Martina Holzner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Digitale Tafeln statt Kreide, Hausaufgaben auf der digitalen Lernplattform OSS hochladen, ein Video mit dem Handy aufnehmen, mit KI arbeiten - all das ist doch längst Realität bei un- (Abg. Holzner (SPD)) seren Kindern und Jugendlichen. Sie wachsen in einer Welt auf, die immer digitaler wird. Digitale Bildung bestimmt, wie wir arbeiten, lernen und kommunizieren. Die Schule ist der zentrale Ort, an dem Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen und Herausforderungen des Lebens und des modernen Arbeitsmarktes vorbereitet werden. Ohne grundlegende digitale Kompetenzen ist eine aktive Teilhabe an unserer Gesellschaft kaum noch möglich. Deshalb müssen und wollen wir sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler im Saarland gleichermaßen an digitaler Bildung teilhaben und ihre Medienkompetenz stärken, damit sie sich souverän und sicher in der digitalen Welt bewegen können. Wir als SPD-Fraktion setzen ein klares Zeichen. Darum geht es in unserem Antrag. Wir wollen eine chancengerechte, nachhaltige und zukunftsorientierte digitale Bildungsstruktur im Saarland. (Beifall von der SPD.) Deshalb müssen wir unsere Schulen so aufstellen, dass alle Kinder und Jugendlichen die digitalen Kompetenzen erwerben, die sie für ihren Alltag und ihre Zukunft brauchen, unabhängig davon, ob es um Medienkonsum, Fake News oder KI geht. Das hat die Landesregierung in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben. Wir haben massiv in die digitale Ausstattung der Schulen investiert - insgesamt 137 Millionen Euro bis 2024. Alle Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen und die dritten und vierten Klassen der Grundschulen, die sich, wie Sie wissen, in wissenschaftlicher Begleitung befinden, sind mit Tablets oder Laptops ausgestattet, auch die Lehrkräfte. Ganze 100.000 Geräte sind an unseren Schulen im Einsatz. Die Tablets sind bereits mit der OSS, der Lernplattform Online-Schule Saarland, digitalen Schulbüchern und Lern-Apps ausgestattet, damit man direkt im Unterricht loslegen kann. Das ist eine große Erleichterung. Denken Sie einmal ein paar Jahre zurück und schauen Sie sich die Entwicklung heute an. Wer Kinder hat, weiß, wovon ich rede. Wir haben Avatare für kranke Kinder möglich gemacht, und zwar durch das Schulwesen-Datenschutzgesetz. Es gibt Distanzunterricht bei Hochwasser und die Möglichkeit neuer Gesetzgebung. Mit der Landesweiten Systematischen Medienausleihe Saar, kurz LSMS, wird eines der größten Modernisierungsprojekte in der saarländischen Bildungspolitik umgesetzt, das bundesweit Vorbildcharakter hat. Wir haben Informatik als Pflichtfach ab Klassenstufe 7 eingeführt. Haben Sie sich einmal angesehen, was die Kinder dort lernen? - Programmieren, verschlüsseln und vieles mehr. Digitale Bildung ist also längst fest in den Lehrplänen der Schulen verankert. Schülerinnen und Schüler lernen bereits den Umgang mit KI, wie man Fake News erkennt oder wie man seine Daten bei Social Media schützt. All das zeigt, dass das Saarland zu Recht Spitzenreiter in der digitalen Bildung ist. (Beifall von der SPD.) Nun hört man von der CDU die Forderung nach einem pädagogischen Gesamtkonzept für digitale Medien. Frau Schmitt-Lang, Kolleginnen und Kollegen, da frage ich mich: Haben Sie die letzten Jahre verschlafen? (Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) Das Konzept steht längst. Schülerinnen und Schüler arbeiten mit ihren Tablets. Die datenschutzrechtliche Grundlage für die LSMS wurde in den letzten Jahren geschaffen. In diesem Jahr folgt das Gesetz zur digitalen Bildung an saarländischen Schulen. Inhalt des Gesetzes sind unter anderem verpflichtende Medienkonzepte, die die Schulen erstellen. Meine Kollegin Sevim Kaya-Karadağ wird noch darauf eingehen. Am Bildungscampus finden jede Menge Fortbildungen auch im Bereich der digitalen Bildung für Lehrkräfte statt. Es reicht nämlich nicht aus - da gebe ich Ihnen recht -, die Tablets zu verteilen. Lehrerinnen und Lehrer müssen wissen, wie sie diese sinnvoll im Unterricht einsetzen. Genau deshalb wurden die Fortbildungsangebote seit dem Jahr 2020 erheblich ausgeweitet. Es gibt gezielte Schulungen, die individuell auf die Bedürfnisse der Schulen zugeschnitten sind, Seminare für interaktive Tafeln, Endgeräte, die Nutzung der Online-Schule Saar, pädagogische Tage zur digitalen Unterrichtsgestaltung