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Réka Klein

SPD 22.01.2025 Sitzungen 17/33

Vielen Dank. Mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin, möchte ich mit einem Zitat aus einem Lied beginnen, das vielleicht dem einen oder anderen bekannt ist. Ich verspreche auch, ich singe nicht: „Doch du redest nur von Einsamkeit und dass die Sonne für dich nicht scheint. Komm und gib mir deine Hand, ich führe dich durch unsere Straßen. Ich zeig‘ dir Menschen, die wirklich einsam sind.“ Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleg*innen! Die Zeilen aus dem Lied „Straßen unserer Stadt“ gehen mir persönlich nicht aus dem Kopf, wenn ich darüber nachdenke, wie die gesellschaftlichen Debatten in der heutigen Zeit geführt werden. Viele Menschen fühlen sich abgehängt, behaupten, dass die Sonne für sie nicht mehr scheint. Das mag in vielen Fällen stimmen, denn die Zeiten sind herausfordernd - für jeden und jede von uns. Aber dabei dürfen wir den Blick für diejenigen nicht verlieren, die wirklich alleine sind, die leisen Menschen, die im Schatten stehen. „Komm und gib mir deine Hand, ich zeig‘ dir Menschen, die wirklich einsam sind.“ Diese Zeilen treffen leider auch in unserem schönen Saarland zu, besonders, wenn wir auf die Straßen und auf die Notunterkünfte blicken. Liebe Kolleg*innen, eine der existenziellsten Formen von Armut ist der Verlust des eigenen Zuhauses. Im Saarland sind laut Wohnungslosenbericht 2.805 Menschen wohnungslos, ein Drittel davon sind Frauen. Wohnungslosigkeit hat ein weibliches Gesicht. Dieses weibliche Gesicht führt zu speziellen Herausforderungen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Fast 80 Prozent der wohnungslosen Frauen ohne Unterkunft haben Gewalterfahrungen gemacht. Frauen erleben nämlich Wohnungslosigkeit anders als Män- (Abg. Klein (SPD)) ner. Sie meiden häufig gemischte Notunterkünfte aus Angst vor Übergriffen, sie suchen verstärkt nach anderen Lösungen. Sie geraten in die verdeckte Wohnungslosigkeit, wo aber leider oft Abhängigkeiten und Gewalt zum Alltag gehören. Frauen erleben die Wohnungslosigkeit also anders als Männern. Sie meiden diese Stellen. Genau das ist der Grund, warum dieser Antrag so wichtig ist. Wir knüpfen an unseren Antrag zum Internationalen Frauentag 2024 an und stellen heute erneut klar: Wohnungslosigkeit braucht geschlechtersensible Lösungen. (Beifall von der SPD.) Es reicht nicht aus, bestehende Angebote für alle zu öffnen. Frauen, insbesondere junge und alleinerziehende Frauen, brauchen Schutzräume, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Mit unserem Antrag fordern wir, Housing First zu verstetigen und auch dieses Angebot speziell für Frauen zu prüfen. Ich möchte kurz erklären, was Housing First ist: Menschen zuerst in eine eigene Wohnung bringen, denn eine eigene Wohnung ist der erste Schritt in ein sicheres und selbstbestimmtes Leben. Es geht um Schutzräume und spezialisierte Unterstützungen. Frauen brauchen sichere Rückzugsorte, ergänzt durch Beratung und psychosoziale Begleitung. Wichtig sind hier Prävention und niedrigschwellige Angebote. Andere Länder wie Finnland zum Beispiel zeigen uns, dass es funktioniert. Wohnungslosigkeit kann durch Housing First signifikant reduziert werden. Es ist Zeit, dass wir diesen Ansatz im Saarland noch mehr fördern und gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen zuschneiden. Wenn Frauen ihr Zuhause verlieren, haben sie oft keinen sicheren Ort mehr und bleiben für die Gesellschaft unsichtbar. Genau das ist das Problem, liebe Kolleg*innen. Es gibt zu wenig Schutzräume und gezielte Hilfsangebote, die speziell auf die Frauen in Wohnungsnot eingehen. Deshalb fordern wir, dass auch Frauen vom Housing-First-Ansatz profitieren, also sofort eine Wohnung bekommen, ohne erst bestimmte Bedingungen