Christine Ursula Streichert-Clivot
Chère madame la présidente, sehr geehrte Frau Präsidentin! Chères mesdames et chers messieurs, sehr geehrte Damen und Herren! Chers collègues, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, heute, am Tag der deutsch-französischen Freundschaft, sehr, dass wir nicht nur viele Anlässe in dieser Woche haben, die an diesen besonderen Moment erinnern und ihn feiern, sondern dass wir auch in diesem Hohen Hause diesen Tag feiern und dass es einen Antrag der beiden großen demokratischen Fraktionen gibt, die diese Initiative tragen. Nous célébrons une journée qui pour nous en sarre ne marque non seulement une date symbolique, sondern dieser Tag ist Teil unseres Alltags. Er ist Teil unserer saarländischen DNA. Ich freue mich, dass das heute in beiden Redebeiträgen der Antragsteller sehr stark zum Ausdruck gekommen ist. Bei uns ist sozusagen jeder Tag ein Tag der deutschfranzösischen Freundschaft. Mit der Frankreichstrategie haben wir uns vor über zehn Jahren hier im Land auf den Weg gemacht. Es ist eine ambitionierte Strategie, eine Strategie, die Ziele vorgegeben hat, und eine Strategie, an der wir uns messen müssen. Mit der Frankreichstrategie öffnen wir Brücken und Tore zwischen Deutschland und Frankreich und ich darf sagen, dass diese Kompetenz, die ein ganzes Bundesland, eine ganze Region umfasst, auch eine Kompetenz ist, mit der wir wahrgenommen werden, nicht nur in Deutschland, sondern über die Grenzen hinweg. Im Saarland lernen im Schnitt über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eines Schuljahres über alle Klassenstufen hinweg Französisch. In den beiden anderen an Frankreich grenzenden Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind es jeweils nur gut ein Viertel, deutschlandweit im Schnitt sogar nur 15 Prozent. Das heißt, wir sind immer noch das Land, und wir arbeiten jeden Tag daran, dass die Saarländerinnen und Saarländer diese Französischkompetenz erreichen, und dafür bin ich sehr dankbar. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Wir diskutieren, seit es die Frankreichstrategie gibt, auch darüber, wie das funktionieren kann. Es fängt bei den ganz Kleinen an, es fängt da an, wo die Früchte einer Sprache gelegt werden, wo das selbstständige Erlernen wie von selbst funktioniert. 42 Prozent aller bundesweit zertifizierten Élysée-Kitas in Deutschland befinden sich im Saarland. Heute werden drei weitere Kitas zertifiziert und ich freue und entschuldige mich an dieser Stelle auch schon, dass ich das Plenum für einen kurzen Moment verlassen muss, aber ich glaube, diese besondere Wertschätzung haben alle Einrichtungen verdient, die sich diesem Prozess stellen und sagen: „Ja, für uns ist diese Nachbarschaft nicht etwas Selbstverständliches, sondern wir wollen das friedliche Miteinander, das wir hier erleben. Wir wollen das partnerschaftliche Zusammenleben und das Zusammenarbeiten diesseits und jenseits der Grenze verstärken und wir werden Teil dieses Netzwerks.“ Dafür vielen Dank. (Beifall von der SPD und der CDU.) Im Jahr 2014 waren es 24 Élysée-Kitas. Inzwischen sind wir bei 98 von bundesweit insgesamt 218 Kitas. Über die Hälfte der saarländischen Kitas - 260 von 504 - arbeiten bilingual. 2015/2016 waren es noch 190. Das heißt, wir haben einen steten Anstieg. Wer die Arbeit dieser Kitas erlebt, wird merken, wie das Lernen und Leben in diesen Kitas von der französischen Kultur geprägt ist und welche Leidenschaft vorhanden ist. Er wird merken, mit welcher Selbstverständlichkeit deutsche und französische Erzieherinnen und Erzieher in multiprofessionellen Teams zusammenarbeiten. Er wird erkennen, dass Kinder in frühen Jahren die Sprache nicht nur ganz selbstverständlich lernen, sondern sie sogar gerne anwenden. Das heißt, all das, was wir im Erwachsenenleben möglicherweise an Vorurteilen entwickeln, findet bei diesen Kindern nicht statt. Dieses Miteinander beziehungsweise dieses Zusammenleben ist die Keimzelle für unser friedliches Miteinander hier in der Region. Es ist die Keimzelle dafür, dass Kinder lernen, wie wichtig es ist, Grenzen offen zu halten, und dafür, dass Kinder lernen, dass es bei der deutsch-französischen Freundschaft nicht nur darum geht, auf der französischen Seite einkaufen zu dürfen, sondern auch darum, mit Menschen zu feiern, Menschen zu begegnen, mit Menschen zu reden und mit Menschen Kultur und Sport zu machen. Das beginnt in unseren Kitas im Saarland. Darauf bin ich wirklich sehr, sehr stolz. (Beifall von der SPD.) Das funktioniert unter anderem deshalb, weil wir