Sascha Haas
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Erst mal Respekt, Herr Becker, dass Sie um diese Uhrzeit noch im Hohen Hause sind. Sonst kommen Sie zwischen 9.30 Uhr und 11.00 Uhr. Heute waren Sie um 13.00 Uhr da. Ich hoffe, Sie meinen es mit Ihrem Antrag so ernst, wie Sie es mit Ihrer parlamentarischen Arbeit meinen. Kommen wir zum Antrag: Die AfD fordert in Ihrem Antrag die Einführung eines freiwilligen Handwerksjahres im Saarland. Das mag auf den ersten Blick gut klingen, aber wenn man es genauer betrachtet, ist es wie so oft eine doch sehr einfache Antwort auf ein sehr komplexes Problem. Der Fachkräftemangel im Handwerk, wir haben es heute Morgen schon öfter gehört, ist real. Doch wir müssen auf Maßnahmen setzen, die nachhaltig wirken und junge Menschen direkt unterstützen, statt auf symbolische Schnellschüsse, wie sie die AfD mal wieder vorschlägt. Die saarländische Landesregierung hat bereits eine Vielzahl an bewährten Programmen auf den Weg gebracht. So unterstützt das Berufsorientierungsprogramm BOP Schülerinnen und Schüler bei der Potenzialanalyse und gibt ihnen praxisorientierte Einblicke. Denken Sie an die Praktikumswoche Saarland, die es Jugendlichen ermöglicht, in den Sommerferien täglich verschiedene Unternehmen der Region kennenzulernen. Das stärkt die Berufsorientierung und bietet den Betrieben gleichzeitig die Möglichkeit, potenzielle Auszubildende frühzeitig kennenzulernen. Im Jahr 2020 haben wir zudem den Übergangsbereich an den beruflichen Schulen neu strukturiert, um den Einstieg in die Ausbildung zu erleichtern und zu beschleunigen. Ein weiterer Baustein ist das Projekt EduPA - Einstieg in Ausbildung durch Praktikum -, das Jugendliche in Praktika begleitet und sie gezielt beim Übergang in eine betriebliche Ausbildung unterstützt. Genau das, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind Maßnahmen, die effektiv und zielgerichtet wirken. (Beifall von der SPD.) Die AfD hingegen hat offenbar nicht einmal Rücksprache mit der Handwerkskammer des Saarlandes gehalten, um die tatsächlichen Bedarfe zu erfragen. Es geht nicht darum, mit Schnellschüssen Aufmerksamkeit zu gewinnen, sondern jungen Menschen und Betrieben langfristig Unterstützung anzubieten. Für uns hat es Vorrang, bewährte und etablierte Angebote auszubauen, statt unausgereifte Konzepte wie das freiwillige Handwerksjahr ins Leben zu rufen, die kaum einen Mehrwert bieten. Lassen Sie uns die Realität der jungen Menschen im Land im Auge behalten. Ein Blick in den Ausbildungsreport der DGB-Jugend zeigt, dass viele Azubis im Saarland mit ihrer Ausbildungssituation unzufrieden sind. Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, mangelnde Einhaltung des Ausbildungsplans sind die echten Herausforderungen. Wer wirklich etwas für die Auszubildenden tun will, der muss sich um die Qualität und die Attraktivität der Ausbildung kümmern, statt einfach ein neues Freiwilligenprogramm aus dem Boden zu stampfen. (Beifall von der SPD.) Lassen Sie mich daher abschließend betonen, der Fachkräftemangel im Handwerk ist eine Herausforderung, die eine fundierte und durchdachte Antwort braucht. Die AfD präsentiert jedoch einen Antrag, der ihr vielleicht Aufmerksamkeit (Abg. Haas (SPD)) bringt, aber keinerlei echten Beitrag zur Lösung des Problems leistet. Die SPD steht für eine Ausbildungspolitik, die an der Lebensrealität der jungen Menschen ansetzt und ihnen eine sichere, gut begleitete Perspektive eröffnet. - Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. Glück auf! (Beifall von der SPD.)
