Patrick Waldraff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wie man dem Antrag unschwer entnehmen kann, geht es um die Situation der Trainerinnen und Trainer im Saarsport. Ich will am Anfang die Bedeutung von Trainerinnen und Trainern hervorheben, obwohl diese wahrscheinlich vielen bekannt ist, weil sie in Vereinen aktiv sind. Trainer spielen logischerweise sowohl im Breitensport als auch im Leistungssport eine ganz herausragende Rolle. Sie sorgen dafür, dass in den Vereinen die Sportangebote vorgehalten werden können. Sie vermitteln natürlich über das Sportfachliche hinaus Werte, über die wir hier schon häufig gesprochen haben. Diese Werte kann der Sport vermitteln, aber die Trainerinnen und Trainer leisten auch enorm viel im Bereich Integration und Inklusion durch Sport. Von daher sind sie sehr bedeutend, um das ganze Sportgeschäft vor Ort am Laufen zu halten. Mindestens genauso bedeutend sind die Trainerinnen und Trainer, was den Leistungssport anbelangt. Ich habe im Antrag formuliert, dass ohne Trainer dort gar nichts geht. Man kann natürlich nicht irgendwelche Trainer einsetzen, sondern es müssen Trainer sein, die die sportfachliche Qualifikation mitbringen, sie müssen in der Lage sein, zu beurteilen, ob ein Athlet Potenzial hat. Diese Trainer entdecken in der Regel die Athleten. Sie trainieren und fördern die Athleten und bringen sie bis zu Spitzenleistungen. Sie sind darüber hinaus auch Fels in der Brandung. Ich habe selbst Leistungssport betrieben, und diejenigen, die das gleichfalls gemacht haben, wissen das auch. Man hat immer mal wieder Probleme, man ist verletzt oder privat irgendwie angeschlagen. Der Trainer ist eine ganz enge Bezugsperson, die einem hilft, damit klarzukommen, um letztendlich - es geht im Leistungssport nun mal um Leistung -, die Leistung abrufen zu können. Jetzt ist die Situation so, dass es sowohl im Breitensport als auch im Leistungssport einen akuten Trainermangel gibt. Ich bin als sportpolitischer Sprecher bei Vereinen und Verbänden viel unterwegs. Da bekommt man permanent zurückgespiegelt, gerade, was den Breitensport betrifft, dass es nach Corona viele Kinder und Jugendliche gibt, die sich für die Sportangebote vor Ort interessieren. Teilweise ist die Nachfrage so groß, dass das Sportangebot gar nicht ausreicht, um das abzudecken, weil eben nicht genügend Trainerinnen und Trainer vorhanden sind. Das ist von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Es gibt Sportarten, die mehr betroffen sind, und solche, die weniger betroffen sind. Aber man kann sagen, die Tendenz hin zum Trainermangel im Breitensport ist überall zu erkennen. Langfristig betrachtet ist es tatsächlich so, dass viele Vereine vor existenzielle Fragen gestellt werden. Ein Sportverein lebt vom Sportbetrieb. Wenn das Sportangebot nicht mehr vorgehalten werden kann, dann ist irgendwann der Verein weg, weil es keinen Sinn mehr macht, den Verein zu betreiben. Im Leistungssportbereich gibt es auch einen akuten Trainermangel. Das muss man aber ganz anders sehen. Es sind in der Regel keine Ehrenamtler oder Menschen, die nur im Ehrenamt Leistungssportler trainieren, sondern Hauptamtliche oder Minijobber, wie auch immer. In den letzten Wochen und Monaten haben sich viele Verantwortliche aus dem saarländischen Sport zu Wort gemeldet. Dies ist zum einen in persönlichen Gesprächen erfolgt, aber sie sind sogar den Weg an die Presse gegangen, um auf die Notsituation aufmerksam zu machen. Johannes Kopkow, der Vorstand Sport des LSVS, hat letztes Jahr in der SZ ein großes Interview zu diesem Thema gegeben. Er hat dann auch die Bühne der DOSB-Mitgliederversammlung genutzt, um auf den Trainermangel hinzuweisen. Auch Fachverbände, was eigentlich ungewöhnlich ist, weil es den Dachverband LSVS gibt, sind an die Medien gegangen, zum Beispiel der Saarländische Turnerbund, der im Nachwuchsbereich nicht mehr in der Lage ist, eine neue Trainerstelle zu besetzen, weil ihm die finanziellen Mittel fehlen. Auch im Leichtathletikbereich sieht es schwierig aus. Vor Kurzem war Saarsportlerehrung. Lothar Altmeyer, der Präsident des Saarländischen Leichtathletikverbandes, ist für sein Lebenswerk geehrt worden. Er wusste nicht, dass er ausgezeichnet wird, hat aber spontan die Bühne genutzt, um auf die Trainersituation hinzuweisen. Er hat gesagt, das sei ein absolut drängendes Problem, ihm sei bange, wenn er in die Zukunft schaue. (Abg. Waldraff (CDU)) Es besteht Handlungsbedarf, darüber müssen wir uns klar sein. Im Nachwuchs- und Landestrainerbereich werden die Athleten entwickelt. Wenn wir dort keine qualifizierten Trainer haben, ist es natürlich so, dass nachher auch keine Spitzenathleten rauskommen. Wenn jemand mal Spitzenathlet ist, gibt es auch Probleme. Da ist aber eher der Bund zuständig, weil die Trainer an Bundesstützpunkten und auch die Nationaltrainer von den Bundesverbänden bezahlt werden und nicht von der Landesebene, die aber schauen muss, dass die Nachwuchsarbeit funktioniert. Hier sehen viele Sportfachverbände und der LSVS Herausforderungen. Jetzt haben wir Ansätze entwickelt, um dem Trainermangel im Breiten- und