teilnahme am Unterricht über Avatare. Dies wird gerade dann eingesetzt, wenn Kinder aufgrund einer Erkrankung nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, aber die soziale Gruppe der Klasse und der Kontakt zu Mitschülerinnen und Mitschülern wichtig bleibt. Der Einsatz digitaler Medien sorgt für Teilhabe am Unterricht für alle. In einem weiteren Bereich sind wir an der Spitze der Bundesländer: Seit dem Schuljahr 2023/2024 ist das Fach Informatik Pflicht für alle Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7, und zwar an den Gemeinschaftsschulen und den Gymnasien. Ohne die große Bereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen hätten wir dieses Fach nicht mit voller Schlagkraft umsetzen können. Insgesamt 230 Lehrkräfte haben bis jetzt eine zweijährige Fortbildungsreihe durchlaufen, um in diesem Fach mit Schüler*innen den Einstieg in die Welt der Informatik umzusetzen, um die Bedeutung von Algorithmen zu erlernen und wie sie unser Leben an vielen Stellen für uns auch unbewusst steuern. Nicht nur an den weiterführenden Schulen, sondern bereits in den Grundschulen wird digitale Bildung konsequent vermittelt. Schon in der dritten und vierten Klasse lernen unsere Kinder den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien. Sie arbeiten mit schulgebundenen Tablets, nutzen digitale Schulbücher und Lern-Apps. So sorgen wir dafür, dass kein Kind den Anschluss an die digitale Welt verliert. Weil wir hier einen behutsamen Zugang gewählt haben, arbeiten wir in enger wissenschaftlicher Begleitung durch die Universität des Saarlandes. Sehr geehrte Damen und Herren, genau deshalb, weil Handys im Unterricht nichts verloren haben, verbieten unsere Grundschulen im Rahmen ihrer Schulordnung die private Nutzung von digitalen privaten Endgeräten, Mobiltelefonen und Smartwatches auch im Schulalltag. Das regeln sie gerade in den Grundschulen auch kindgerecht. Ich zitiere einige Auszüge aus Schulordnungen: Wenn ich ein Handy oder eine Smartwatch mitbringe, müssen diese während des gesamten Schulmorgens, auch in den Pausen, ausgeschaltet sein. - Mein Handy beziehungsweise meine Smartwatch bleibt während der Schulzeit in der Schultasche. - Kaugummis sind nicht erlaubt, Handys auch nicht. - Wir bringen keine Handys, MP3-Player oder Spielkonsolen mit zur Schule. - Das sind also alles Selbstverständlichkeiten, die heute schon in unseren Grundschulen umgesetzt werden, über die wir hier diskutieren. Unsere Grundschulen melden uns, dass durch die Regelungen und deren Kontrolle die Kinder sich bewusst sind, dass das Handy im Unterricht nichts verloren hat. In den Fällen, wo das Handy aufgrund einer medizinischen Indikation notwendig ist, finden Schulen individuelle Lösungen. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, was ist denn unser gemeinsames Ziel? Kinder lernen den konstruktiven Umgang mit digitalen Endgeräten in den Schulen. Sie lernen ganz gezielt, wie sie in ihrem individuellen Lernprozess unterstützt werden können, es geht doch gerade nicht um den bloßen Konsum von Inhalten. Das tun unsere Schulen übrigens nicht erst, seitdem die Debatte hier im Landtag angekommen ist, sondern bereits seit 2019 gilt im Saarland das Basiscurriculum Medienbildung. Es gilt für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 1 bis Klasse 10. Kinder in den Klassen 1 bis 4 lernen auf dieser Basis den konstruktiven Umgang mit digitalen Medien. Sie lernen, wie sie ihre Medienausstattung reflektiert anwenden und mit dieser verantwortungsvoll umgehen. Sie lernen, zwischen eigenen und fremden Daten zu unterscheiden und dass es eine Notwendigkeit zum Schutz der Privatsphäre gibt. Sie lernen Kindersuchmaschinen kennen und sie lernen, Kinderportale zu nutzen. Sie lernen, dass grundlegende Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens auch in der digitalen Welt anzuwenden sind. Sie lernen, dass sie sich mit der nachteiligen Wirkung der intensiven Mediennutzung auseinandersetzen müssen und den eigenen Mediengebrauch zu regulieren. Der Bildungscampus des Saarlandes flankiert dies mit einem Qualifizierungsangebot an den Grundschulen, dessen Inhalte sich am Basiscurriculum Medienbildung orientieren. Allein dieses Beispiel zeigt doch, dass wir bereits heute passgenaue Fortbildungen anbieten, übrigens im gesamten Fachbereich Medienbildung und Digitalisierung. Es gibt Fortbildungen genau an den Stellen, die heute in der Debatte angesprochen wurden, zum Beispiel über die Gefahren der Verbreitung pornographischer Inhalte über WhatsApp, TikTok und Co. Es lassen sich aber auch ganz konstruktive Inhalte finden wie beispielsweise der Umgang mit informatischer Grundbildung in der Primarstufe, das Ausbildungsmodul der Informatik und vieles mehr. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben in der Sache digitaler Bildung bereits viel erreicht, aber wir werden nicht stehen bleiben und uns gar ausruhen. Gerade um unsere Kinder und ihre Zukunft, um die Zukunft des Saarlandes ist es gut bestellt, wenn wir gemeinsam zusammenarbeiten. Lassen Sie uns daran weiterarbeiten, dass unsere Schulen modern, sicher und digital bestens ausgestattet sind. Mit unserer Digitalisierungsstrategie sind wir nah an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen und nah an der sehr dynamischen Entwicklung der digitalen Welt. Jede Schülerin und jeder Schüler wird auf dem neuesten Stand der Technik sein und den Zugang zum bestmöglichen digitalen Kontext erhalten. Wir tun dies, weil wir Kinder unabhängig vom finanziellen oder sozialen Status ihrer Familien fördern wollen. Unsere Kinder und Jugendlichen sind es uns wert. - Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD.)
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