Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. 2014 haben wir die Frankreichstrategie ins Leben gerufen und 2043 sollten wir hier im Saarland zweisprachig sein. Das war das Ziel. Heute, nach mehr als einem Drittel der Zeit, wäre ja mal die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Mir stehen sechs Minuten zur Verfügung, ich muss mich also kurzfassen und werde nur auf wenige Gesichtspunkte eingehen können. Meine Vorredner haben die Mehrsprachigkeit, die Zweisprachigkeit als sehr wichtig erachtet. Und tatsächlich, ohne Verständigung im ursprünglichen Sinne gibt es auch keine Verständigung im übertragenen Sinne. Insofern ist die Sprache ganz wichtig, aber ich muss sagen, da sind die Fortschritte im Promillebereich und die Rückschritte gewaltig. Mein Vorredner, Herr Theis, hat schon ein wichtiges Problem aufgeführt, nämlich die Sprachsituation in unserem Nachbarland, in Lothringen. Wenn wir heute gute Beziehungen von Ort zu Ort mit lothringischen Gemeinden und Regionen haben, verdanken wir das nicht der Tatsache, dass wir so hervorragend Französisch sprechen, sondern der Tatsache, dass dort Generationen waren, die Deutsch gesprochen haben. Zuerst einmal haben die grenznahen Gemeinden, die grenznahen Menschen, die Lothringerinnen und Lothringer, dieselbe Mundart gesprochen wie wir, sie haben Fränkisch gesprochen. Im Laufe der wechselhaften Geschichte haben natürlich viele Lothringer auch außerhalb dieses Bereiches Deutsch in der Schule gelernt. Davon haben wir bisher profitiert, nicht von den Französischkenntnissen, die wir haben, sondern von den Deutschkenntnissen, die unsere Nachbarn haben, und diese Deutschkenntnisse gehen rasant zurück. Die Verbindungssprache, die wir vom Ursprung her haben, nämlich unsere Mundart, ist in Frankreich fast nicht mehr vorhanden. Wenn Sie bei uns mal den kleinen Kindern aufmerksam zuhören, ich mache das immer, dann hören Sie, dass die auch schon vielfach Hochdeutsch reden. Das heißt, bei uns geht diese Sprache auch wahrscheinlich im Laufe der Zeit, leider Gottes, wenn wir sie nicht schützen, verloren. Was haben wir gemacht, um unsere Kompetenz in Französisch zu erweitern? Ich sage: wenig, und das noch halbherzig. Ich führe jetzt mal ein Beispiel an: Die Élysée-Kitas et cetera werden ja immer so gelobt. Ich habe meine Kinder seinerzeit morgens an französische Kindergärten gefahren und ich weiß, was das heißt, wenn man in einer anderen Sprache ein Leben aufbaut. Das ist nicht so einfach. Ich denke schon, dass es gut ist, dass wir so etwas haben, und wenn es nur dazu dient, dass die Fremdheit der Sprache verschwindet und man die Sprache als bekannt erachtet. Aber wenn dann in der ersten und zweiten Klasse kein Französisch angeboten wird, sondern erst wieder in der dritten Klasse, dann ist das ein Unding. Das kann ja verschiedene Ursachen haben. Wenn die Ursache ist, dass nicht genug Lehrer da sind, dann muss man konzentrieren. Da wäre es vielleicht angebracht gewesen oder ist es noch angebracht, dass man in zentralen Orten ein volles Angebot bereithält, von der Kita über die Grundschule bis zur Gemeinschaftsschule und zum Gymnasium, und dann diejenigen, die das ohnehin nicht wollen, vielleicht vorläufig auf der Seite lässt, anstatt dass man diesen Bruch fabriziert, sodass die erste und zweite Klasse praktisch kein Französisch hat und nachher die Kinder in der dritten Klasse mit Französisch neu anfangen müssen. Das ist eine Sache, die man sofort organisieren kann. Das Grundproblem dieser Geschichte ist ja Folgendes: Wenn man solch eine Frankreichstrategie hat und Französischunterricht in den Vordergrund stellen will, muss man auch Lehrpersonen für Französisch haben. Wo ist denn die Ausbildung der Lehrer verstärkt worden? Wir könnten doch hier als Saarland in Deutschland ein Vorbild sein und für Leute, die in Hamburg oder wo auch immer Französisch studieren und vielleicht nachher unterrichten wollen, ein Ansprechpartner sein. Sie könnten an unserer Universität studieren. Ich habe noch die Zeit erlebt, in der Frankreich uns französisieren wollte. Man muss mal sehen, was die damals gemacht haben. Jeder, der bei uns Lehrer geworden ist, hat die Möglichkeit gehabt, ein Jahr lang in Frankreich ein Praktikum zu machen. Sie sind zurückgekommen und haben Französisch gesprochen. Es gibt also viel zu tun! - Ich sehe, meine Redezeit ist schon zu Ende. Es gibt viel zu tun, packen wir es an, aber mit Kleckern wird es nicht gehen, es muss geklotzt werden! Herzlichen Dank! (Abg. Dörr (AfD)) (Beifall von der AfD.)