erfüllen zu müssen. Denn Wohnen, meine lieben Kolleg*innen, ist ein Grundrecht für alle. (Beifall von der SPD.) Ich möchte betonen, dass Wohnungslosigkeit kein persönliches Versagen ist, sondern ein Problem, das durch unser System entsteht. Deshalb müssen Politik, Ehrenamt und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um diese Frauen sichtbar zu machen und zu zeigen, was sie verdienen: Sicherheit und Unterstützung für ein würdevolles Leben. Auch wenn wir solche Projekte schon im Saarland haben, müssen wir sie noch weiterentwickeln. Ich möchte eine besonders wichtige und grundlegende Verbesserung hervorheben: Frauen in akuter Wohnungsnot können sich an EL-LEfriede und TafF wenden. ELLEfriede ist eine Notschlafstelle für Frauen ab 18 Jahren, die kein Dach mehr über dem Kopf haben. Sie können dort bis zu vier Nächte bleiben, sicher und geschützt. Jeden Abend zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr können sie einfach vorbeikommen, ganz unbürokratisch und sicher. Stellen Sie sich einfach mal vor: Maria, 28 Jahre alt, hatte eine Wohnungsräumung und hat jetzt keinen sicheren Ort mehr, an den sie gehen kann. Sie hat nur eine einzige Tasche und keine Idee, wo sie die Nacht verbringen kann, weil es auch schambehaftet ist. In einer solchen Situation bietet ihr ELLEfriede - ich betone das „ELLE“, denn wir sprachen heute schon über die Frankofonie - schnelle und unbürokratische Hilfe. Für Maria bedeutet das, sie hat Zeit, zur Ruhe zu kommen, und die Unterstützung, um die nächsten Schritte in ihrem Leben zu gehen. Wenn sie weiter Hilfe benötigt, kann sie diese bei TafF erhalten. TafF ist ein Tagestreff, der Frauen bei allem hilft, was im Alltag schwierig ist. Ob Wohnungssuche, Behördentermine oder persönlichen Probleme, hier gibt es Unterstützung. Außerdem ist es ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann, wenn man auf der Straße lebt und gar nicht weiß, wohin. Beide Projekte sind da, wenn Frauen Hilfe brauchen - schnell, unkompliziert und herzlich. Sie geben nicht nur Unterstützung, sondern auch Mut für einen Neuanfang. Zuletzt gilt mein Dank ganz ausdrücklich allen Akteur*innen im Saarland, die sich bereits jetzt und in der Vergangenheit dafür engagiert haben. Ich möchte mir dafür ausdrücklich Zeit nehmen und Peter Becka vom Kältebus ganz herzlich hier im Hohen Haus willkommen heißen. Schön, dass Sie da sind und sich für diese Debatte Zeit nehmen. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Liebe Kolleg*innen, kein Antrag und keine politische Entscheidung kann allein wirken. Die Arbeit vor Ort, die tagtäglich geleistet wird, ist das Rückgrat der Wohnungslosenhilfe. Auch hier möchte ich die ehrenamtliche Hilfe hervorheben. Ohne euch geht nichts. Danke für euren Einsatz. (Beifall von der SPD.) Ja, da kann man ruhig mal klatschen. Ich danke den vielen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen. Die Hauptamtlichen, die in den Projekten tätig sind und anpacken, wo es nur geht, darf man auch nicht vergessen. Mein Dank gilt ebenso den Wohlfahrtsverbänden, freien Trägern und kommunalen Stellen, die mit viel Engagement und Herzblut für wohnungslose Menschen im Saarland arbeiten. Ein besonderer Dank gilt dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit unter der Leitung von Minister Magnus (Abg. Klein (SPD)) Jung. Ihre Unterstützung und ihr Einsatz geben den Akteuren vor Ort Rückhalt und schaffen die Basis für neue Initiativen. Ihr Engagement zeigt: Das Saarland nimmt seine soziale Verantwortung ernst. (Beifall von der SPD.) Jetzt, liebe CDU, stimmen Sie bitte unserem Antrag zu. Zeigen Sie, dass wir gemeinsam an der Seite der Landesregierung die soziale Verantwortung ernst nehmen. Ich reiche Ihnen die Hand. - Danke schön. (Beifall von der SPD.)

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