Julia Harenz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Als Sportlerin weiß ich, wie entscheidend gute Trainerinnen und Trainer für den Erfolg sind; mein Kollege Herr Waldraff ist gerade darauf eingegangen. Sie sind die Basis für unsere Entwicklung. Sie inspirieren, fördern und fordern uns. Als frischgebackene Mutter denke ich oft daran, wie wichtig diese Menschen für die nächste Generation sind. Unsere Kinder brauchen Vorbilder, die sie an die Hand nehmen und ihnen die Freude am Sport vermitteln. Ein Trainer oder eine Trainerin - das wurde eben schon erwähnt - ist weit mehr als jemand, der nur sportpraktisches Wissen und motorische Fertigkeiten vermittelt. Sowohl in der Jugendarbeit als auch bei erwachsenen Sportlerinnen und Sportlern ist ein Trainer oder eine Trainerin eine wichtige Bezugsperson. Besonders in der Jugendarbeit fungiert er oder sie oft als die wichtige zentrale Bezugsperson neben den Erziehungsberechtigten. Themen, die mit den Erziehungsberechtigten nicht besprochen werden können, finden dort Gehör. Das habe ich selbst in meiner jahrelangen Trainerzeit immer wieder erlebt. Ob es der erste Liebeskummer, Streit mit den Eltern oder mit der besten Freundin oder dem besten Freund ist, Probleme in der Schule - als Trainer oder Trainerin wird man häufig um Rat gefragt. Damit trägt man wesentlich zur Persönlichkeitsbildung der Kinder bei. (Vizepräsidentin Baltes übernimmt die Sit- zungsleitung) Doch im Saarland stehen wir, wie bereits angedeutet, vor einem Problem. Viele Trainerinnen und Trainer und auch die Vereine können sich die teuren Aus- und Fortbildungen nicht mehr leisten. Sie kosten oft mehrere Tausend Euro. Wenn mir mein Verein damals im Studium die C ‑ Trainerlizenz nicht bezahlt hätte, hätte ich mir diese nicht leisten können. Im Bereich der Leichtathletik kann eine Fortbildung auch einmal bis zu 3.500 Euro kosten. Das können sich viele nicht leisten. Dadurch verlieren wir hochqualifizierte, motivierte Trainerinnen und Trainer und am Ende auch die Athletinnen und Athleten. Aber wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann wissen wir, dass nicht nur das fehlende Geld für Trainerausbildung für den Trainermangel sorgt. Als ehrenamtlicher Trainer oder ehrenamtliche Trainerin im Verein investiert man viel Zeit; Zeit, die neben Beruf und Familie sehr rar gesät ist. Oft fehlt es insbesondere mit Beginn der Ausbildung, des Studiums oder auch nach Gründung einer Familie gerade an dieser Zeit. Daher möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, um den Akteuren im Saarsport zu danken. Dazu zählen neben den vielen Trainerinnen und Trainern selbstverständlich auch die Betreuerinnen und Betreuer und alle anderen, die oft im Hintergrund tätig sind. Die zeitlichen Ressourcen der Menschen sind begrenzt. Daran können wir als Politik auch nichts ändern. Aber wir können als Politik Rahmenbedingungen schaffen, dass finanzielle Hürden abgebaut werden. Dazu gibt es bereits kluge Vorschläge, wie wir dem Problem des Trainermangels entgegenwirken können. Unter anderem zählt dazu die finanzielle Unterstützung für A-Trainer, die mit unseren Kaderathleten arbeiten. Warum sollte jemand, der unsere zukünftigen Olympioniken trainiert, für seine Ausbildung komplett auf den Kosten sitzen bleiben? Eine Mindestvergütung von 20 Euro pro Stunde steht für nebenamtliche Trainer im Raum. Oft arbeiten sie für ein Trinkgeld oder komplett unentgeltlich und das, obwohl sie - wie eben schon von Patrick Waldraff gesagt - sehr viel Verantwortung tragen. Individuelle Förderung von Diplomtrainern, die nicht nur Wissen weitergeben, sondern Spitzenleistungen möglich machen, ist ein Thema, genauso wie Hospitationen bei Bundesligisten oder Kaderlehrgänge, damit unsere Trainerinnen und Trainer von den Besten lernen können. Hier hat unsere Landesregierung schon gehandelt. 100.000 Euro wurden bereitgestellt, um diese Förderung zu ermöglichen. Das ist ein guter Anfang, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall von der SPD.) Das Sportministerium arbeitet bereits mit Hochdruck an einer umfassenden Traineroffensive. Ein Thema liegt mir persönlich besonders am Herzen: die finanzielle Entlastung unserer Vereine nicht nur im Sport, sondern allgemein im Ehrenamt. Es ist Zeit, dass wir Lösungen finden, wie zum Beispiel bei den GEMA-Gebühren. Diese Entlastung wäre ein wichtiger Schritt und würde einigen Vereinen helfen, am Leben zu bleiben. