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Bernd Wegner

CDU 09.10.2024 Sitzungen 17/30

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich natürlich, heute hier zu diesem Thema reden zu können. Ich glaube, dass die Beiträge der Frau Kollegin Meiser sowie von Herrn Maaß doch sehr stark in Richtung unseres Antrags gehen, weil Probleme, die sie beschrieben haben, von uns und von Frau Schmitt-Lang ein Stück weit genauso dargestellt worden sind. Wir sind eben in der Situation, dass wir Handlungsdruck haben, Sie alle haben davon geredet und gesagt: Wir haben Fachkräftemangel! Dieser Fachkräftemangel betrifft die mittelständische Wirtschaft, die Pflegeberufe, die medizinischen Berufe, das Handwerk und die Industrie. Überall ist es leider so, dass zu wenige junge Menschen sich für eine berufliche Karriere, für eine berufliche Ausbildung interessieren. Deshalb glaube ich, dass es nicht genügt, nur das zu erwähnen, was wir zurzeit richtigmachen. Es genügt nicht, wie wir an den Ergebnissen sehen, die wir feststellen müssen. Wir brauchen Menschen mit Abitur, mit mittlerer Reife, mit Hauptschulabschluss, weil gerade in der beruflichen Bildung in den letzten Jahren das Niveau durch Digitalisierung, durch viele andere Dinge, durch Wettbewerbsänderungen einfach auf dem Level ist, dass wir qualifizierte Menschen brauchen, die diese Jobs ausfüllen. All das, was schon beschrieben worden ist wie Messen, Ansprachen oder die Ausbildungslöhne nach oben treiben, hat bisher leider nicht die Ergebnisse gebracht, die wir uns vorstellen. Das Leibniz-Institut hat festgestellt - das hat mich in der Vorbereitung dieser Debatte sehr erschreckt, als ich das gelesen habe -, dass wir in der Republik 200.000 bis 230.000 Menschen aus dem Schulsystem entlassen, die nicht die notwendige Ausbildungsreife haben. Das heißt, dass es uns auch mit viel Mühe nicht gelingen wird, sie zu einem guten Start in den Beruf hineinzubringen. Diese erschreckende Zahl muss man im Bildungssystem wahrnehmen und dagegen angehen. Herr Maaß, Sie haben es richtigerweise gesagt, das Image der beruflichen Bildung ist in dieser Gesellschaft leider ein bisschen unter die Räder gekommen. Obwohl die duale Ausbildung weltweit als genau die richtige praxisnahe Lehre gilt, haben wir es nicht geschafft, das auf unsere jungen Menschen zu übertragen. Deshalb glaube ich, dass Gleichstellung, wie Sie auch festgestellt haben, Frau Meiser, nicht durch Sonntagsreden und durch die Formulierung entsteht, sondern wir müssen auch finanziell nachlegen. Es ist von der Nullrunde der Lehrer gesprochen worden. Ich sage mal, auch unsere Berufsschullehrer haben das Problem, dass sich die Berufe ändern, dass wir über Digitalisierung reden. Wir brauchen auch in diesem Bereich eine deut- (Abg. Wegner (CDU)) liche Weiterbildung der Berufsschullehrerinnen und -lehrer, damit sie in der Lage sind, unsere Auszubildenden entsprechend zu fördern und als Lehrer in diesem ganzen Spektrum mithalten zu können. Eben ist über die BBZs gesprochen worden. Auch in Ihrem Antrag schreiben Sie über die Berufsbildungszentren, dass dort bei der Digitalisierung schon vieles auf den Weg gebracht worden ist. Ich bin aufgrund meiner Tätigkeit in den letzten Jahren auch viel in BBZs gewesen. Ich weiß, dass wir da wirklich Geld in die Hand nehmen müssen. Da müssen modernere Maschinen her, da müssen modernere Werkzeuge her und vor allen Dingen, was Frau Schmitt-Lang eben schon angesprochen hat, muss auch die Digitalisierung richtig und wirklich umgesetzt werden. Da haben wir die Gleichstellung mit den Hochschulen und den Gymnasien mit Sicherheit nicht erreicht. Ich könnte jetzt - ich mache das ganz kurz - einfach einmal die Bildungsstätte der Handwerkskammer nennen. Das Land gibt 10 Prozent, der Bund 60 Prozent und die Handwerkskammer ist mit 30 Prozent dort eingetragen. Wenn alles ganz normal läuft, wird das für die Handwerkskammer ein Betrag von circa 