dank der Grenzlage auf französische Erzieherinnen und Erzieher bauen können und wir die Wege hin zur Anerkennung dieser Fachkräfte wesentlich erleichtert haben. Diese Hürde müssen wir noch nehmen, wenn es an die Grundschulen geht. Bei allem Engagement, aller Freundschaft und allen Initiativen müssen wir feststellen, dass uns dies immer noch nicht gelingt. Das ist eine Herausforderung, die für ganz Europa gilt. Es geht darum, Lehrerinnen und Lehrer der französischen Seite in unserem deutschen Schulsystem zu beschäftigen und anzustellen. Die Systeme sind noch nicht durchlässig genug. Ich bin sehr froh, dass die Frankreich-+ strategie an dieser Stelle ansetzt und deutlich macht, dass wir den Französischunterricht ab der Klassenstufe 1 weiter ausbauen und verstärken müssen. Das gelingt uns mit französischen Fachkräften. (Beifall von der SPD.) Diese Arbeit ist wichtig, weil wir eine weite Landschaft von französisch geprägten Schulen haben. Wir haben zudem das Deutsch-Französische Gymnasium. Das ist eine besondere Einrichtung, die bundesweit und auch europaweit strahlt. Wir haben vier AbiBac-Schulen und sechs Gemeinschaftsschulen mit einem bilingualen Profil. Wir haben berufliche Schulen in Saarbrücken beziehungsweise im Saarland, die sich der deutsch-französischen Ausbildung stellen und somit ganz konkret dafür sorgen, dass junge Auszubildende Erfahrungen in Frankreich sammeln können. All das macht das friedliche Miteinander aus. Es schafft Begegnung. Es schafft nicht nur Spracherwerb, sondern auch das Eintauchen in eine französische Kultur. Das ist mehr als wichtig. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Deshalb lassen Sie uns die Frankreichstrategie nicht nur auf die Frage reduzieren, was wir von der französischen Sprache erlernen. Es geht auch darum, wie wir sie in die konkrete Anwendung bringen. Wenn wir heute an unsere Schulzeit zurückdenken, denken wir vielleicht an den einen oder anderen Französischlehrer, den wir hatten - mal besser, mal schlechter. Wir denken vielleicht auch an Begegnungen. Wir denken an den Schüleraustausch, den wir hatten. Wir denken daran, wie wir das erste Mal als junge Menschen in Frankreich waren, eine Brieffreundin beziehungsweise einen Brieffreund getroffen haben oder eine französische Familie kennengelernt haben. Wir denken vielleicht daran, wie am vorletzten Abend eine Schuldisko ausgerichtet wurde - la boum. Wir denken daran, wie wir freundschaftliche und - so hoffe ich - jahrzehntelang andauernde Kontakte geknüpft haben. Diese Erinnerungen nimmt uns niemand. Auch das gehört zur Frankreichstrategie. Das muss in der Zukunft so bleiben. Dafür müssen wir weiterarbeiten. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Ich sage das, weil das nur mit engagierten Menschen geht, nämlich engagierten Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrkräften, den Teams in den Kitas und Schulen, unseren Partnerinnen und Partnern auf der französischen Seite, den Rektoraten, meinem Team im Ministerium und allen, die nicht müde werden. Dazu zählen auch die saarländischen Landtagsabgeordneten, die das als Multiplikatoren und Botschafterinnen und Botschafter nach außen tragen. Auf diesen Erfolgen wollen wir uns nicht ausruhen. Gestern hat die Ministerpräsidentin Anke Rehlinger der Öf-+ fentlichkeit die Frankreichstrategie vorgestellt. Es ist eine erweiterte Strategie, und zwar erweitert um die geografische Ausrichtung auf die gesamte frankofone Welt. Es handelt sich um eine Erweiterung auf alle Lebensbereiche, die für Saarländerinnen und Saarländer von Bedeutung sind. Frankreich steht weiterhin im Zentrum unserer Bemühungen. Frankreich ist unser unmittelbarer Nachbar. Mit Frankreich verbindet uns sehr, sehr viel. Frankreich ist für uns im Saarland auch ein bedeutsamer Handelspartner und ein natürlicher Verbündeter in der Zusammenarbeit, auch mit Blick auf die Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Eine gute Partnerschaft mit unseren französischen Nachbarn ist gut für die Menschen hier in der Region. Sie ist gut für die wirtschaftliche Stabilität, die Gesundheitsversorgung, das Kulturangebot und die Umwelt. Das sage ich für alle meine Kolleginnen und Kollegen, die sich in der saarländischen Landesregierung jeden Tag für diese Prozesse stark machen. Wir sind in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Dieser Transformationsprozess wird nicht funktionieren, wenn wir nicht auch die Zusammenarbeit mit Blick auf die Fachkräftesicherung in der gesamten Region - dazu gehören die französischen Partnerinnen