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass der Sport im Saarland Zukunft hat, damit Kinder, die heute zum ersten Mal einen Ball in der Hand haben oder die Bühne oder die Laufbahn (Abg. Harenz (SPD)) betreten, Trainerinnen und Trainer finden, die sie auf ihrem Weg begleiten. Die Trainerinnen und Trainer sollen nicht mit finanziellen Sorgen wegen ihrer Trainertätigkeit kämpfen müssen, sondern mit Leidenschaft und Expertise unsere Sportlerinnen und Sportler fördern können. Die Überschrift des Antrages „Für eine echte Traineroffensive im Saarsport“ suggeriert aber, dass unserer Landesregierung und insbesondere unserem Sportminister Reinhold Jost das Thema Sport und Trainer nicht am Herzen liegt. Es suggeriert leider, dass in diesem Bereich halbherzig gearbeitet wird. Das Gegenteil ist der Fall! Das haben meine Ausführungen bereits verdeutlicht. Unser Sportminister Reinhold Jost und sein Team im Ministerium arbeiten eng und gut mit entsprechenden Akteuren, egal ob Vereine, Verbände oder LSVS, zusammen. Die wiederholten Treffen zwischen dem Sportminister und zum Beispiel dem SLB-Präsidenten Lothar Altmeyer verdeutlichen die hohe Priorität des Saarsports. Ebenfalls Beleg für die Priorität des Sports ist, dass sich das Saarland als Bundesland um die Austragung der Special Olympics 2026 beworben und sich gegen Nürnberg durchgesetzt hat. Der Antrag deutet weiter an, dass der Saarsport wenig Unterstützung durch das Land erhält. Wie wir wissen, ist dem mitnichten so. Der LSVS hat im Jahr 2023 beispielsweise 210.000 Euro an direkten Zuwendungen erhalten. Das sind wohlgemerkt 90.000 mehr als im Jahr 2022. Auch bei den sonstigen Zuwendungen, beispielsweise für besonderes ehrenamtliches Engagement im Sport oder für Projekte der Inklusion und Integration, sprechen wir über fast mehr als 200.000 Euro, die seit 2023 verausgabt wurden. Weiter zu nennen sind die Titel Anerkennungskultur des Ehrenamts und des Sports mit jeweils rund 25.000 Euro in den Jahren 2024 und 2025. Für Auszeichnungen und Ehrungen sind jeweils rund 205.000 Euro für 2024 und 2025 vorgesehen. Nicht zuletzt bleibt das kontinuierlich hohe Niveau bei Zuwendungen an den Spitzensport. Diese Gelder werden von der Landesregierung unabhängig vom Sportachtel in den Saarsport investiert. Das sind gut angelegte Gelder. Das zeigt deutlich, das Ministerium für Inneres, Bauen und Sport ist sich der Bedeutung des Sports für Gesundheit und Gesellschaft bewusst. (Beifall von der SPD.) Diese Landesregierung hat gezeigt, dass ihr der Sport im Saarland wichtig ist. Wie ich beschrieben habe, wurden die Haushaltsmittel für den LSVS, für die Sportfachverbände und auch für die Vereine erheblich erhöht. Die Zahlen sprechen für sich und es gibt eine klare Vervielfachung im Vergleich zu den Vorjahren. Wir können uns jetzt schon sicher sein: Weitere konkrete Projekte werden folgen. Der Bedarf an gut ausgebildeten Trainern ist leider nicht erst seit der SPD-Alleinregierung 2022 bekannt. Den Bedarf gibt es schon länger. Jahrelang hieß es, eine Trainerförderung sei aus Haushaltsmitteln nicht möglich. Unsere Landesregierung geht das nun an und baut ein Fördersystem für Trainerinnen und Trainer, das den Bedürfnissen unserer Sportlerinnen und Sportler heute und auch in Zukunft gerecht wird. Bei der Sportministerkonferenz und der DOSB-Mitgliederversammlung hat sich der Sportminister Best-Practice-Beispiele angeschaut und wertvolle Schlüsse für die Erarbeitung einer Traineroffensive gezogen. In der Traineroffensive, die gerade vom Ministerium erarbeitet wird, wird selbstverständlich auch der Leistungssport eine wichtige Rolle spielen. Im Austausch zwischen dem Sportministerium und dem LSVS und den Dachverbänden wird kontinuierlich gemeinsam nach konstruktiven Lösungen bei neuen Herausforderungen gesucht. Lassen Sie uns das Konzept zur Traineroffensive anschauen, wenn es ausgearbeitet ist, dann können gerne konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Wir arbeiten nämlich gemeinsam und in dem Fall auch sehr gut mit der CDU und mit der Landesregierung zusammen, damit wir zügig und zielgerichtet eine Lösung für die Sportfamilie im Saarland bekommen. Dieser Antrag war aber gar nicht notwendig, denn wie bereits gesagt, arbeitet das Ministerium mit Hochdruck an Lösungen und deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. (Beifall von der SPD.)