15 bis 18 Millionen Euro für die Ausbildung von Meistern sein, für die Ausbildung von Fachkräften in diesem Land. Ich frage mich, wie eigentlich Juristinnen und Juristen, Ärztinnen und Ärzte oder Ingenieurinnen und Ingenieure ausgebildet werden und wo der Beitrag ist, der dort entweder von der Wirtschaft oder von den Profiteuren geleistet wird? Wir reden ja nicht mehr über Studiengebühren, wir brauchen in dieser Gesellschaft auch gar nicht damit anzufangen. Aber eines ist ganz klar, eine Gleichstellung ist hier nicht vorhanden, denn das Handwerk finanziert hier ein großes Stück mit. Kosten der Meisterausbildung. Herr Maaß, Sie sind darauf eingegangen. Wir reden - da ist Ihre Zahl durchaus richtig - über 15.000 bis 20.000 Euro je Gewerk. Wir reden natürlich nicht über das, wie es zum Beispiel bei mir der Fall war. Ich musste nach Niedersachsen, um meine Ausbildung zu machen und dort über ein Jahr meine Meisterschule machen. Das ist in verschiedenen Gewerken gar nicht so einfach. Aber wir reden über einen Betrag, der die Meisterschülerinnen und -schüler sehr viel Geld kostet. Das BAföG - Sie haben es eben mit 60 Prozent, auch in der neuen Form ab 2025, beschrieben - fängt eben nicht auf, was da letztendlich an Kosten ist. Es muss zu großen Teilen zurückgezahlt werden, wie Sie sicherlich auch wissen. Wir haben den Meisterbonus mit 1.000 Euro herausgestellt. Ich war sehr stolz, dass wir das mit der Landesregierung damals - ich glaube, 2017 - auf den Weg gebracht hatten. Das ist ja auch ein richtiger Weg. Nur leider muss man sagen, dass sich die Welt auch weiterentwickelt hat. Unsere Partner, was die Haushalts- und Notlagensituation angeht, Bremen und Niedersachsen, geben einen Meisterbonus in der Größenordnung von 4.000 Euro und liegen damit an der Spitze in der Republik. Wir reden über Hessen, das seit Juni dieses Jahres den Meisterbonus mit 3.500 Euro beziffert und wir reden über Bayern, das 3.000 Euro gibt. Dann ist bei Ihnen so ein bisschen Irritation darüber entstanden, was denn die Forderung nach einem Tag des Handwerks ist, das mache man doch und es werde doch auch gefördert vom Wirtschaftsministerium. Das, was ich Ihnen hier einbringen möchte, ist der „Tag des Handwerks“ nach dem Muster von Bayern. Das heißt, dass jede Schulform einen Tag in ihrem Schuljahr dem Handwerk widmen und über die Möglichkeiten und Chancen informieren soll, die das Handwerk bietet, und das auch in allen Formen, nicht nur in Gesamtschulen, sondern auch in Gymnasien und in anderen Schulformen, damit diese Möglichkeiten, die es gibt, auch genutzt werden. Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch da möchte ich noch einmal aufgreifen, was Sie, Frau Meiser, genannt haben, die Förderung von Sprache. Frau Schmitt-Lang hat deutlich gemacht, wie wenig das vorangeht und wie schwierig das ist. Aber ich will auch auf einen Aspekt aufmerksam machen, der noch problematischer ist. Selbst junge Leute mit Migrationshintergrund, die die Sprache einigermaßen können, müssen irgendwann in eine Prüfung gehen und mit Schachtelsätzen, die sich über vier und fünf Zeilen bewegen, die Aufgaben verstehen. Das ist ein großer Nachteil für sie, da sie das so nicht machen oder so nicht lösen können. Daher haben wir auch in diesem weiterführenden Bereich die ganz wichtige Aufgabe, dass wir das besser in den Griff kriegen. Ich glaube - und ich bin sehr hoffnungsfroh bei den Wortmeldungen, die Sie gemacht haben -, dass wir uns einigen können, dass wir mit Sicherheit bei Ihrem sehr beschreibenden Antrag, was bisher gemacht wurde, uns auf unseren Antrag einigen könnten, damit wir ins Handeln kommen. Dafür wäre ich dem Plenum sehr dankbar. Ich bitte Sie, darüber nachzudenken, und freue mich darauf, mit Ihnen weiter an der beruflichen Bildung in diesem Land zu arbeiten. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und vereinzelt der SPD.)

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