und Partner - mitdenken. Dieser Transformationsprozess wird nicht funktionieren, wenn wir bei der Gesundheitsversorgung an der Grenze haltmachen. Das gilt sowohl für die Menschen im Saarland als auch für die Menschen in Frankreich. Gerade dort, wo der ländliche Raum unter Umständen leidet und Herausforderungen mit sich bringt, ist diese Zusammenarbeit wichtiger denn je. Entsprechendes gilt auch konkret für die Zusammenarbeit mit unseren Hochschulen. Es ist ein sehr großer Schatz an Wissen, der sich in der deutschfranzösischen Grenzregion auftut. Die Kooperationen, die es dazu in den Hochschulen gibt, tragen ebenso die Frankreichstrategie. Wir haben die Frankreichstrategie hier im Land gemeinsam zu einer Marke mit Wiedererkennungswert gemacht. Es ist eine Marke, auf die immer wieder geblickt wird. Wir wollen zukünftig mit den frankofonen Ländern die Trümpfe, die wir mit der Frankreichstrategie aufgebaut haben, weiter ausbauen. Die Organisation internationale de la Francophonie ist für uns ein sehr breites Netzwerk. Es handelt sich um ein Netzwerk von Ländern, in denen die französische Sprache gesprochen wird, und ein Netzwerk von Menschen, die viele Ideen zusammentragen. Wir werden dieses Netzwerk nutzen, beispielsweise um unsere Aktivitäten in der Kultur auszubauen. Das Festival Perspectives im Saarland steht sinnbildlich für unsere deutsch-französische DNA. Es ist ein Festival des Theaters, der Musik und des Tanzes. Eigentlich ist es ein Festival, das ganz ohne Sprache funktionieren kann, aber sehr viel Sprache und Kultur transportiert. Es sind diese Ansätze, die wir mit Blick auf die Frankofonie weitertragen wollen. Wir wollen die wirtschaftlichen Potenziale frankofoner Staaten in den Blick nehmen, wenn es um die Außenwirtschaft und Investitionen geht. Wir wollen die Bedarfe ermitteln und Unterstützungsmöglichkeiten ausloten, wie es zum Beispiel mit den Infoabenden und Webinaren zu Marokko oder Tunesien begonnen hat. Wir wollen thematische Konferenzen in der Organisation internationale de la Francophonie ausrichten. Wir wollen dieses Netzwerk für die Bereiche Wirtschaft, Bildung, Aus- und Weiterbildung und Gesundheitsversorgung weiter nutzen. Beispielsweise könnte die nächste mission économique et commerciale de la Francophonie hier im Saarland stattfinden. Die Initiativen unserer Landesregierung, auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, werden von dieser Arbeit profitieren. Das Saarland will das erste faire Bundesland werden. Fairer Handel spricht konkret die Länder an, die in der Frankofonie engagiert und organisiert sind. Wir haben eine enge Partnerschaft mit dem Land Benin. Partnerschaft bedeutet hier nicht nur, sich auf den Handel als solchen zu stützen, sondern mit Bildungsangeboten auch den Austausch zu leben. Wir wollen dort eine Optikerausbildung anbieten. Warum machen wir das? - Nicht nur, weil die Entwicklungszusammenarbeit im Bildungsministerium sehr gut angelegt ist, sondern weil wir der Auffassung sind, dass Hilfe zur Selbsthilfe extrem wichtig ist. Kinder können in diesen Ländern nur lernen, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes gut sehen können. Dazu braucht es einen Bereich und Menschen, die in diesem Feld aktiv unterwegs sind. Sie sehen an diesen wenigen Schlaglichtern, dass die Frankreichstrategie so viel mehr ist: Sie ist eine Strategie, die von Menschen in diesem Land getragen wird, eine Strategie, die von Gemeindepartnerschaften aufgebaut wurde, kommunalen Partnerschaften, die bis heute funktionieren und Menschen zusammenbringen. Sie ist eine Strategie, mit der wir gemeinsam die deutsch-französische Zusammenarbeit zu einem Beispiel machen. Wenn ich in die Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt schaue, dann wissen wir, dass die Grenze und das Gegeneinander oft ein Auslöser für Kriege sind. Deutschland und Frankreich haben diese Erbfeindschaft irgendwann überwunden. Heute gibt es leider noch viele dieser Erbfeindschaften auf unserem Globus. Deutschland und Frankreich können hier ein Beispiel sein. Wir müssen das gerade hier in der Grenzregion als Motor für ein friedliches internationales Miteinander ansehen und leben. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Chers amis français! L’amitié franco-allemande nous rassemble. Elle crée des rencontres, elle crée des souvenirs. Restons engagés vis-à-vis de l’amitié franco-allemande. Vive l’amitié franco-allemande! Vive l’Europe! Glück auf! (Beifall von der SPD.)
Alle Reden von Christine Ursula Streichert-Clivot Protokoll ↗