Leistungssport entgegenzuwirken. Im Breitensportbereich, so muss man sagen, werden die Vereine auch selbst tätig. Es gibt viele, die sehr innovativ und kreativ unterwegs sind und Trainerassistenten-Programme, Trainerbörsen oder auch Trainersharing-Modelle ins Leben gerufen haben. Das sind alles gute Dinge, die schon betrieben werden. Sie verlassen sich nicht nur auf die Politik oder den LSVS, sondern werden selbst aktiv. Der LSVS begleitet das mit Imagekampagnen, um auf die Thematik aufmerksam zu machen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass wir als Landespolitik insgesamt unterstützen und die Thematik begleiten. Wir haben zwei konkrete Ansätze erarbeitet, die den Trainermangel im Breitensportbereich zwar nicht in Gänze beheben werden, die aber sicherlich zwei gute Schritte in die richtige Richtung wären. Das eine ist, dass wir als Landespolitik Schulen dabei konkret unterstützen sollten, den Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Sport die Möglichkeit anzubieten, im Rahmen der Sekundarstufe II die Übungsleiterlizenz C, die zur Tätigkeit im Sportart übergreifenden Breitensport befähigt, oder zumindest eine Grundlagen-Trainerausbildung abzulegen. Hintergrund ist, dass im Leistungskurs Sport Kenntnisse zur Trainings- und Bewegungslehre vermittelt werden, aber auch zur Sportbiologie und -soziologie. Das sind Dinge, die auch in der Trainerausbildung abgefragt werden. Hier könnte man Synergien erzielen. Das gibt es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Ich habe mit Verantwortlichen aus den dortigen Schulen und mit Landespolitikern gesprochen. Sie sagen, dass das durchaus erfolgreich ist, denn viele Schüler der Leistungskurse Sport waren bereit, diese Übungsleiterlizenz zu machen. Sie sind oft ohnehin im Verein tätig und waren auch bereit, danach im Verein als Trainer tätig zu werden. Man hat den Anreiz also über die Ausbildung gesetzt. Ein weiterer Ansatz von uns ist, dass wir sogenannte Trainerkoordinatoren ins Auge fassen, um der Situation entgegenzuwirken. Wir haben beispielsweise als Zuständigkeitsbereich die Landkreise und den Regionalverband angegeben. Das könnte aus unserer Sicht eine Größe sein, die realisierbar ist, wo Trainerkoordinatoren dafür zuständig sind, sich ein Bild von der Lage der Vereine vor Ort zu machen und sogenannte Trainerpools zu bilden, mit denen man Trainer auf die Vereine verteilt, in denen Bedarf besteht. Vieles ist ja Grundlagentraining und nicht sportfachspezifisches Training, zum Beispiel das Athletiktraining. Es gibt viele Sportarten, die darauf angewiesen sind. Es macht Sinn, Vereinskooperationen anzustreben. Das könnte von sogenannten Trainerkoordinatoren übernommen werden, die unserer Meinung nach im besten Fall auch selbst Trainer sind. Dann können sie auch in die Vereine gehen, dort Schulungen anbieten oder Leute animieren, als Trainer mitzumachen oder, wenn Not am Mann ist, vielleicht auch selbst einzuspringen. Das sind die beiden Ansätze im Bereich des Breitensports. Zum Thema Spitzensport will ich einleitend sagen, dass wir zusammen mit dem LSVS definieren müssen, wohin wir mit dem Spitzensport wollen. Wenn man sich die Olympischen Spiele anschaut, muss man sagen, dass Deutschland insgesamt schon mal besser dagestanden hat. Wir sind bei den letzten Olympischen Spielen auf Platz 10 des Medaillenspiegels gewesen. Wir waren schon mal wesentlich weiter vorne. Hier im Saarland haben wir im Vergleich zu anderen Bundesländern wesentlich weniger Medaillen errungen. Es gab den einen Riesenerfolg von Tim Hellwig, was wirklich hervorragend war. Aber dann hatten wir nur wenige Athleten, die überhaupt bei Olympischen Spielen dabei waren. Man kann sagen, die Gesamtbilanz war überschaubar. Deswegen ist es wichtig, dass wir hier investieren. In anderen Bundesländern wurde das schon in extremem Maße gemacht, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz. Die haben vor einigen Jahren in eine große Traineroffensive investiert. Da gibt es dementsprechend Erfolge, die daraus resultieren. Auch bei Olympischen Spielen haben die rheinland-pfälzischen Athleten ein Stück besser abgeschnitten als die saarländischen, wenn man die Gesamtbilanz anschaut. Von daher ist es wichtig, dass wir hier investieren. Sonst besteht die Gefahr - ich habe es eben schon angedeutet -, dass die Strukturen irgendwann wegbrechen. Dann brauchen wir hier nicht mehr über Leistungssport zu reden. Deswegen bitten wir um Unterstützung für diesen Antrag. Man soll ihn nicht als Angriff verstehen. Wir haben ja schon öfter vehement zur Sportpolitik diskutiert. Ich glaube, es geht darum, dass man die strukturellen Probleme benennt und gemeinsam Lösungen sucht. Ich habe auch nicht reingeschrieben, wie viel Geld dafür zur Verfügung gestellt wird. (Abg. Waldraff (CDU)) Wichtig ist, dass gemeinsam mit den Verantwortlichen aus dem Sport die Bedarfe ermittelt werden, wie viele Trainer wir im Leistungssport brauchen. Dann wird über Finanzierungsmöglichkeiten gesprochen, sodass wir zu einer Lösung kommen. – Ich bitte also herzlich um Unterstützung unseres Antrages. - Vielen Dank! (Beifall von der CDU.)