und vieles mehr. Wer immer noch glaubt, dass hier eine Lücke besteht, sollte sich vielleicht einmal selbst eines der Fortbildungsangebote ansehen. (Zurufe von der CDU.) Unsere Lehrkräfte sind also längst auf einem sehr, sehr guten Weg. Diesen werden wir weiterführen und fortsetzen. (Beifall von der SPD.) Dann kommt noch die CDU-Forderung nach Leitlinien für den Umgang mit digitalen Medien für die saarländische Bevölkerung. Ich gebe Ihnen recht, Eltern sind sicherlich Vorbilder für ihre Kinder. Auch wir beobachten, wie vertieft Eltern beispielsweise auf Spielplätzen oder in Schwimmbädern beim Blick auf ihre Handys oft sind. Wir beobachten, dass Kinder im Kleinkindalter den Umgang und das Wischen am Smartphone oft besser beherrschen als das Umblättern einer Buchseite. Aber glauben Sie ernsthaft, dieses Problem können wir mit Leitlinien der saarländischen Landesregierung lösen? (Zuruf der Abgeordneten Schmitt-Lang (CDU).) (Abg. Holzner (SPD)) Ich glaube, mit einer solchen Methodik erreichen wir die, die wir damit erreichen wollen, überhaupt nicht. Was wir aber können, ist, dafür zu sorgen, dass die Kinder in unseren Schulen einen verantwortungsbewussten Umgang und das Zurechtfinden in der digitalen Welt erlernen und Eltern in Schulen, aber auch schon im frühkindlichen Bereich sensibilisiert werden, was den Umgang mit Medien angeht. Viel wichtiger als starre Leitlinien ist, wie ich es oben schon beschrieben habe, die gezielte Aufklärung - um zurück auf die Schulen zu kommen - in der Lehrerfortbildung, der Zusammenarbeit mit Eltern, Programmen der Elternbildung und Medienkonzepten. Meine Damen und Herren, diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen. (Beifall von der SPD.) Ein Thema, das seit dem letzten Jahr oft diskutiert wird - Sie haben es eben auch schon aufgeworfen -, ist die Handynutzung an Schulen, insbesondere in Grundschulen. Handys sind aus dem Alltag unserer Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Auch in den Grundschulen und sogar in Kindertageseinrichtungen sind sie immer häufiger zu finden. Wir haben hier eine klare Meinung. Handys haben in Grundschulen im Ranzen zu sein, nicht im Gebrauch der Kinder. Das haben wir auch nie anders gesagt. (Beifall von der SPD.) Diese Regel können Grundschulen bereits jetzt umsetzen. Das tun sie auch. Denn es ist unbestreitbar, dass eine unkontrollierte und unbegrenzte Nutzung privater Handys negative Auswirkungen auf die soziale und kognitive Entwicklung von unseren Kindern haben kann. Deshalb ist unsere Forderung, dass alle Grundschulen gewährleisten sollen, dass die Nutzung von Handys während des Schulbetriebs untersagt ist, sinnvoll. Wir wollen allerdings kein striktes und totales Verbot. Wir wollen weiterhin gewährleisten, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, sich im Notfall zu melden - sei es natürlich auch über das Sekretariat der Schule oder eben auf dem Schulweg. Denn wenn der Bus mal nicht kommt, ein Kind irgendwo steht oder die Eltern im Stau stehen und es später wird, ist nachvollziehbar, dass man sich bei seinem Kind oder bei der Schule melden möchte. Wir wollen weiterhin - dieser Aspekt ist uns auch sehr, sehr wichtig -, dass Lehrerinnen und Lehrer mit Blick auf den Schutz von Kindern Fortbildungsangebote zum Schutz von Kindern im digitalen Raum wahrnehmen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, für uns ist klar, die digitale Bildung bringt enorme Chancen, aber sie muss gestaltet werden. Wir tun dies mit einer durchdachten, altersgerechten und nachhaltigen Strategie, die bereits viele Forderungen - Frau Schmitt-Lang -, die auch Ihr Antrag beinhaltet, aufgreift. Ein wichtiger Schritt war hier - das ist auch ein wichtiger Schritt für das nächste Gesetz - die Einigung beim Digitalpakt 2.0. Hätte sich unsere Bildungsministerin nicht für eine Einigung beim Digitalpakt 2.0 eingesetzt, würden wir heute noch darauf warten. Vielen Dank, liebe Christine Streichert-Clivot, für deinen Einsatz als Präsidentin der Kultusministerkonferenz. (Beifall von der SPD.) Die zukünftige Bundesregierung muss den Weg freimachen, damit die dringend benötigten Bundesmittel tatsächlich in die Länder fließen, sodass wir im Saarland unseren Weg fortführen und digitale Bildung an unseren Schulen in gleicher Qualität voranbringen können. Ich bitte daher um Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank. (Beifall von der SPD.)
