Barke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ich will in diese Debatte zum Thema berufliche Bildung, Weiterbildung und Qualifizierung kurz eingreifen, weil es mir ein Herzensanliegen ist, gerade, lieber Bernd, in Erwiderung auf dich. Danke, dass du das Mikrofonpult so eingestellt hast, dass ich es ohne Veränderung benutzen kann. Ich möchte auf die Rahmenbedingungen eingehen und vielleicht einen anderen Aspekt setzen. Die berufliche Bildung ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und sie ist Schlüssel für die Zukunft unseres Arbeitsmarkts. Ich glaube, das haben alle konstruktiven Beiträge in der Debatte gezeigt. Das will keiner bestreiten. Wir haben rund 300 anerkannte Ausbildungsberufe im Land. Wir haben auch noch so ein paar ein bisschen vermuffte Bezeichnungen für Ausbildungsberufe. Da kann in den einen oder anderen, so wie ich es auch mit vielen Unternehmensvertretern bespreche, vielleicht noch ein bisschen mehr Pep rein, damit das interessant wird. Aber für diese Berufe haben wir 5.000 Ausbildungsbetriebe und wir haben entsprechende Ausbilder, die mit hoher Qualität und mit ganz viel Leidenschaft anstreben, diese jungen Menschen zu einem Ausbildungsziel zu führen. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Lehrerinnen und Lehrer an den Berufsschulen. Ich habe in der Sommertour fünf Berufsbildungszentren besucht. Was ich dort bei allen Herausforderungen an Engagement gesehen habe, das ist schon bemerkenswert. Deshalb möchte ich mich einmal bei allen, die da einen wesentlichen Beitrag leisten, bei den Ausbildern, bei den Ausbildungsbetrieben, aber auch bei den Lehrerinnen und Lehrern ganz herzlich für ihr Engagement bedanken. Die machen in herausfordernden Zeiten vieles möglich. Das hat dann auch Anerkennung verdient. (Beifall von der SPD und der CDU.) Wir betreiben das Thema jetzt schon seit mehreren Jahren zusammen und die Gleichwertigkeit der akademischen und der beruflichen Ausbildung, der dualen Ausbildung, ist uns immer ein gemeinsames Herzensanliegen gewesen. Deshalb bin ich sehr dafür, dass es uns gelingt, die Meisterausbildung - um das nur noch einmal als Beispiel herauszugreifen - auch gleichermaßen kostenfrei zu stellen wie die akademische Ausbildung. Aber es muss uns in der konkreten und klugen Verbindung mit Mitteln aus anderen Kassen gelingen, die ja über das Meister-BAföG kommen. Wir wissen, dass am Ende bis zu 50 Prozent zum BAföG erstattet werden können. Es wird ein Gap bleiben. Über das Gap, das niemand schließt, sollten wir uns noch einmal unterhalten. Mir wäre es ein wichtiges Anliegen, dass wir da in konkreten Beratungen, vielleicht auch im Wirtschaftsausschuss des Parlaments, noch einmal die Köpfe zusammenstecken. Im Übrigen tun wir es gerade im Arbeitskreis „Fachkräfte“, in dem auch die Kammern und Verbände eingebunden sind vor dem Hintergrund der Zukunftsinitiative. Ich glaube, dass es uns am Ende gelingt, uns dort auf Maßnahmen zu verständigen, die wir vor dem Hintergrund auch der finanziellen Herausforderungen gemeinsam tragen können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gelingt. Das wären dann konkrete Maßnahmen, die wir in die Umsetzung bringen können. Aber in der Debatte ist mir auch ein Punkt sehr wichtig, dass wir nämlich ein gesamtgesellschaftliches Umdenken brauchen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich eine Veranstaltung mit den Handwerksfrauen. Das ist die Organisation der Handwerkerfrauen, der Frauen im Handwerk. Ich habe dort zwei Fragen gestellt: Wer hat Kinder? Da gingen viele Hände hoch. Und: Wer geht in den eigenen Betrieb oder ins Handwerk? Das war die zweite Frage. Da gingen dann nicht mehr so viele Hände hoch, weil auch viele Handwerkerinnen und Handwerker schon wollen, dass der Erste in der Familie einmal Doktor wird oder Ingenieur und an der Hochschule ist. Das ist vom Grundsatz her nicht verkehrt. Eltern können eine Erwartungshaltung haben. Aber in dem Kontext habe ich bei den Praktikumstagen erlebt, dass eine Mutter mit ihrem Kind zum Elektromeister gekommen ist und gesagt hat: „Ich bringe ihn zum Praktikum, aber - ich sage es mal auf Platt ,ähns sahn isch Ihne ‑ gleisch: Schlitze kloppt der kään‘.“ Das heißt, die Mutter hat schon vorgegeben, was der junge Mann, der sich für eine Elektroausbildung interessiert, einmal machen kann. Wir müssen gemeinsam für ein gesamtgesellschaftliches Umdenken werben und können das auch gut tun. Denn in Krisen haben wir festgestellt, wer uns rettet, wenn es eng wird. In der Krise brauchen wir ausgebildete Pflegekräfte. Energie- und Infrastruktursysteme müssen am Leben gehalten werden. Energienetze müssen betrieben werden. Sie müssen im Übrigen vor dem Hintergrund der Energiewende jetzt sukzessive und schnell weiter ausgebaut werden. Da darf die Kapazität am Arbeitsmarkt nicht der limitierende Faktor sein. Wir haben gute Gründe, dafür zu werben, müssen aber bestimmte Begriffe vermeiden. Wir sagen oft, ich ertappe mich auch selbst dabei: Der hat doch eher eine praktische Veranlagung. Da sind wir schon in der Falle. Der Chef von Klima Becker macht das ganz gut. Er hat den Begriff der „denkenden Hände“ erfunden. Die „denkenden Hände“ sind die, die in der dualen Ausbildung und in den Ausbildungsberufen die Leistung erbringen und sich unter den bestehenden Anforderungen an neue Entwicklungen bei den Produkten und Verfahren anpassen können. Da braucht es Grips und Hände. Deshalb darf nicht der Eindruck entstehen, die einen sind die mit dem Grips und die anderen sind die mit den Händen. Wir können einen Beitrag dazu leisten, dass sich das gesellschaftliche Bewusstsein ändert. (Beifall von der SPD und bei der CDU.) Ich will nicht alle Förderprogramme für die Weiterentwicklung der dualen Ausbildung runterbeten. Lieber Bernd Wegner, zur Wahrheit bei der Förderung gehört: Das Ausbildungszentrum ist das eine, die finanziellen Beiträge des Landes hast du genannt. Dazu kommt aber unser genauso großes Engagement in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung, in der SMTS und in allen Innungen. Ich war letzte Woche noch bei der Kfz-Innung und habe mir das neue Zentrum angeguckt. Auch das wird begleitet. Es ist nicht immer nur die klassische Förderung der Kammer. Wir sind sehr intensiv bei den Innungen, das gehört zur Erzählung dazu. (Abg. Wegner (CDU): Ich habe das auch nur in der Tendenz zur akademischen Bildung ge- sagt.) Das ist schon klar. Aber wir wollen jetzt gar nicht spitzrechnen. Ich glaube, grundsätzlich liegen wir beim Ziel gar nicht so weit auseinander. - In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Glück auf. (Beifall von der SPD.)
